KHK – brauche ich eine Herzkatheter-Untersuchung?

KHK – brauche ich eine Herzkatheter-Untersuchung?

Ihr Arzt oder Ihre Ärztin vermutet bei Ihnen eine "stabile koronare Herzkrankheit" oder hat sie bereits festgestellt. Eine Herzkatheter-Untersuchung ist dann in bestimmten Fällen wichtig, um die weitere Behandlung zu planen. Aber nicht immer ist sie notwendig. Bevor Sie sich dazu entschließen, sollten Sie die wichtigsten Behandlungsmöglichkeiten kennen. So können Sie absehen, ob die Katheter-Untersuchung in Ihrer Situation Nutzen bringt.

Dieses Informationsblatt gilt nur für die stabile KHK.

Auf einen Blick

Die koronare Herzkrankheit (kurz: KHK) entsteht durch verengte Herzkranzgefäße. In bestimmten Situationen ist eine Herzkatheter-Untersuchung wichtig, um die Behandlung einer KHK zu planen. Häufig ist dieser Eingriff aber nicht notwendig, zum Beispiel, wenn aufgrund Ihrer körperlichen Verfassung eine Operation nicht möglich ist oder Sie sich entscheiden, Beschwerden zunächst nur mit Medikamenten behandeln zu lassen.

Was ist eine Koronare Herzkrankheit?

Die koronare Herzkrankheit (KHK) entsteht durch eine Verengung von Herzkranzgefäßen. Diese Gefäße heißen so, weil sie wie ein Kranz um das Herz liegen. Sie versorgen den Herzmuskel mit Sauerstoff. Die Verengungen entstehen durch Fett- oder Kalkablagerungen an den Innenwänden der Herzkranzgefäße. Die Folge ist, dass der Herzmuskel nicht mehr ausreichend Sauerstoff bekommt. Die KHK ist eine ernst zu nehmende Erkrankung, die das tägliche Leben stark beeinträchtigen kann. Sie kann zu einem Herzinfarkt oder Herzschwäche führen. Diese sind mit erhöhter Sterblichkeit verbunden.

Welche Beschwerden verursacht eine KHK?

Bei einer chronischen koronaren Herzkrankheit treten nicht ständig Beschwerden auf. Bei Belastung kann es aber zu Schmerzen hinter dem Brustbein kommen, die häufig in den Nacken, Hals, Kiefer, in die Arme oder den Oberbauch ausstrahlen. Das nennt man stabile Angina Pectoris (Brustenge). Diese Schmerzen können unterschiedlich stark sein. Sie können auch mit Schweißausbrüchen, Luftnot oder Übelkeit verbunden sein. Treten die Beschwerden auch in Ruhephasen auf, spricht man von einer instabilen Angina Pectoris. Dann ist dringender Handlungsbedarf.

Wie wird eine KHK behandelt?

Heilen kann man die KHK nicht. Aber mit einer guten Behandlung können Sie eine ähnliche Lebensqualität haben wie Gesunde. Die Behandlung verfolgt zwei Ziele: Beschwerden lindern und gefährlichen Folgen wie Herzinfarkt vorbeugen. Das wichtigste ist ein gesunder Lebensstil, das heißt: viel Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und möglichst Verzicht auf Rauchen. Darüber hinaus lässt sich eine KHK mit Medikamenten allein, oder zusätzlich mit sogenannten Stents oder einer Bypass-Operation behandeln. Auch wenn Sie Stents oder eine Operation erhalten, sollten Sie regelmäßig Medikamente einnehmen.

Behandlung ausschließlich mit Medikamenten

Mehrere Wirkstoffe werden bei der Behandlung einer KHK kombiniert: Sogenannte Plättchenhemmer, Statine und gegebenenfalls Betablocker. Manchmal kommen noch andere Wirkstoffe hinzu, zum Beispiel ACE-Hemmer oder Sartane. Verlässliche Studien haben gezeigt, dass diese Medikamente die Sterblichkeit und das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall senken. Wichtig ist, dass Sie die Medikamente regelmäßig einnehmen. Und es gibt Medikamente, die akute Beschwerden sofort lindern. Bei etwa einem Drittel der Behandelten lassen die Beschwerden nicht nach. Sie entschließen sich dann zu einer Operation oder zum Einsetzen von Stents. Um zwischen diesen beiden Möglichkeiten zu entscheiden, wird eine Herzkatheter-Untersuchung empfohlen.

