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9 Langzeitbetreuung

2. Auflage, 2017. Version 1 – Druckversionpdf.png | Kapitelübersicht | weitere Informationen

9.1 Hausärztliche Versorgung

Ihr wichtigster Ansprechpartner in der Langzeitbetreuung ist der Hausarzt. Bei ihm laufen alle Informationen über die Erkrankung und die Behandlung zusammen. Er übernimmt die Langzeitbetreuung und die Dokumentation aller in diesem Zusammenhang wichtigen medizinischen Daten. Außerdem steuert er Untersuchungs-, Behandlungs- und Rehabilitationsmaßnahmen. Er stimmt auch die Behandlung der KHK mit Maßnahmen für andere Erkrankungen (Begleiterkrankungen) mit Ihnen ab.

In bestimmten medizinischen Situationen empfiehlt die ärztliche Leitlinie, dass Sie gemeinsam von einer Hausärztin und einem Facharzt für Herzerkrankungen (Kardiologe) betreut werden (mehr dazu im Kapitel "Wer an der Behandlung beteiligt ist").

9.2 Kontrolltermine vereinbaren

Nach der Akutbehandlung werden Sie von Ihrer Hausärztin viertel- bis halbjährlich zu regelmäßigen Untersuchungen in die Praxis eingeladen. Die ärztliche Leitlinie empfiehlt Ihnen, diese Termine wahrzunehmen, unabhängig davon, ob Sie Beschwerden haben oder nicht. Verschlechtert sich Ihr Gesundheitszustand, so sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen beziehungsweise rufen (siehe auch Kapitel "Verhalten im Notfall").

Bei der regelmäßigen Untersuchung werden Sie ausführlich zu folgenden Punkten befragt:

  • aktuelle Beschwerden;
  • Müdigkeit;
  • Belastbarkeit (Haben Sie bei sich einen "Leistungsknick" bemerkt?);
  • Auswirkung der Erkrankung auf Ihre Familie, Beruf, Alltagsaktivitäten, Sport und Sexualleben;
  • emotionale Aspekte (Depression, Angst, Sorgen, Enttäuschung);
  • Probleme in Familie, Freundeskreis oder Beruf;
  • Ihre eigene Sicht auf die Erkrankung (macht sie Angst, gibt sie Anlass zu übertriebener Schonung, verursacht sie eine Einbuße an Lebensqualität);
  • Rauchen (wenn Sie noch nicht damit aufgehört haben);
  • körperliche Aktivität;
  • Ernährung;
  • regelmäßige Einnahme von Medikamenten.

Zudem verschafft sich die Ärztin im Gespräch einen Überblick darüber, was Sie selbst über Prognose, die Bedeutung und Behandlung von Beschwerden, alarmierende Krankheitszeichen und dessen Folgen wissen. Sollten Sie weiteren Informationsbedarf haben, kann Ihnen der Arzt eine Schulung anbieten. Natürlich können Sie auch gezielt danach fragen.

Danach folgt stets eine körperliche Untersuchung. Unter anderem werden Herz und Lunge abgehört, die Pulse an Füßen und Armen ertastet und Gewicht, Blutdruck sowie Puls gemessen.

Die Leitlinie empfiehlt:

Wenn Ihre KHK keine Beschwerden verursacht, sollen Sie nach Meinung der Expertengruppe im Rahmen der regelmäßigen Kontrolluntersuchungen keine speziellen Untersuchungen des Herzens erhalten.

Ist bei Ihnen eine KHK bereits seit längerem bekannt und besteht nun der Verdacht, dass die Erkrankung fortschreitet, so sollte nach Meinung der Expertengruppe bevorzugt dasselbe bildgebende Verfahren angewendet werden wie in den vorherigen Untersuchungen (siehe Kapitel "Welche Untersuchungen noch auf Sie zukommen können").

Den Experten der ärztlichen Leitlinie sind keine Studien bekannt, die die Verlaufsbeobachtung bewerten. Daher können keine genauen Aussagen zur Häufigkeit von Kontrollterminen und zu Kontrolluntersuchungen getroffen werden.

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9.3 Behandlungsziele einhalten

Am besten ist es, wenn Sie mit Ihrer Hausärztin gemeinsam Behandlungsziele festlegen, das heißt, was bis zu welchem Zeitpunkt erreicht werden soll und durch wen.

Zum Beispiel: Sie nehmen sich vor, innerhalb der nächsten 2 Monate mit dem Rauchen aufzuhören. Das wird schriftlich festgehalten. So können Sie und Ihr Arzt überprüfen, ob diese Ziele erreicht werden konnten.

Tabelle 7: Beispielvorlage für einen gemeinsam erarbeiteten Therapieplan. Quelle: modifiziert nach http://decisionaid.ohri.ca

 

Wie ist der Ausgangspunkt?

Welches Ziel wollen Sie und Ihr Arzt erreichen?

