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Brustkrebs im frühen Stadium

BRUSTKREBS – WAS IST DAS?

Sie haben erfahren, dass Sie an Brustkrebs oder an einer Brustkrebsvorstufe erkrankt sind. Das ist sicherlich erst einmal ein Schock und eine große Belastung für Sie. Das Wissen über die Erkrankung und die Behandlungsmöglichkeiten kann Sie dabei unterstützen, mit dieser neuen Situation umzugehen.

Auf einen Blick: Brustkrebs im frühen Stadium

  • Der wesentliche Unterschied zwischen einer Brustkrebsvorstufe und Brustkrebs ist, dass die Krebszellen die Gewebegrenze nicht durchbrechen und sich nicht im Körper verteilen. Wie häufig diese Vorstufen zu Brustkrebs entarten, ist unklar.
  • Die Experten empfehlen eine Operation, um den Krebs vollständig zu entfernen.
  • Nach Operation mit Brusterhalt wird eine anschließende Bestrahlung empfohlen.
  • Zusätzlich können Medikamente zum Einsatz kommen: Chemotherapie, Antihormone, Antikörper.
  • Brustkrebs im frühen Stadium ist oft heilbar.

DIE ERKRANKUNG

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 70 000 Frauen an Brustkrebs und etwa 6 500 an einer Brustkrebsvorstufe.

Das bedeutet "Brustkrebsvorstufe":

Unter einer Brustkrebsvorstufe versteht man in der Regel ein duktales Carcinoma in situ – kurz: DCIS. Übersetzt heißt das: Es befinden sich krankhaft veränderte Zellen in den Milchgängen der weiblichen Brust. Diese Krebszellen durchbrechen die Grenzen des Milchgangs nicht. Sie verteilen sich nicht im Körper und bilden keine Absiedlungen – sogenannte Metastasen.

Ein DCIS ist also keine lebensbedrohliche Krankheit. Es ist allerdings nicht vorauszusagen, ob und wann ein DCIS zu Brustkrebs wird.

Das bedeutet "Brustkrebs im frühen Stadium":

Wenn krankhaft veränderte Zellen natürliche Gewebegrenzen überschreiten, wird der Tumor als Brustkrebs bezeichnet. Von "Brustkrebs im frühen Stadium" spricht man, wenn:

  • Brustkrebs nachweisbar ist, aber keine Metastasen
  • der Tumor nicht zu groß ist
  • die Tumorabsiedlung in benachbarte Lymphknoten nur wenig ausgedehnt ist

Brustkrebs im frühen Stadium ist oft heilbar. Wie sich der Krebs entwickelt, hängt von der Art der Krebszellen ab. Manche Tumore wachsen langsam. Andere schreiten schnell fort und streuen in andere Organe. Entsprechend unterschiedlich sind die Behandlungsmöglichkeiten. Nach einer genauen Diagnose ist die Gefahr, die von dem Tumor ausgeht, besser abschätzbar. Um die für Sie passende Behandlung zu finden, sind mehrere Untersuchungen nötig.

UNTERSUCHUNGEN

Laut der ärztlichen Leitlinie gehören zu den ersten Untersuchungsschritten:

  • eine ärztliche Tastuntersuchung
  • ein Röntgen der Brust: Mammografie
  • ein Ultraschall der Brust (vor allem bei Frauen unter 40 Jahren)

Um Brustkrebs sicher nachzuweisen, wird eine Probe aus den auffälligen Stellen der Brust entnommen. Das Gewebe wird dann unter dem Mikroskop untersucht.

BEHANDLUNG

Nehmen Sie sich Zeit, bevor Sie sich für eine Behandlung entscheiden. Sprechen Sie in Ruhe mit Angehöigen, Freunden oder anderen Betroffenen.

Im Frühstadium gibt es zwei Möglichkeiten zu operieren:

  • Der Krebs wird entfernt, die Brust bleibt erhalten.
  • Krebs und Brust werden entfernt, die Brust kann wieder aufgebaut werden.

