Gut informiert entscheiden

Patienteninformationen des ÄZQ

verlässlich, verständlich, transparent

8 Wie wird Kreuzschmerz behandelt?

2. Auflage, November 2017. Version 1 – Druckversion pdf.png | Kapitelübersicht | weitere Informationen

8.1 Aktiv gegen den Schmerz

Kreuzschmerzen können für die Betroffenen belastend sein und im Alltag einschränken. Dennoch heißt die wirksamste Maßnahme dagegen: Bewegung.

Die Leitlinie empfiehlt:

Patientinnen und Patienten sollen regelmäßig zu einer gesunden Lebensführung ermutigt werden, die körperliche Aktivität einschließt.

Viele hochwertige Studien belegen: Bewegung und das Beibehalten oder Steigern der normalen körperlichen Aktivität lindern plötzliche Kreuzschmerzen wirksam. Das heißt nicht, dass jeder Mensch mit Kreuzschmerz sportliche Höchstleistungen erbringen soll. Denn auch zu viel Belastung kann die Krankheit eher fördern. Vielmehr geht es zunächst darum, die normalen Aktivitäten des täglichen Lebens so weit wie möglich beizubehalten. Wichtig ist, sportliche Aktivitäten schrittweise an die eigene Leistungsfähigkeit anzupassen.

Sich schonen ist dagegen schädlich. Viele aussagekräftige Studien belegen, dass Bettruhe Beschwerden nicht bessert, sondern eher verstärkt und die Heilung verzögert. Außerdem kann sie ungünstige Auswirkungen haben wie Muskelschwund oder die Bildung von gefährlichen Blutgerinnseln.

Die Leitlinie empfiehlt:

Menschen mit Kreuzschmerzen soll von Bettruhe abgeraten werden.

zurück nach oben

8.2 Die passende Behandlung wählen

Neben der Beibehaltung von Aktivität und dem Verzicht auf Bettruhe gibt es einige andere Maßnahmen, die manchmal unterstützend infrage kommen können. Es gibt auch viele Behandlungsangebote, die nicht wirken oder mehr schaden als nutzen oder für deren Wirksamkeit es keine Belege gibt. Von solchen Verfahren rät die Leitlinie ab. Deshalb ist es wichtig, sich vor einer Therapie genau erklären zu lassen, wie wirksam die Behandlung ist und wie zuverlässig die Belege für die Wirksamkeit sind. Nicht nur dann, aber ganz besonders, wenn Ihre Krankenkasse diese Verfahren nicht bezahlt.

Bevor Sie sich für ein Behandlungsverfahren entscheiden, sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt. Nachfolgend finden Sie ein paar Beispiele für Fragen, die Sie stellen können. Sie gelten für Medikamente ebenso wie für nicht-medikamentöse Maßnahmen.

Behandlung – Ihre Fragen für den Arztbesuch
  • Wie gut wirkt das Verfahren? Wie sicher weiß man das? Was kann ich selbst tun?
  • Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Welche kommen für mich infrage?
  • Was sind die Vor- und Nachteile der verschiedenen Verfahren?
  • Mit welchen Nebenwirkungen muss ich rechnen?
  • Übernimmt meine Kasse die Kosten?
  • Wie lange dauert die Behandlung voraussichtlich?
  • Wann und wie oft muss ich wiederkommen?
  • Bin ich danach geheilt?
  • Was können Angehörige und Familie beitragen?
  • Wie lässt sich verhindern, dass die Schmerzen nach der Behandlung wiederkommen?
  • Wie kann ich meine Beschwerden im Alltag positiv beeinflussen? Welche Maßnahmen können mir dabei helfen?
  • Wo gibt es in meiner Nähe Rückenschulen oder eine geeignete Selbsthilfegruppe?

zurück nach oben

8.3 Nicht-medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten

Nachfolgend finden Sie Informationen zu verschiedenen Verfahren, deren Wirksamkeit bei nicht-spezifischem Kreuzschmerz untersucht wurde, oder die häufiger angeboten werden. Die Verfahren sind alphabetisch geordnet.

