Patientenleitlinie: Kreuzschmerz
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Was Sie selbst tun können

Hauptsache Bewegung

Den wichtigsten Beitrag zur Behandlung und auch Vorbeugung von Kreuzschmerzen leisten Sie selbst: Seien Sie aktiv und bewegen Sie sich ausreichend. Welche Art der Bewegung Sie ausüben, ist dabei nicht so wichtig. Hauptsache, Sie bewegen sich regelmäßig. Suchen Sie sich eine Sportart oder Aktivität aus, die Ihnen Freude macht – denn dann bleiben Sie wahrscheinlich regelmäßiger dabei.

Sollten Sie Übergewicht haben, kann Bewegung Ihnen zudem helfen, abzunehmen. Was wiederum die Wirbelsäule entlastet. Auch eine Umstellung der Ernährung kann dazu beitragen, Gewicht zu verlieren.

Im Alltag den Rücken entlasten

Veränderungen helfen dem Rücken. Wechseln Sie öfter mal die Position. Müssen Sie zum Beispiel bei der Arbeit länger sitzen, kann es Ihren Rücken entlasten, wenn Sie Ihre Arme ab und zu auf seitlichen Armlehnen abstützen oder sich gelegentlich zurücklehnen. Sprechen Sie Ihren Arbeitgeber auf geeignete Sitzmöbel an. Die Sitzfläche sollte gerade oder leicht nach vorne geneigt sein, die Rückenlehne etwas nach hinten zeigen und Ihren Rücken gut abstützen. Am besten ist es jedoch, zwischendurch regelmäßig aufzustehen und ein paar Schritte gehen. Wenn Sie Übergewicht haben, kann es Ihre Wirbelsäule zudem entlasten, abzunehmen.

Nicht zu viel des Guten

Bewegung kann Kreuzschmerzen am besten lindern. Dennoch gilt: Nehmen Sie im Alltag Rücksicht auf Ihre Beschwerden und muten Sie sich nicht zu viel zu. Sie sollen sich zwar nicht ins Bett legen, aber gestehen Sie sich ein, dass Sie derzeit keine Hochleistungen vollbringen können und nicht voll einsatzfähig sind. Es ist zum Beispiel keine so gute Idee, mit Kreuzschmerzen den Kindern oder einem Freund beim Umzug zu helfen. Und versuchen Sie, Stress zu vermeiden und Zeit für Entspannung zu finden.

Austausch mit anderen

Vielleicht hilft Ihnen auch der Gedanke daran, dass Sie nicht allein sind. Sehr viele Menschen kennen die Beschwerden, die Sie haben. In Selbsthilfegruppen können Sie sich kennenlernen, austauschen und sich gegenseitig unterstützen (Kontakte finden Sie im Kapitel "Wo Sie weitere Informationen, Rat und Unterstützung finden"). Vielleicht hilft es Ihnen aber auch schon, wenn Sie gemeinsam mit Anderen spazieren gehen und Unternehmungen oder Besorgungen machen. Fragen Sie doch einfach mal in Ihrer Familie, bei Freunden, Bekannten oder Nachbarn nach. Zusammen macht vieles einfach mehr Spaß.

Rückenschule

Wenn Sie Fragen zu gesundheitsförderndem Verhalten im Alltag haben, können Sie Ihre behandelnde Ärztin darauf ansprechen. Sie kann Ihnen mit Informationsmaterial oder Kontakten zu Rückenschulen weiterhelfen. Die Kurse haben oft eine Teilnehmerzahl von etwa 15 Personen und finden in der Regel wöchentlich über einen Zeitraum von zwei bis drei Monaten statt. Viele Krankenkassen arbeiten mit speziellen Fitnessstudios zusammen und übernehmen bis zu 80 Prozent der Kosten (pro Jahr). Erkundigen Sie sich bei Ihrer Krankenkasse.

Rückenschule – Fragen Sie in Ihrer Arztpraxis oder bei Ihrer Krankenkasse:

  • Wie bekomme ich eine Rückenschulung?

  • Wo gibt es in meiner Nähe Schulungsangebote?

  • Wer übernimmt die Kosten?

Auch seelische Anzeichen ernst nehmen

Seelische Beschwerden können Kreuzschmerzen auslösen. Gleichzeitig können durch anhaltende Schmerzen auch psychische Probleme entstehen. Je nachdem, wie lange Ihre Erkrankung bereits besteht und wie stark Sie die Schmerzen empfinden, sind mit der Erkrankung Einschränkungen verbunden. Bei manchen Menschen schlagen die Beschwerden im Laufe der Zeit aufs Gemüt und lösen Niedergeschlagenheit oder Antriebslosigkeit aus. Dadurch können zur körperlichen Erkrankung psychische Probleme hinzukommen.

Ihr Arzt wird Sie im Rahmen der Behandlung außerdem immer wieder auch nach Ihrer Stimmung und seelischen Verfassung fragen (siehe Kapitel "Welche Untersuchungen werden empfohlen?"). Antworten Sie möglichst offen, ob Sie selbst oder Angehörige Veränderungen an Ihrem Verhalten bemerkt haben. Seelische Beschwerden lassen sich wirksam behandeln. Dabei ist es egal, ob sie durch Kreuzschmerzen ausgelöst wurden, oder in der Folge entstanden sind. Ansprechpartner kann neben Ihrer Ärztin auch ein Psychotherapeut ein.