Was Sie selbst tun können

Medizinische Maßnahmen, die Ihr Arzt Ihnen dazu verordnet

Mit dem Rauchen aufhören

 

 

 

 

Körperliche
Bewegung

 

 

 

 

Rückkehr in
den Beruf

 

 

 

 

Übergewicht in den Griff
bekommen

 

 

 

 

Blutdruck senken

 

 

 

 

Stress
vermindern

 

 

 

 

Weitere
Erkrankungen behandeln

 

 

 

 

Aussagekräftige Studien berichten, dass etwa 4 von 10 Menschen mit KHK ihre Medikamente auf Dauer nicht wie verordnet einnehmen (siehe auch Wörterbuch: "Adhärenz"). Zudem gibt es Hinweise darauf, dass Betroffene ihre Folgerezepte zu selten anfordern und Kontrolltermine nicht einhalten.

Die Leitlinie empfiehlt:

Aus diesem Grund soll Ihre Ärztin oder Ihr Arzt während des gesamten Krankheitsverlaufs regelmäßig überprüfen, ob und wie Sie Ihre Medikamente einnehmen. Ebenso soll Ihre Ärztin oder Ihr Arzt regelmäßig nachfragen, ob Sie Ihren Lebensstil verändert haben, zum Beispiel nicht mehr rauchen oder sich körperlich mehr bewegen.

Bei bestehenden Problemen sollte Ihr Behandlungsteam Sie unterstützen und gemeinsam mit Ihnen nach Hilfen und Lösungen suchen. Wenn es dennoch langfristig nicht klappt, sollte Ihnen psychologische oder psychotherapeutische Unterstützung angeboten werden.

Grippeschutzimpfung

Jedes Jahr im Herbst sollte Ihnen die Ärztin eine Grippeschutzimpfung anbieten. Es gibt Hinweise, dass somit möglicherweise weniger Menschen an ihrer Herz-Kreislauf-Erkrankung versterben oder einen Herzinfarkt erleiden. Diese Impfung gehört zum Leistungskatalog der Krankenkassen und wird erstattet.

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9.4 Wer an der Behandlung beteiligt ist

Im Rahmen der langjährigen Versorgung Ihrer Erkrankung kommt es darauf an, dass alle beteiligten Ärzte und andere medizinische Berufsgruppen aus verschiedenen Bereichen eng zusammen arbeiten: Hausarztpraxis, Fachärzte, Krankenhäuser und Rehabilitations-Einrichtungen.

Es ist nicht leicht zu überschauen, welche Untersuchung oder Behandlung wann von wem durchgeführt werden sollte. Ihre betreuende Hausärztin behält hier den Überblick. Sie veranlasst alle Überweisungen zum empfohlenen Zeitpunkt und sollte alle Untersuchungsergebnisse und mögliche Behandlungen bei anderen Spezialisten kennen.

In folgenden Situationen empfiehlt die ärztliche Leitlinie, dass Sie vom Hausarzt zu einer Kardiologin überwiesen werden:

  • bei Herzbeschwerden, die nicht eindeutig zu erklären sind;
  • bei Herzbeschwerden, die sich trotz Behandlung nicht bessern oder sogar verschlimmern;
  • wenn Sie die Medikamente nicht gut vertragen oder diese nicht richtig eingestellt sind;
  • wenn der Verdacht auf eine Herzschwäche besteht oder sich eine bereits bekannte Herzschwäche verschlechtert;
  • wenn plötzlich Herzrhythmus-Störungen auftreten.

In diesen besonderen Situationen empfiehlt Ihnen die ärztliche Leitlinie, dass Sie von einer Hausärztin und einem Kardiologen gemeinsam betreut werden:

  • wenn bei Ihnen ein akutes Koronarsyndrom weniger als ein Jahr zurück liegt;
  • wenn bei Ihnen ein Eingriff wie Stents oder Bypass weniger als ein Jahr zurück liegt;
  • bei einer fortgeschrittenen Herzschwäche;
  • bei Herzrhythmus-Störungen, die von der linken oder der rechten Herzkammer ausgehen, zum Beispiel bei Kammerflimmern oder Kammerflattern;
  • bei Herzklappenfehlern;
  • wenn Sie einen Herzschrittmacher haben, um die Funktion des Herzschrittmachers regelmäßig kontrollieren zu lassen.

 

Die Leitlinie empfiehlt:
Besteht bei Ihnen ein erhöhtes Risiko für Ihr Herz, zum Beispiel durch Diabetes, Mehrgefäß-Erkrankung oder Zustand nach Herzstillstand, so sollten nach Expertenmeinung Ihr Kardiologe oder Ihre Kardiologin und Ihr Hausarzt oder Ihre Hausärztin gemeinsam mit Ihnen regelmäßige Kontrolltermine vereinbaren.

In bedrohlichen Situationen empfiehlt die ärztliche Leitlinie, dass Sie in ein Krankenhaus eingewiesen werden, insbesondere bei:

  • akutem Koronarsyndrom;
  • Verdacht auf Überlastung des Herzens aufgrund von Folge- und Begleiterkrankungen, wie etwa Bluthochdruck, Herzschwäche, Rhythmusstörungen oder Diabetes mellitus.

Die stationäre Einrichtung sollte möglichst auf Herzkrankheiten spezialisiert sein und viel Erfahrung in diesem Bereich haben.