Bei der Formulierung der Empfehlungen hat die Expertengruppe vor allem Wert darauf gelegt, dass die Maßnahmen nicht passiv ausgerichtet sind. Denn Bewegung ist das wirksamste Mittel gegen Kreuzschmerzen, und alle unterstützenden Maßnahmen sollen vor allem die Bewegung und die Bewegungsfähigkeit fördern. Deshalb bewertet die Expertengruppe Verfahren, die eher passives Verhalten fördern, als negativ und empfiehlt sie nicht.

 Hinweis

Manche Behandlungsmethoden haben sich bei plötzlichen Kreuzschmerzen als nicht wirksam erwiesen, bei chronischen gibt es aber Hinweise für ihren Nutzen. Deshalb unterscheidet die Leitlinie in manchen Fällen zwischen der Behandlung von akuten, subakuten oder chronischen Kreuzschmerzen (siehe auch Kapitel "Dauer"). Zum besseren Verständnis haben wir im Folgenden beide Begriffe in fett gedruckt, wenn es unterschiedliche Empfehlungen gibt.

Akupunktur

Akupunktur ist ein Verfahren aus der traditionellen chinesischen Medizin. Bei der Akupunktur setzt die Ärztin Ihnen unterschiedlich lange Nadeln an besondere Punkte, die über sogenannte Meridiane mit der schmerzenden Körperstelle in Verbindung stehen sollen. Die Nadeln erzeugen Reize, die das Schmerzempfinden günstig beeinflussen können.

Die Leitlinie empfiehlt:

Die Akupunktur kann sehr eingeschränkt zur Behandlung von akuten Kreuzschmerzen angeboten werden, wenn sich andere Behandlungsversuche als nicht erfolgreich erwiesen haben. Dies gilt nur in Verbindung mit aktivierenden Maßnahmen und in möglichst wenigen Sitzungen.
Bei chronischen Kreuzschmerzen kann die Akupunktur angeboten werden.

Die Wirksamkeit der Akupunktur bei akuten Kreuzschmerzen ist schlecht belegt. Studien deuten an, dass sich im Vergleich zu einer Scheinakupunktur kurzfristig Schmerzen etwas mindern lassen. Diese Ergebnisse sind aber nicht sehr zuverlässig, weil die Studien Mängel hatten. Nach mehreren Sitzungen war kein Unterschied mehr zu beobachten. Bei akuten Kreuzschmerzen sieht die Expertengruppe die Akupunktur daher nur als Reserve-Eingriff, wenn andere, stärker empfohlene Maßnahmen wie Bewegung und Medikamente keine Besserung gebracht haben. Akupunktur kann diese Maßnahmen aber nur unterstützen, nicht ersetzen.

Für die Behandlung chronischer Beschwerden ist die Wirksamkeit insgesamt etwas besser belegt, aber auch hier sind die Studien nicht sehr aussagekräftig. Bei sachgemäßer Anwendung treten kaum Nebenwirkungen auf. Dennoch ist die Akupunktur ein gewebeverletzendes Verfahren, das zu Blutungen, Blutergüssen und Infektionen an der Einstichstelle führen kann. Sie wird nur bei chronischen Kreuzschmerzen von der Gesetzlichen Krankenkasse bezahlt.

Bewegungstherapie

Die Bewegungstherapie umfasst Verfahren, die der Verbesserung der allgemeinen körperlichen Leistungsfähigkeit dienen. Alle Verfahren werden nach einem festen wöchentlichen Plan von Fachtherapeuten, etwa einer Physiotherapeutin, kontrolliert und begleitet. Dazu zählen zum Beispiel Krankengymnastik, aber auch angeleitete Kurse mit Yoga, Alexandertechnik oder ähnlichem.

Die Leitlinie empfiehlt:
  • Zur Behandlung akuter Kreuzschmerzen kann Bewegungstherapie zusammen mit schulenden Maßnahmen unterstützend angeboten werden, wenn normale tägliche Aktivität und Medikamente nicht genug helfen.