Vorsicht mit rezeptfreien Schmerzmitteln

Einige der empfohlenen Schmerzmittel (Diclofenac, Ibuprofen, Naproxen) sind auch ohne Rezept in der Apotheke erhältlich. Sie können manchmal kurzfristig Abhilfe schaffen. Aber sie sind nicht völlig harmlos. Bei längerer Einnahme können sie Nebenwirkungen verursachen. Das heißt, Sie sollten frei verkäufliche Mittel nur kurzfristig einnehmen und sich unbedingt an die im Beipackzettel vorgeschriebene Dosierung halten. Ganz wichtig: Nehmen Sie kein Medikamente über längere Zeit ein, ohne mit Ihrem behandelnden Arzt zu sprechen.

Wenn Sie sich unsicher sind, kann ein Anruf in Ihrer Arztpraxis oft schnell weiterhelfen. Auch wenn die Kreuzschmerzen länger als ein paar Tage andauern, sollten Sie Ihre Ärztin aufsuchen.

Komplementäre und alternative Verfahren: Kein Ersatz für nachgewiesen wirksame Maßnahmen

Komplementäre und alternative Verfahren geben manchen Menschen das Gefühl, dass sie dadurch zum Heilungserfolg beitragen können. Diese Verfahren können die schulmedizinische Behandlung ergänzen, nicht aber ersetzen. Sie werden meist nicht von der Gesetzlichen Krankenkasse bezahlt.

In der Regel spricht nichts dagegen, komplementäre oder alternative Therapieformen nach einem ärztlichen Beratungsgespräch auszuprobieren. Seien Sie jedoch kritisch, wenn sogenannte "Wunder-" und "Allheilmittel" oder besonders teure Methoden angepriesen werden. Lassen Sie sich zudem nicht dazu drängen, eine in der Leitlinie empfohlene Behandlung abzubrechen. Sprechen Sie auf jeden Fall vorher mit Ihrem Arzt, wenn Sie vorhaben, komplementärmedizinische Verfahren anzuwenden.

2. Auflage, November 2017. Version 1

Mehr zum Thema

Für diese Information haben wir die Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Kreuzschmerz genutzt. Diese ist für Ärztinnen, Ärzte und andere medizinische Fachleute gedacht.

Hier finden Sie das methodische Vorgehen beschrieben.

Selbsthilfegruppen in Ihrer Nähe finden Sie am besten über die örtlichen Selbsthilfekontaktstellen, die es überall in Deutschland gibt. Deren Adresse erhalten Sie bei NAKOS:

Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS)

Otto-Suhr-Allee 115
10585 Berlin
Telefon: 030 31018960
Fax: 030 31018970
E-Mail: selbsthilfe@nakos.de
Internet: www.nakos.de

Ein weiterer Anlaufpunkt ist die Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe (BAG-S). Sie ist die Dachorganisation von über 100 Organisationen behinderter und chronisch kranker Menschen und ihrer Angehörigen. Sie vertritt die Interessen der Betroffenen und setzt sich für ihre Belange ein.

Bundesarbeitsgemeinschaft SELBSTHILFE von Menschen mit Behinderung und chronischer Erkrankung und ihren Angehörigen e. V. (BAG SELBSTHILFE e. V.)

Kirchfeldstraße 149
40215 Düsseldorf
Telefon: 0211 31006-0
Telefax: 0211 31006-48
E-Mail: info@bag-selbsthilfe.de
Internet: www.bag-selbsthilfe.de

Weitere Anlaufstellen und Informationsquellen

  • Alle Informationen rund um die Nationale VersorgungsLeitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz finden Sie unter www.leitlinien.de/nvl/kreuzschmerz

  • Ausführliche und kurze sowie fremdsprachige Informationen zu Kreuzschmerzen finden Sie unter www.patienten-information.de, einer Website des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin (ÄZQ).

  • Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) bietet ebenfalls unabhängige Informationen zu Kreuzschmerz: www.gesundheitsinformation.de.

  • Bei Fragen können Sie sich auch an die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) wenden. In Beratungsstellen vor Ort und über ein Beratungstelefon werden Sie beraten. Bundesweites kostenloses Beratungstelefon: 0800 0117722. Im Internet unter: www.unabhaengige-patientenberatung.de.

  • Wenn Sie selbst oder Angehörige an Morbus Bechterew oder an einer verwandten entzündlichen Wirbelsäulenerkrankung leiden, kann die Deutsche Vereinigung Morbus Bechterew e. V. für Sie eine hilfreiche Anlaufstelle und ein Netzwerk zur Selbsthilfe sein. Alle Informationen finden Sie unter:
    www.bechterew.de.

  • Falls Sie noch keine Hausarztpraxis haben oder sich vielleicht eine neue suchen möchten: Über die bundesweite Arztsuche der Kassenärztlichen Bundesvereinigung finden Sie eine Ärztin oder einen Arzt in Ihrer Nähe unter: www.kbv.de/arztsuche/11014.html.

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