Patientenleitlinie: Kreuzschmerz
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Kreuzschmerzen – was ist das?

Was ist Schmerz überhaupt?

Schmerz ist eine Art "Frühwarnsystem" des Körpers. Er zeigt an, wenn etwas nicht in Ordnung ist. So können plötzlich auftretende Schmerzen beispielsweise auf eine Verspannung, eine Krankheit oder eine Verletzung hinweisen. Normalerweise gehen die Schmerzen nach einer gewissen Zeit von selbst wieder weg.

Manchmal kann der Körper jedoch starke Schmerzen nicht vergessen. Das kann zu Veränderungen im Gehirn und Rückenmark führen. Als Folge reagieren Betroffene schon auf leichte Reize mit Beschwerden. Dann können Schmerzen bestehen bleiben, obwohl der ursprüngliche Auslöser längst verschwunden ist. Die Schmerzen verlieren weitgehend ihre "Warnfunktion" und machen sich selbstständig. So kann sich der Dauerschmerz selbst zu einer Krankheit entwickeln. Ob es dazu kommt, hängt unter anderem von seelischen Belastungen im Beruf oder privaten Umfeld ab. Hinzu kommt, dass manche Betroffene verzweifeln, traurig sind oder Angst haben, was die Beschwerden verstärken kann. Deshalb bekommen Sie im Rahmen Ihrer Behandlung immer wieder auch Fragen nach Ihrer Stimmung und seelischen Verfassung gestellt. Ihr Behandlungsteam kann so mögliche seelische Ursachen und Auswirkungen der Schmerzen in Ihre Behandlung einbeziehen.

Mehr zu den Ursachen, empfohlenen Untersuchungs- und Behandlungsmöglichkeiten von Kreuzschmerzen lesen Sie in den nächsten Kapiteln.

Was sind Kreuzschmerzen?

Kreuzschmerzen sind Schmerzen im Rückenbereich unterhalb des Rippenbogens und oberhalb des Gesäßes. Sie können auf den Rücken begrenzt sein, aber auch in andere Körperregionen ausstrahlen. Manchmal sind sie von weiteren Beschwerden begleitet. Man kann Kreuzschmerzen unterscheiden nach Ursache, Dauer oder Schweregrad:

Ursache

Bei nicht-spezifischen Kreuzschmerzen ist der Grund für die Beschwerden nicht eindeutig erkennbar. Sie verschwinden in der Regel von selbst, so dass es auch nicht notwendig ist, die Ursache zu klären. Dies trifft auf etwa 85 bis 90 von 100 Betroffenen zu. Ein spezifischer Kreuzschmerz hingegen ist auf eine eindeutige Ursache zurückzuführen, die in besonderer Weise behandelt werden muss: zum Beispiel ein Knochenbruch, eine Infektion oder – sehr selten – Krebs.

Es kommt häufig vor, dass ein bei Kreuzschmerzen veranlasstes Röntgen- oder MRT-Bild alters- und verschleißbedingte Veränderungen an der Wirbelsäule zeigt. Meist ist aber unklar, ob diese Auffälligkeiten wirklich der Grund für die Schmerzen und deren Stärke sind. Es gibt zahlreiche Untersuchungen, die zeigen, dass solche Veränderungen auch bei Menschen gefunden werden, die gar keine Beschwerden haben.

Dauer

Anhand der Schmerzdauer unterscheiden die Fachleute zwischen akuten, subakuten und chronischen Kreuzschmerzen. Akute Kreuzschmerzen halten weniger als sechs Wochen an. Danach werden sie als subakut bezeichnet. Bleiben die Beschwerden mehr als zwölf Wochen bestehen, ist von chronischen Kreuzschmerzen die Rede. Treten Schmerzen nach einer beschwerdefreien Zeit von mindestens sechs Monaten wieder auf, werden sie als "rezidivierend" bezeichnet.

Schweregrad

Die Stärke der Schmerzen kann unterschiedlich sein und auch im Krankheitsverlauf schwanken. Hinzu kommt, dass jeder Mensch sie anders empfindet. Mit besonderen Messinstrumenten versuchen Ärzte, die Stärke der Schmerzen so gut wie möglich zu erfassen. Dabei kann auch ein besonderer Patientenfragebogen zum Einsatz kommen. Wundern Sie sich also nicht, wenn man Ihnen ein Formular aushändigt und Sie bittet, dort Ihre Schmerzen zu beschreiben. Fachleute empfehlen auch die Anwendung einer sogenannten Schmerzskala, mit deren Hilfe Sie die Stärke Ihrer Beschwerden auf einer Skala von null (keine Schmerzen) bis zehn (stärkste vorstellbare Schmerzen) angeben können.

Abbildung 3: Schmerzskalen

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Wie häufig sind Kreuzschmerzen?