  • Bei subakuten/chronischen Kreuzschmerzen hingegen soll Bewegungstherapie, kombiniert mit schulenden Maßnahmen, die Behandlung der Wahl sein.

  • Bei subakuten/chronischen Kreuzschmerzen sollte nach Meinung der Expertengruppe unter folgenden Bedingungen die Teilnahme an einer Rehabilitationssport- oder Funktionstrainingsgruppe empfohlen werden:

    • Sie sind durch die Schmerzen stark im Alltag eingeschränkt;

    • Die Schmerzen verhindern dauerhaft, dass Sie Ihre Arbeit wieder aufnehmen können.

Aussagekräftige Daten zeigen, dass die Bewegungstherapie akute Kreuzschmerzen nicht wirksamer lindern kann als die Beibehaltung der normalen Aktivitäten im Alltag. Es gibt aber Hinweise, dass sie in einigen Fällen dazu beitragen kann, Kreuzschmerzen nicht chronisch werden zu lassen. Die Leitlinie spricht sich daher bei akutem Kreuzschmerz gegen die routinemäßige Verschreibung einer Bewegungstherapie aus, zum Beispiel auch gegen Krankengymnastik.

Anders sieht es bei der Behandlung chronischer Kreuzschmerzen aus: Hier ist eine Bewegungstherapie wirksamer als die allgemeine medizinische Versorgung oder passive Therapiemaßnahmen wie körperliche Schonung oder Medikamente. Das gilt für alle Programme, welche die Muskulatur stärken und stabilisieren. Ob aber beispielsweise Yoga besser ist als Muskeltraining oder Alexandertechnik oder andere Arten der Bewegungstherapie, lässt sich mit den vorliegenden Studien nicht sagen. Daher können Sie in Absprache mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem Physiotherapeuten eine Trainingsform auswählen, die Sie mit Freude machen.

Rehabilitationssport oder Funktionstraining kann im Anschluss an physiotherapeutischen Anwendungen zum Einsatz kommen, ist aber kein Ersatz dafür.

zurück nach oben

Elektrotherapie

Unter Elektrotherapie verstehen Fachleute die Anwendung von Strom zur Behandlung von Beschwerden. Zu den elektrotherapeutischen Maßnahmen gehören die Interferenzstromtherapie, die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) und die perkutane elektrische Nervenstimulation (PENS). Alle drei Verfahren werden im Folgenden erläutert.

 Die Leitlinie empfiehlt:

Die Interferenzstromtherapie soll nicht zur Behandlung von Kreuzschmerzen eingesetzt werden.

Die Studienlage zur Interferenzstromtherapie ist schlecht und widersprüchlich. Eine neuere Studie liefert Hinweise auf einen leichten Nutzen im Vergleich zu Massage, allerdings sind die Effekte sehr gering. Eine andere Studie zeigt keinen Nutzen der Interferenzstromtherapie im Vergleich zu einer anderen, ebenfalls nicht empfohlenen Elektrobehandlung (TENS). Da es sich außerdem um ein Verfahren handelt, das passives Verhalten fördert und Bewegung nicht unterstützt, raten die Experten davon ab.

 Die Leitlinie empfiehlt:

Die TENS soll nach Meinung der Expertengruppe nicht zur Behandlung von akuten Kreuzschmerzen angewendet werden.

Auch chronische Beschwerden sollten nicht mit diesem Verfahren behandelt werden.

Bei der TENS werden Nerven durch auf die Haut aufgeklebte Elektroden angeregt, womit die Schmerzwahrnehmung beeinflusst werden soll. Die Expertengruppe hat keine Studien gefunden, die TENS zur Behandlung akuter Kreuzschmerzen untersucht haben. Bei chronischen Kreuzschmerzen gibt es widersprüchliche Aussagen aus eher schwachen Studien. Eine Zusammenschau aller verfügbaren Studien lässt eher darauf schließen, dass die TENS keinen Nutzen hat. Als unerwünschte Wirkung kann ein sogenanntes Überstimulationssyndrom auftreten, das mit der Verstärkung von Schmerzen einhergeht. Auch strombedingte Rötungen oder allergische Reaktionen der Haut auf das Elektrodenmaterial sind möglich.

