Patientenleitlinie: Chronische Koronare Herzkrankheit (KHK)
Patientenleitlinie KHK - Titelbild

Verhalten im Notfall

Zeichen, die auf einen Notfall hindeuten, sind:

  • starke Schmerzen hinter dem Brustbein, die in Nacken, Hals, Kiefer, Schulterblätter, Arme oder Oberbauch ausstrahlen können;

  • starkes Engegefühl, heftiger Druck im Brustkorb;

  • stärkere Luftnot, Atemnot;

  • Schweißausbrüche mit kaltem Schweiß;

  • Übelkeit, Erbrechen;

  • Todesangst;

  • blass-graue Gesichtsfarbe;

  • Beschwerden, die länger als ein paar Minuten dauern;

  • Beschwerden, die im Ruhezustand auftreten;

  • anhaltende Beschwerden, obwohl Sie eine körperliche Belastung, wie zum Beispiel Treppensteigen, beendet haben;

  • anhaltende Beschwerden, obwohl Sie Ihr Notfallmedikament, etwa Ihr Nitro-Spray, genommen haben.

Ein Herz-Notfall kann auch weniger typische Anzeichen haben. Manche Menschen spüren ihre Beschwerden eher im Bauch, verbunden mit Übelkeit oder Erbrechen. Das kommt vor allem bei Frauen öfters vor. Nahezu alle Betroffenen geben aber an, dass es ihnen "ganz plötzlich sehr schlecht" gegangen sei.

Es ist nicht immer leicht, eine vorübergehende, kurze Verschlechterung der KHK von einer ernsthaften Notfallsituation zu unterscheiden. Die Übergänge sind oft fließend.

Wenn Sie unsicher sind, ob wirklich ein Notfall vorliegt, holen Sie möglichst schnell fachkundigen Rat ein, etwa von Ihrem Hausarzt oder vom ärztlichen Bereitschaftsdienst: Die bundesweite Rufnummer lautet 116 117. Wenn Sie jedoch den Eindruck haben, dass ein Notfall vorliegt, rufen Sie rasch den Rettungsdienst (Notärztin).

Im Notfall sollten Sie sofort Hilfe rufen!

Rufen Sie 112 an.

Geben Sie an:

  • Wer ruft an?

  • Was ist passiert? (etwa: Verdacht auf Herzinfarkt)

  • Wo befinden Sie sich?

  • Was haben Sie bisher gegen die Beschwerden gemacht? (etwa: Ihr Nitro-Spray oder Nitro-Kapsel eingenommen)

Bis Hilfe kommt:

  • versuchen Sie ruhig zu bleiben;

  • nehmen Sie Ihr Notfallmedikament ein;

  • befreien Sie sich von beengender Kleidung;

  • wenn Sie alleine zu Hause sind, öffnen Sie die Wohnungs- oder Haustür.

Was Sie vorher tun können

Solch ein Ernstfall tritt oft unerwartet und plötzlich ein. Daher ist es wichtig, vorbereitet zu sein.

  • Fachleute empfehlen Ihnen, Ihr Notfall-Medikament, etwa Nitrate als Spray, Tropfen oder Kapsel, stets bei sich zu tragen.

  • Sie können sich von Ihrem Arzt genau zeigen lassen, wie Sie das Notfall-Medikament anwenden sollen.

  • Es ist wichtig, dass Sie stets rechtzeitig für Nachschub Ihrer Medikamente sorgen.

  • Es ist gut, wenn Sie Ihren Angehörigen und Ihrem Kollegenkreis mitteilen, dass bei Ihrer Krankheit ein Notfall auftreten kann. Informieren Sie sie darüber, was in diesem Fall zu tun ist. Empfehlen Sie Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin, einen Erste-Hilfe-Kurs zu besuchen.

  • Hilfreich ist auch, einen Zettel in Ihre Geldtasche zu legen, auf dem all Ihre Medikamente verzeichnet sind, und auf dem steht, dass Sie an einer KHK erkrankt sind. Auch die Telefonnummern Ihrer Angehörigen und Ihrer Hausarztpraxis sollten auf diesem Zettel stehen.

Wie Angehörige helfen können

Wenn ein Mensch mit Herzstillstand bewusstlos zusammen bricht, zählt jede Minute. Sie können helfen, bis ärztliche Hilfe kommt:

  • Rufen Sie 112 an oder sorgen Sie dafür, dass dies jemand anderes tut.

  • Beginnen Sie sofort mit der Herzdruckmassage (siehe Abbildung 7: Herzdruckmassage):

    • Die kranke Person liegt auf dem Rücken.

    • Sie knien sich auf Brusthöhe daneben.

    • Den Ballen einer Hand setzen Sie in die Mitte des Brustkorbes.

    • Die andere Hand legen Sie darüber.

    • Drücken Sie mit durchgestreckten Armen kräftig den Brustkorb etwa 5 bis 6 Zentimeter ein.

    • Ein schnelles Tempo ist nötig: etwa 2-mal pro Sekunde.

    • Dies ist sehr anstrengend. Falls möglich, sollten Sie sich alle paar Minuten mit jemandem abwechseln.

    • Sie drücken so lange, bis professionelle Hilfe da ist oder die betroffene Person wieder wach wird.

    • Mit diesem Vorgehen machen Sie alles richtig. Sie sollten nicht, aus Angst etwas Falsches zu tun, zögern. Ungeübte Personen brauchen eine bewusstlose Person nicht zu beatmen. Sie leisten auch ohne Atemspende wertvolle Hilfe.