Schmerzen in der Lenden- und Kreuzbeinregion zählen zu den häufigsten Beschwerden überhaupt. Etwa 85% der Bevölkerung haben mindestens einmal in ihrem Leben damit zu tun. In den meisten Fällen bessern sich die Beschwerden innerhalb weniger Wochen von selbst. Das heißt: Die Schmerzen lassen nach spätestens sechs Wochen deutlich nach oder verschwinden. Bei einigen bleiben die Schmerzen jedoch länger bestehen: Bis zu 7 von 100 Betroffenen entwickeln chronische Beschwerden. In vielen Fällen kommen Kreuzschmerzen im Leben immer mal wieder: In einer Untersuchung war dies bei etwa 2 von 3 Personen der Fall.

Sind Kreuzschmerzen gefährlich?

Akute Kreuzschmerzen sind oft sehr unangenehm und beeinträchtigend. Das kann Betroffene beunruhigen und verunsichern. In den allermeisten Fällen sind sie aber harmlos und bessern sich innerhalb der nächsten Zeit. Gefährliche Ursachen sind sehr selten: Krebs zum Beispiel steckt Studien zufolge nur bei 7 von 1000 Betroffenen hinter den Schmerzen. Dann kommen zudem meist noch andere Beschwerden hinzu.

Auch eine Frage der Kosten …

Rückenbeschwerden sind nicht nur häufig, schmerzhaft und unangenehm – sie sind eine erhebliche Belastung für das Gesundheits- und Sozialversicherungssystem. Die direkten Kosten für die Behandlung sind dabei vergleichsweise gering. Den Löwenanteil machen die indirekten Kosten durch Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit aus. Dabei geht ein Großteil der Kosten auf einen kleinen Anteil der Erkrankten zurück, nämlich die chronisch Kranken. Auch deshalb ist es wichtig, alles dafür zu tun, dass Kreuzschmerzen nicht dauerhaft werden.

2. Auflage, November 2017. Version 1

Mehr zum Thema

Für diese Information haben wir die Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Kreuzschmerz genutzt. Diese ist für Ärztinnen, Ärzte und andere medizinische Fachleute gedacht.

Hier finden Sie das methodische Vorgehen beschrieben.

Selbsthilfegruppen in Ihrer Nähe finden Sie am besten über die örtlichen Selbsthilfekontaktstellen, die es überall in Deutschland gibt. Deren Adresse erhalten Sie bei NAKOS:

Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS)

Otto-Suhr-Allee 115
10585 Berlin
Telefon: 030 31018960
Fax: 030 31018970
E-Mail: selbsthilfe@nakos.de
Internet: www.nakos.de

Ein weiterer Anlaufpunkt ist die Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe (BAG-S). Sie ist die Dachorganisation von über 100 Organisationen behinderter und chronisch kranker Menschen und ihrer Angehörigen. Sie vertritt die Interessen der Betroffenen und setzt sich für ihre Belange ein.

Bundesarbeitsgemeinschaft SELBSTHILFE von Menschen mit Behinderung und chronischer Erkrankung und ihren Angehörigen e. V. (BAG SELBSTHILFE e. V.)

Kirchfeldstraße 149
40215 Düsseldorf
Telefon: 0211 31006-0
Telefax: 0211 31006-48
E-Mail: info@bag-selbsthilfe.de
Internet: www.bag-selbsthilfe.de

Weitere Anlaufstellen und Informationsquellen

  • Alle Informationen rund um die Nationale VersorgungsLeitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz finden Sie unter www.leitlinien.de/nvl/kreuzschmerz

  • Ausführliche und kurze sowie fremdsprachige Informationen zu Kreuzschmerzen finden Sie unter www.patienten-information.de, einer Website des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin (ÄZQ).

  • Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) bietet ebenfalls unabhängige Informationen zu Kreuzschmerz: www.gesundheitsinformation.de.

  • Bei Fragen können Sie sich auch an die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) wenden. In Beratungsstellen vor Ort und über ein Beratungstelefon werden Sie beraten. Bundesweites kostenloses Beratungstelefon: 0800 0117722. Im Internet unter: www.unabhaengige-patientenberatung.de.

  • Wenn Sie selbst oder Angehörige an Morbus Bechterew oder an einer verwandten entzündlichen Wirbelsäulenerkrankung leiden, kann die Deutsche Vereinigung Morbus Bechterew e. V. für Sie eine hilfreiche Anlaufstelle und ein Netzwerk zur Selbsthilfe sein. Alle Informationen finden Sie unter:
    www.bechterew.de.

  • Falls Sie noch keine Hausarztpraxis haben oder sich vielleicht eine neue suchen möchten: Über die bundesweite Arztsuche der Kassenärztlichen Bundesvereinigung finden Sie eine Ärztin oder einen Arzt in Ihrer Nähe unter: www.kbv.de/arztsuche/11014.html.

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