Die Leitlinie empfiehlt:
Die PENS soll nicht zur Behandlung von Kreuzschmerzen angewendet werden.

PENS ist die elektrische Stimulation von Akupunkturnadeln, die zuvor in die Haut eingebracht wurden. Wie bei der Akupunktur treten kaum Nebenwirkungen auf. Entzündungen, Blutungen und Blutergüsse an den Einstichstellen sind aber möglich. Die Wirksamkeit von PENS zur Behandlung des akuten Kreuzschmerzes wurde bisher nicht untersucht. Studien zur Therapie chronischer Kreuzschmerzen konnten bisher keine eindeutige Wirksamkeit nachweisen. Deshalb rät die Leitlinie von PENS ab.

Entspannungsverfahren

Unter den Entspannungsverfahren findet eine Art der Tiefenmuskelentspannung, die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson (PMR), bei Kreuzschmerz am häufigsten Verwendung. Bei dieser Methode wird durch die bewusste An- und Entspannung bestimmter Muskelgruppen ein Entspannungszustand im gesamten Körper ausgelöst. Ziel ist es, Muskelverspannungen zu lösen und so Schmerzen zu lindern.

Die Leitlinie empfiehlt:
  • Bei erhöhtem Risiko für dauerhafte Beschwerden kann nach Meinung der Expertengruppe die progressive Muskelrelaxation zur Behandlung von akuten/subakuten Kreuzschmerzen angeboten werden.

  • Bei chronischen Kreuzschmerzen sollte die Technik angeboten werden.

Die Wirksamkeit der PMR bei akutem Kreuzschmerz wurde in Studien bislang nicht untersucht. Möglicherweise liegt das auch daran, dass es eine längerfristige Behandlungsmethode ist, die man erst einüben muss. Die Expertengruppe geht davon aus, dass das Verfahren dabei helfen kann, chronischen Schmerzen vorzubeugen oder deren Ausprägung abzumildern. Eine Übersicht der vorhandenen Studien weist darauf hin, dass PMR chronische Kreuzschmerzen lindern und die körperliche Funktionsfähigkeit verbessern kann. Allerdings handelt es sich um kleine Studien mit wenigen Teilnehmern. Die PMR ist eine nebenwirkungsarme Methode. Deshalb empfiehlt die Expertengruppe sie bei chronischen Kreuzschmerzen. Bei akuten und subakuten Kreuzschmerzen sieht die Expertengruppe sie eingeschränkt als Möglichkeit, um zu verhindern, dass Schmerzen dauerhaft werden. Dies gilt nur für Menschen mit einem erhöhtem Risiko dafür (siehe Kapitel "Wenn Kreuzschmerzen dauerhaft werden").

Ergotherapie

Ziel der Ergotherapie ist es, Menschen mit eingeschränkter Handlungsfähigkeit dabei zu helfen, ihre körperliche, geistige und soziale Selbstständigkeit wiederzuerlangen. Mithilfe verschiedener Methoden, zum Beispiel dem Üben von Bewegungsabläufen oder der Aktivierung bestimmter Fähigkeiten, fördert die Ergotherapie Betroffene insbesondere bei der Selbstversorgung oder der Rückkehr an den Arbeitsplatz.

Die Leitlinie empfiehlt:

Für die Wirksamkeit der Ergotherapie zur Behandlung von akuten Kreuzschmerzen hat die Expertengruppe nur unzureichende Studien gefunden, die keinen oder nur geringen Nutzen zeigen. Diese Ergebnisse sind nicht zuverlässig. Deshalb rät die Leitlinie bei akuten Schmerzen von der Ergotherapie ab.

Die vorhandenen Studien liefern Hinweise, dass Menschen mit chronischen Beschwerden geringfügig von der Ergotherapie profitieren können. Sie unterstützt eine schnellere berufliche Wiedereingliederung. Allerdings waren in einigen Studien andere Verfahren wie Verhaltenstherapie oder Bewegungstherapie kombiniert mit Ergotherapie nicht wirksamer als ohne. Nach Einschätzung der Leitlinienautoren kann die Ergotherapie bei chronischen Kreuzschmerzen aber unterstützend eingesetzt werden, um zur allgemeinen Gesundheitsförderung und zum schnellen Wiedereinstieg in das Arbeitsleben beizutragen.