Aussagekräftige Studien zeigen, dass eine Brust erhaltende Operation mit anschließender Bestrahlung gleich gute Ergebnisse bringt wie das Entfernen der ganzen Brust. Nach 5 Jahren lebten gleich viele Patientinnen. Eine Brustabnahme wird etwa empfohlen, wenn der Krebs aggressiv oder an mehreren Stellen wächst oder wenn keine Nachbestrahlung möglich ist.

Je nach persönlicher Situation kommen bei Brustkrebs im frühen Stadium zusätzliche Behandlungen in Frage:

  • Nach Brust erhaltender Operation wird eine Bestrahlung empfohlen. Hochwertige Studien zeigen: Ohne Bestrahlung kam es bei 30 von 100 Frauen zu einem Rückfall, mit Bestrahlung nur bei 15.
  • Unterschiedliche Medikamente verringern bei manchen Frauen das Rückfallrisiko: Chemotherapie, Antihormone oder Antikörper können einzeln oder kombiniert zum Einsatz kommen.

Ein spezieller Test stellt fest, ob Antihormone wirken können. Diese Antihormonbehandlung dauert meist Jahre. In hochwertigen Studien hatten 25 von 100 Frauen mit einer Antihormonbehandlung einen Rückfall nach 10 Jahren. Ohne Antihormone waren es 38.

Eine Chemotherapie nach der Operation wird zum Beispiel empfohlen, wenn Antihormone nicht wirken, der Krebs aggressiv wächst oder Frauen jünger als 35 Jahre sind. Eine Analyse hochwertiger Studien zeigt, dass ohne eine solche Chemotherapie etwa 39 von 100 Frauen einen Rückfall hatten. Mit Chemotherapie waren es 29.

Sofern der Krebs dafür geeignet ist, soll zusätzlich zur Chemotherapie ein bestimmter Antikörper über 1 Jahr lang gegeben werden. In einer Studie hatten etwa 27 von 100 Frauen mit Chemotherapie einen Rückfall. Mit dem zusätzlichen Antikörper waren es 15.

Alle eingesetzten Medikamente können teils erhebliche Nebenwirkungen hervorrufen.

WAS SIE SELBST TUN KÖNNEN

  • Suchen Sie bei Beschwerden Ihren Arzt auf, auch wenn gerade kein Termin zur Nachsorge ansteht.
  • Körperliche Bewegung verringert zum Beispiel Müdigkeit und Stressgefühle. Viele Sportvereine und Fitnessstudios bieten Gruppentrainings für Krebspatientinnen an. Sie können Ihren Arzt auch fragen, ob für Sie Rehabilitationssport in Frage kommt.
  • Die Krankheit verändert Ihr Leben und das Ihrer Angehörigen. Wenn Sie das Bedürfnis nach professioneller Hilfe haben, können Sie psychoonkologische Betreuung in Anspruch nehmen. Auch Ihren Angehörigen steht dieses Angebot offen.
  • Mütter, die an Krebs erkrankt sind, empfinden ihre Doppelrolle als Mutter und Patientin oft als belastend. Hier können Rat und Unterstützung einer Selbsthilfegruppe förderlich sein. Auch für Kinder krebskranker Eltern gibt es Beratungsstellen.

MEHR INFORMATIONEN

Diese Patienteninformation beruht auf der aktuellen ärztlichen S3-Leitlinie "Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms (Update 2012)" des Leitlinienprogramms Onkologie. Das Programm wird getragen von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Krebshilfe.

Weiterführende Links

Kontakt zu Selbsthilfegruppen

Wo Sie eine Selbsthilfegruppe in Ihrer Nähe finden, erfahren Sie bei der NAKOS (Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen): www.nakos.de, Tel.: 030 3101 8960

Verantwortlich für den Inhalt:

Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) Im Auftrag von: Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und Bundesärztekammer (BÄK)

Telefon: 030 4005-2501 • Telefax: 030 4005-2555

E-Mail/Ansprechpartner: mail@patinfo.org
www.patinfo.org
www.aezq.de

DOI: 10.6101/AZQ/000279
April 2016

zuletzt verändert: 24.11.2017 11:27