Abbildung 7: Herzdruckmassage
(zum Vergrößern Abbildung bitte anklicken)

abb7-herzdruckmassage.jpeg

Auf öffentlichen Plätzen ist oft ein Defibrillationsgerät (kurz: Defi) verfügbar, zum Beispiel auf großen Bahnhöfen oder in Empfangshallen. Sie erkennen das Gerät an diesem Zeichen:

defi.jpeg

Falls möglich, sollten Sie den Defi einsetzen. Das Gerät spricht mit Ihnen und sagt Schritt für Schritt, was zu tun ist. Es nicht zu nutzen, wäre falsch.

Diese Informationen finden Sie auch kompakt in der Kurzinformation "KHK – was Sie oder Ihre Angehörigen im Notfall tun können.

3. Auflage, 2019. Version 1

Mehr zum Thema

  • KHK – wenn sich die Herzgefäße verengen

    Eine koronare Herzkrankheit (kurz: KHK) ist eine ernst zu nehmende Erkrankung. Bei ihr sind die Gefäße verengt, die das Herz mit Blut versorgen. Das führt zu Brustschmerzen (Angina pectoris), Engegefühl und Luftnot. Mit einer passenden Behandlung können Sie gut mit einer KHK leben.

  • KHK – was Sie oder Ihre Angehörigen im Notfall tun können

    Eine koronare Herzkrankheit (kurz: KHK) kann bedrohliche Folgen wie einen Herzinfarkt haben. Hier erfahren Sie, woran Sie einen Notfall erkennen und wie Sie bei plötzlichem Brustschmerzen, Brustenge und Atemnot am besten reagieren können, zum Beispiel Ihr Nitro-Spray einnehmen. Auch eine Herzdruckmassage (Reanimation) wird erklärt.

  • KHK – Ernährung und Bewegung sind wichtig

    Ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung sind für eine gute Behandlung der KHK ebenso wichtig wie Medikamente. Dieses Infoblatt gibt Ihnen wissenschaftlich belegte Anregungen für Ihren Alltag mit KHK.

  • KHK – Langzeitbehandlung mit Statinen

    Bei der KHK sind die Gefäße verengt, die das Herz versorgen. Statine senken die Blutfette und schützen dadurch die Gefäßwände, auch die vom Herzen. Dadurch können sie bei der KHK Krankheitsfolgen wie Herzinfarkte verhindern.

  • KHK – mögliche Untersuchungen bei Verdacht

    Ärztliche Befragung und Untersuchung werden bei Verdacht auf KHK empfohlen. Welche Untersuchungen noch hinzukommen können, erläutert dieses Patientenblatt.

  • KHK – warum Rauchstopp hilft

    Warum Rauchen so schädlich bei KHK ist und wo Sie Hilfe bekommen können, wenn Sie mit Rauchen aufhören wollen, erläutert dieses Infoblatt.

  • KHK – gemeinsam entscheiden

    Eine KHK ist eine dauerhafte Erkrankung. Im Verlauf sind immer wieder wichtige Entscheidungen zu treffen, welche Behandlung für Sie die geeignete ist. Lassen Sie sich hierbei gut von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt unterstützen.

  • KHK – Stents einsetzen bei einer Herzkatheter-Untersuchung?

    Nutzen Sie diese Information vor der geplanten Untersuchung, um gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zu entscheiden, ob Stents eingesetzt werden oder zunächst ausschließlich mit Medikamenten behandelt werden soll.

  • KHK – Stent oder Bypass

    Bei Ihnen sollen verengte Herzkranzgefäße mithilfe von Stents offengehalten oder operativ "überbrückt" (Bypass) sollen. Nutzen Sie diese Information, um gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zu entscheiden, welcher Eingriff für Sie der passende ist.

  • KHK – brauche ich eine Herzkatheter-Untersuchung?

    Die Untersuchung ist in bestimmten Fällen wichtig, um die weitere Behandlung zu planen. Sie ist aber nicht immer notwendig. Wir stellen Ihnen die wichtigsten Behandlungsmöglichkeiten vor. So können Sie absehen, ob die Untersuchung in Ihrer Situation Nutzen bringt.

Spezielle Angebote für Menschen mit chronischer KHK finden Sie unter den folgenden Adressen:

Deutsche Herzstiftung e. V.
E-Mail: 
Internet: www.herzstiftung.de/selbsthilfegruppen.html

Herzgruppen der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen e. V.
Unter dieser Adresse erfahren Sie, welche Herzgruppen es in Ihrem Bundesland gibt:
E-Mail: 
Internet: www.dgpr.de

Stiftung "Der herzkranke Diabetiker"
Stiftung in der Deutschen Diabetes-Stiftung

E-Mail: 
Internet: www.stiftung-dhd.de

Wo sich eine Selbsthilfegruppe in Ihrer Nähe befindet, können Sie auch bei der Nationalen Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS) erfragen:

Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS)
Otto-Suhr-Allee 115
10585 Berlin
Telefon: 030 31018960
Fax: 030 31018970
E-Mail: 
Internet: www.nakos.de

Hinweise und Kommentare

Sie haben Hinweise und Kommentare zu unserem Internetangebot?

Extras

Checklisten

Checklisten

Wir bieten Orientierung im Gesundheitswesen und geben Antworten auf Fragen.
Weiterlesen
Wörterbuch

Wörterbuch

Hier erklären wir Fachbegriffe und gängige Abkürzungen allgemeinverständlich.
Weiterlesen
Leichte Sprache

Leichte Sprache

Hier finden Sie Krankheiten und Gesundheitsfragen in sehr einfacher Form erklärt.
Weiterlesen
Flyer "Patientenportal"

Flyer "Patientenportal"

Den neuen Flyer können Sie kostenlos bestellen, auslegen und weitergeben.
Weiterlesen
Wird geladen