Kinesio-Tapes

Kinesio-Tapes sind elastische, selbstklebende Textil-Bänder, die auf bestimmte Körperstellen aufgebracht werden und dort möglicherweise zur Muskelaktivität und zur Entlastung von Gewebe beitragen können. Der Wirkmechanismus ist bislang ungeklärt.

Die Leitlinie empfiehlt:

Kinesio-Taping soll nicht zur Behandlung von Kreuzschmerzen angewendet werden.

Die Wirksamkeit von Kinesio-Taping bei Kreuzschmerzen ist bislang nicht belegt. Drei kleinere Studien von mittlerer bis guter Qualität zeigen keine Wirkung. Nur in einer kleinen Studie hatte das Taping einen geringen Nutzen, dieser kann aber zufällig bedingt gewesen sein. Deshalb spricht sich die Expertengruppe der Leitlinie gegen die Verordnung von Kinesio-Tapes aus. Allerdings ist für die Tapes auch kein Risiko belegt. Wer also meint, die Tapes könnten ihn dabei unterstützen, etwas aktiver zu werden, dem schaden sie nicht. Die Kosten hierfür müssen allerdings Betroffene selbst übernehmen.

zurück nach oben

Kurzwellendiathermie

Die Kurzwellendiathermie ist ein Verfahren, bei dem die erkrankte Körpergegend mit elektromagnetischer Strahlung behandelt wird. Sie soll zu einer Erwärmung des Gewebes führen und damit schmerzlindernd wirken.

Die Leitlinie empfiehlt:
Kurzwellendiathermie soll nicht zur Behandlung von Kreuzschmerzen angewendet werden.

Die Expertengruppe hat bei ihrer Suche keine Wirksamkeitsnachweise für diese Behandlungsmethode gefunden. Die vorhandenen Studien sind von schlechter Qualität und zeigen zudem keine Effekte. Gleichzeitig handelt es sich um ein Verfahren, das die Passivität fördert. Die Leitlinie rät ausdrücklich davon ab.

Wenn Sie einen Herzschrittmacher haben, ist diese Methode gefährlich und auszuschließen, da dieser durch die Magnetfelder gestört werden kann.

Lasertherapie

Bei der Lasertherapie behandelt der Arzt schmerzhafte Körperstellen oberflächlich mit Laserstrahlung. Die Methode soll schmerzlindernd und gegen Entzündungen wirken.

Die Leitlinie empfiehlt:

Lasertherapie soll nicht zur Behandlung von Kreuzschmerzen eingesetzt werden.

Da die Wirkung der Methode auf den akuten Kreuzschmerz noch nicht untersucht ist, wird sie von der Leitlinie nicht empfohlen. Drei kleine Studien zur Behandlung chronischer Beschwerden sind bislang uneinheitlich, zeigen aber, wenn man alle Ergebnisse zusammen nimmt, keinen Effekt. Da es sich zudem um ein Verfahren handelt, das die Passivität fördert, rät die Leitlinie ausdrücklich davon ab.

Lasertherapie wird nicht von der Gesetzlichen Krankenkasse bezahlt.

Magnetfeldtherapie

Ein Magnetfeld ist ein Kraftfeld, das entweder über einen natürlichen Magnetstein oder künstlich mit Hilfe einer stromführenden Spule erzeugt werden kann. Zu Behandlungszwecken werden gleichbleibende oder pulsierende Magnetfelder eingesetzt.

 Die Leitlinie empfiehlt:

Magnetfeldtherapie soll nicht zur Behandlung von Kreuzschmerzen angewendet werden.

Für die Wirksamkeit der Magnetfeldtherapie hat die Expertengruppe keine Belege gefunden: Ältere Studien zeigen keinen Nutzen, neuere Daten lagen dazu nicht vor.