Stents

Stents sind dünne Röhrchen, die verengte Stellen im Blutgefäß offen halten und so für bessere Durchblutung sorgen. Eine dünne Sonde (Katheter) wird von der Leiste oder vom Arm aus durch die Blutgefäße bis zur verengten Stelle vorgeschoben. An seiner Spitze sitzen ein Ballon und der Stent. Die Engstelle wird geweitet und der Stent eingesetzt. In Notfällen, etwa bei einem Herzinfarkt, sind Stents die Behandlung der Wahl. Auch wenn sich die Beschwerden einer stabilen KHK mit Medikamenten allein nicht kontrollieren lassen, können Stents Linderung bringen. Aussagekräftige Studien haben aber gezeigt, dass sie in dieser Situation im Vergleich zur alleinigen Behandlung mit Medikamenten das Risiko für Herzinfarkte nicht senken und die Lebenserwartung nicht erhöhen können.

Bypass-Operation

Während einer Operation am Herzen werden verengte Blutgefäße überbrückt. "Bypass" ist englisch und bedeutet: Umgehung. Als Bypass können körpereigene Venen oder Arterien dienen. Aussagekräftige Studien haben die Bypass-Operation mit Stents verglichen. Sie haben gezeigt, dass die Operation die Beschwerden anhaltender lindert als Stents, das heißt: es wird nach einer Operation seltener ein erneuter Eingriff notwendig.

Eine Gesamtauswertung aller Studien hat gezeigt, dass die Operation auch die Lebenserwartung verbessern kann: 4 Jahre nach dem Eingriff waren 7 von 100 operierten Patienten gestorben, im Vergleich zu 10 Patienten, die Stents erhalten hatten. Das heißt: Etwa 3 von 100 lebten dank der Operation länger. Dafür ist eine Operation mit höheren Risiken verbunden. Schlaganfälle traten innerhalb von 4 Jahren nach dem Eingriff häufiger auf: bei etwa 3 von 100 Operierten im Vergleich zu etwa 2 von 100 Patienten, die Stents erhielten. Das heißt: 1 von 100 erlitt durch die Operation einen Schlaganfall. Es braucht länger, bis man sich von dem Eingriff erholt hat. Bei bestimmten Voraussetzungen brachte die Bypass-Operation keinen Überlebensvorteil: zum Beispiel, wenn nur ein Gefäß verengt war.

Wann brauche ich eine Herzkatheter-Untersuchung?

Mit einer Herzkatheter-Untersuchung soll die Ärztin oder der Arzt prüfen, ob eine Bypass-Operation einen Vorteil bietet, und wie sie durchgeführt werden könnte.

Die Untersuchung ist nicht notwendig, wenn:

  • aufgrund Ihrer körperlichen Verfassung eine Operation nicht möglich ist;
  • Sie sich entscheiden, Beschwerden zunächst nur mit Medikamenten behandeln zu lassen.

Übersicht: Behandlungsmöglichkeiten bei stabiler KHK

Medikamente allein Medikamente + Stents Medikamente + Bypass
Linderung von Beschwerden? Ja Ja Ja
Kann die Behandlung das Leben verlängern? Ja, im Vergleich zu einer Behandlung ohne Medikamente Nein, im Vergleich zur alleinigen Behandlung mit Medikamenten Manchmal, im Vergleich zu Stents oder Medikamenten allein: 3 von 100 Operierten lebten dank der OP länger
Nebenwirkun-gen/Komplikationen? Nebenwirkungen der Medikamente Nebenwirkungen der Medikamente, leichte Blutungen: bei etwa 5 von 100 Behandelten, schwere Komplikationen: bei weniger als 1 von 100 Behandelten Nebenwirkungen der Medikamente, Schlaganfälle: etwa 1 von 100 Operierten erleidet durch die OP einen Schlaganfall; Infektion, Blutungen, Wundheilungsstörung, Narkoserisiko
(erneuter) Eingriff notwendig? Bei etwa 30 von 100 Patienten (Stents oder Bypass) Bei etwa 20 von 100 Patienten nach 4 Jahren (Stents oder Bypass) Bei etwa 6 von 100 Operierten nach 4 Jahren (Stents oder Bypass)
Herzkatheter-Untersuchung notwendig? Nein Ja Ja
2016 – in Überarbeitung

Mehr zum Thema

  • KHK – wenn sich die Herzgefäße verengen

    Eine koronare Herzkrankheit (kurz: KHK) ist eine ernst zu nehmende Erkrankung. Bei ihr sind die Gefäße verengt, die das Herz mit Blut versorgen. Das führt zu Brustschmerzen (Angina pectoris), Engegefühl und Luftnot. Mit einer passenden Behandlung können Sie gut mit einer KHK leben.