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9.5 Eine gute Arztpraxis finden

Wer sich darüber informieren möchte, woran eine "gute Arztpraxis" zu erkennen ist, kann die Broschüre "Woran erkennt man eine gute Arztpraxis – Checkliste für Patientinnen und Patienten" zu Rate ziehen. Sie ist im Internet frei verfügbar unter der Adresse: www.arztcheckliste.de.

Selbsthilfeorganisationen haben ebenfalls eine Liste von Praxen, an die sich Menschen mit KHK wenden können.

9.6 Selbständiger Umgang mit der Krankheit

Je mehr Sie über Ihre Erkrankung wissen, desto besser werden Sie mit ihr umgehen können. Ihre Hausärztin unterstützt Sie dabei. Bei gezielter Behandlung können Sie trotz chronischer KHK einen Zustand erreichen, der dem eines gesunden Menschen vergleichbar ist. Für die meisten Betroffenen ist eine zufriedenstellende Lebensqualität möglich und die Prognose heutzutage günstig.

Strukturierte Langzeitprogramme wie die ambulanten Herzgruppen mit regelmäßigem Training, Schulung und Motivation zum Einhalten der Behandlung können dazu beitragen, dass bereits erreichte Therapieerfolge anhalten und sich der Krankheitsverlauf weiter verbessert (siehe auch Kapitel "Rat und Unterstützung").

Strukturierte Behandlungsprogramme

Es besteht für gesetzlich Versicherte die Möglichkeit, sich in sogenannte strukturierte Behandlungsprogramme (englisch: Disease Management Programme (DMP)) einzuschreiben. Diese Programme wurden für verschiedene chronische Erkrankungen eingerichtet – auch für die KHK. Sie haben das Ziel, die Versorgung von chronisch kranken Patienten zu verbessern. Eine aussagekräftige Studie berichtet, dass sich fast jedes zweite Programm positiv auf den Krankheitsverlauf auswirkt. Nähere Auskünfte zu einem solchen Programm erteilt die Ärztin, die betreffende Krankenkasse oder eine Selbsthilfeorganisation.

Herz-Gruppen

In Deutschland gibt es etwa 6 000 ambulante Herz-Gruppen, in denen Sie unter der Leitung eines speziell ausgebildeten Übungsleiters und einer kardiologisch erfahrenen Ärztin mindestens einmal pro Woche trainieren können. Die Gruppen bestehen aus bis zu 20 Herzpatienten. Voraussetzung ist eine ärztliche Verordnung, die vom zuständigen Kostenträger (Krankenversicherung oder Rentenversicherung) vor Teilnahmebeginn genehmigt werden muss. Unter dieser Adresse erfahren Sie, welche Herzgruppen es in Ihrem Bundesland gibt: www.dgpr.de.

Selbsthilfe

Sie können sich an eine Selbsthilfegruppe wenden, um mit der Erkrankung und ihren Beeinträchtigungen besser fertig zu werden. Vielen macht es Hoffnung und Mut, mit Gleichbetroffenen zu sprechen. Diese sind "lebende Beispiele", dass sich die Krankheit und die auftretenden psychosozialen Belastungen verarbeiten lassen. Sie können glaubhaft Zuversicht vermitteln und damit helfen, Ängste zu überwinden und ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Die Selbsthilfe bietet Informationen, Beratung und Begleitung. Wenn Sie den Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe suchen, fragen Sie möglichst frühzeitig Ihren Arzt. Adressen und Ansprechpartner finden Sie auch in dieser Broschüre im Kapitel "Rat und Unterstützung / Selbshilfe".

9.7 Lebensqualität

Wenn Sie sich körperlich und seelisch schlecht fühlen, ist dies oft mit einer niedrigen Lebensqualität verbunden. Die Experten gehen davon aus, dass eine niedrige Lebensqualität mit einem schlechteren Verlauf der KHK verknüpft ist.

Die Leitlinie empfiehlt:
Nach Meinung der Expertengruppe sollten Sie während des gesamten Krankheitsverlaufs regelmäßig nach Ihrem körperlichen und seelischen Befinden befragt werden und Ihre gesundheitliche Lebensqualität eingestuft werden. Bei Bedarf sollten dann weitere Untersuchungs- und Behandlungsschritte veranlasst werden.

 

Lebensqualität – Was ist das?

Der Begriff Lebensqualität ist sehr vielschichtig. Er umfasst unterschiedliche Bereiche des körperlichen, seelischen, geistigen und sozialen Wohlbefindens. Jeder Mensch setzt dabei etwas andere Schwerpunkte, was für sein Leben wichtig ist und was ihn zufrieden macht.

Was angesichts Ihrer Krankheit, Ihrer Lebenssituation und Ihrer persönlichen Bedürfnisse Lebensqualität genau für Sie bedeutet, wissen nur Sie allein. Deshalb ist es wichtig, dass Sie mit Ihrem Behandlungsteam darüber reden. So kann es Sie zum Beispiel besser zu den verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten beraten.


zuletzt verändert: 08.03.2017 14:05