Manipulation/Mobilisation

Die Begriffe "Manipulation" und "Mobilisation" beschreiben Verfahren, bei denen die Therapeutin mit ihren Händen auf Ihren Körper einwirkt. Sie heißen daher auch "manuelle" Therapien. Sie können schmerzlindernd wirken und die Beweglichkeit der Gelenke verbessern. Bei einer Mobilisation bewegt der Therapeut das Gelenk langsam innerhalb seiner natürlichen Grenzen. Von einer Manipulation ist die Rede, wenn die Therapeutin einmalig eine sehr schnelle, kleine Bewegung mit wenig Kraft macht. Diese geht ebenfalls nicht über die natürlichen Bewegungsgrenzen der Gelenke hinaus.

 Die Leitlinie empfiehlt:

Manipulation/Mobilisation kann zur Behandlung von Kreuzschmerzen angeboten werden.

Finden sich bei Ihnen Warnhinweise (siehe Kapitel "Warnhinweise") vor, die für eine ernsthafte Ursache der Kreuzschmerzen sprechen, darf dieses Verfahren nicht zum Einsatz kommen. Gleiches gilt auch für Krankheitszeichen, die auf eine Schädigung der Nervenwurzeln hindeuten. Gibt es keine Bedenken und werden die Verfahren sachgerecht durchgeführt, ist das Verletzungsrisiko gering.

Die Studienlage zu manuellen Therapien ist uneinheitlich, weist aber mehrheitlich auf einen Nutzen hin. In Kombination mit anderen Verfahren konnten sie Kreuzschmerzen etwas wirksamer lindern als die anderen Verfahren allein. Die Leitlinie lässt daher manuelle Therapien als unterstützende Maßnahmen zu.

zurück nach oben

Massage

Bei der Massage setzt der Therapeut bestimmte Grifftechniken ein, die eine mechanische Reizwirkung auf Haut, Unterhaut, Muskeln und Sehnen ausüben. Damit wirkt er auch auf Nerven, Lymph- und Blutgefäße ein.

Die Leitlinie empfiehlt:
  • Massage soll nicht zur Behandlung von akuten Kreuzschmerzen angewendet werden.

  • Zur Behandlung subakuter/chronischer Beschwerden kann sie in Verbindung mit Bewegungstherapie angeboten werden.

Zur Wirksamkeit der Massage beim akuten Kreuzschmerz liegt nur eine sehr kleine, wenig aussagekräftige Studie vor. Auf dieser Grundlage lässt sich der Nutzen nicht beurteilen. Da es sich außerdem um ein Verfahren handelt, das die Passivität fördert, spricht sich die Leitlinie dagegen aus.

Zum Nutzen bei chronischen Kreuzschmerzen gibt es mehr Studien, allerdings sind diese von minderer Qualität und zeigen widersprüchliche Ergebnisse. Ob sie Schmerzen wirksam lindern kann, geht auch aus diesen Studien nicht eindeutig hervor. Die Expertengruppe schätzt, dass Massage das allgemeine Wohlbefinden unterstützen und damit möglicherweise die Bereitschaft erhöhen kann, an Bewegungstherapie teilzunehmen. Deshalb lässt die Leitlinie Massage als unterstützende Maßnahme bei chronischen Kreuzschmerzen zu, allerdings nur in Verbindung mit Bewegungstherapie und anderen aktivierenden Maßnahmen. Eine Massage kann also nur ein Baustein der Behandlung von dauerhaften Beschwerden sein.

Medizinische Hilfsmittel

Orthesen sind medizinische Hilfsmittel, die zur Ruhigstellung, Stabilisierung oder Entlastung des Körpers dienen. Das können zum Beispiel spezielle Schuhe, Schienen oder Korsetts sein. Schuheinlagen sollen dabei helfen, Fehlstellungen von Füßen auszugleichen.

Die Leitlinie empfiehlt:
Orthesen und Schuheinlagen sollen nicht zur Behandlung von Kreuzschmerzen angewendet werden.