  • KHK – was Sie oder Ihre Angehörigen im Notfall tun können

    Eine koronare Herzkrankheit (kurz: KHK) kann bedrohliche Folgen wie einen Herzinfarkt haben. Hier erfahren Sie, woran Sie einen Notfall erkennen und wie Sie bei plötzlichem Brustschmerzen, Brustenge und Atemnot am besten reagieren können, zum Beispiel Ihr Nitro-Spray einnehmen. Auch eine Herzdruckmassage (Reanimation) wird erklärt.

  • KHK – mögliche Untersuchungen bei Verdacht

    Ärztliche Befragung und Untersuchung werden bei Verdacht auf KHK empfohlen. Welche Untersuchungen noch hinzukommen können, erläutert dieses Patientenblatt.

  • KHK – gemeinsam entscheiden

    Eine KHK ist eine dauerhafte Erkrankung. Im Verlauf sind immer wieder wichtige Entscheidungen zu treffen, welche Behandlung für Sie die geeignete ist. Lassen Sie sich hierbei gut von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt unterstützen.

  • KHK – Ernährung und Bewegung sind wichtig

    Ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung sind für eine gute Behandlung der KHK ebenso wichtig wie Medikamente. Dieses Infoblatt gibt Ihnen wissenschaftlich belegte Anregungen für Ihren Alltag mit KHK.

  • KHK – warum Rauchstopp hilft

    Warum Rauchen so schädlich bei KHK ist und wo Sie Hilfe bekommen können, wenn Sie mit Rauchen aufhören wollen, erläutert dieses Infoblatt.

  • KHK – Langzeitbehandlung mit Statinen

    Bei der KHK sind die Gefäße verengt, die das Herz versorgen. Statine senken die Blutfette und schützen dadurch die Gefäßwände, auch die vom Herzen. Dadurch können sie bei der KHK Krankheitsfolgen wie Herzinfarkte verhindern.

  • KHK – Stents einsetzen bei einer Herzkatheter-Untersuchung?

    Nutzen Sie diese Information vor der geplanten Untersuchung, um gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zu entscheiden, ob Stents eingesetzt werden oder zunächst ausschließlich mit Medikamenten behandelt werden soll.

  • KHK – Stent oder Bypass

    Bei Ihnen sollen verengte Herzkranzgefäße mithilfe von Stents offengehalten oder operativ "überbrückt" (Bypass) sollen. Nutzen Sie diese Information, um gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zu entscheiden, welcher Eingriff für Sie der passende ist.

Für diese Information haben wir die Nationale Versorgungsleitlinie (NVL) Chronische KHK genutzt. Diese ist für Ärztinnen, Ärzte und andere medizinische Fachleute gedacht.

Wo Sie eine Selbsthilfeorganisation in Ihrer Nähe finden, erfahren Sie bei der NAKOS (Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen).

Internet www.nakos.de 
Telefon 030 31018960

    Dieses Patientenblatt ist Bestandteil der Nationalen VersorgungsLeitlinie (NVL) "Chronische KHK".

    Weiterführende Links

    Extras

    Checklisten

    Checklisten

    Wir bieten Orientierung im Gesundheitswesen und geben Antworten auf Fragen.
    Weiterlesen
    Wörterbuch

    Wörterbuch

    Hier erklären wir Fachbegriffe und gängige Abkürzungen allgemeinverständlich.
    Weiterlesen
    Leichte Sprache

    Leichte Sprache

    Hier finden Sie Krankheiten und Gesundheitsfragen in sehr einfacher Form erklärt.
    Weiterlesen
    Flyer "Patientenportal"

    Flyer "Patientenportal"

    Den neuen Flyer können Sie kostenlos bestellen, auslegen und weitergeben.
    Weiterlesen
    Wird geladen