Die ärztliche Leitlinie rät von Orthesen zur Behandlung von Kreuzschmerzen ab. Zum einen sind die vorhandenen Studien zur Wirksamkeit unzureichend. Zum anderen kann die Ruhigstellung bestimmter Körperteile passives Verhalten fördern.

Auch der Nutzen von Schuheinlagen bei Kreuzschmerzen ist nicht ausreichend belegt. Die vorhandenen Studien sind klein, nicht sehr zuverlässig und zeigen keine guten Ergebnisse.

Rückenschule

Unter "Rückenschule" versteht man ein angeleitetes Programm für Menschen mit Rückenschmerzen. Es umfasst etwa 10 bis 15 Übungseinheiten zu je einer Stunde. Hier erlernen Sie ein sogenanntes rückengerechtes Verhalten, aber auch gezielte Übungen zur Entspannung und zur Stärkung der Muskulatur.

Mehr Informationen zur Rückenschule finden Sie im Kapitel "Was Sie selbst tun können".

 Die Leitlinie empfiehlt:

Menschen mit subakuten, chronischen oder wiederkehrenden Kreuzschmerzen kann eine Rückenschule angeboten werden, die neben körperlichen auch psychische und soziale Aspekte der Erkrankung berücksichtigt.

Nachweise für die Wirkung der Rückenschule auf akute Kreuzschmerzen sind widersprüchlich. Sind die Beschwerden jedoch anhaltend, finden sich Hinweise auf die Linderung von Schmerzen und eine verbesserte Funktionsfähigkeit des Körpers. Allerdings sind die untersuchten Schulungsprogramme sehr unterschiedlich und auch die eingeschlossenen Patientengruppen sind nicht gut vergleichbar. Insgesamt schätzt die Expertengruppe die Effekte als nicht sehr stark ein. Zusammen mit anderen Maßnahmen wie Bewegungstherapie kann eine Rückenschule möglicherweise unterstützend wirken, vor allem bei sogenannten multimodalen Behandlungsprogrammen (siehe Kapitel "Kombinierte (multimodale) Behandlungsprogramme und Rehabilitation").

Das Angebot an Rückenschulen mit unterschiedlichen Schwerpunkten ist in Deutschland sehr groß. Eine Aussage über die Qualität zu treffen, ist da nicht immer leicht. Die Konföderation der deutschen Rückenschulen (KDDR) versucht, Ziele, Inhalte und Methoden der Rückenschule zu vereinheitlichen und so einen Beitrag für die Qualität der Rückenschulangebote zu leisten. Umfassende Informationen zur KDDR finden Sie unter www.kddr.de.

zurück nach oben

Thermotherapie

Wärme- oder Kälteanwendungen sind Bestandteil der Thermotherapie. Zur Wärmetherapie gehört der Einsatz von Wärmflaschen, Warmpackungen, Körnerkissen, Heizdecken oder Dampfbädern. Wärme fördert die Durchblutung und kann schmerzlindernd und muskelentspannend wirken. Kältetherapie wird zum Beispiel in Form von Eiswickeln, kalten Gelkissen oder Kältesprays angewendet. Auch ihr werden günstige Effekte auf Muskulatur und Schmerzempfinden nachgesagt. Zudem wirkt sie gegen Entzündungen.

Die Leitlinie empfiehlt:

Wärmetherapie kann zur Behandlung von Kreuzschmerzen selbst angewendet werden – am besten in Verbindung mit aktivierenden Maßnahmen.

Kältetherapie sollte nicht zur Behandlung von Kreuzschmerzen verordnet werden.

Wärme, speziell durch Pflaster oder Umschläge und kombiniert mit Bewegung, kann Kreuzschmerzen kurzfristig bessern. Allerdings sind die Effekte nicht sehr groß und die Studien nicht sehr gut.

Die Wirksamkeit von Kälte ist nicht ausreichend untersucht. Die Expertengruppe hat keine Studien dazu gefunden. Daher lässt sich die Wirkung nicht beurteilen.

Auch wenn die Leitlinie von der ärztlichen Verschreibung abrät, spricht nichts dagegen, dass Sie sich zu Hause mal eine Wärmflasche oder auch ein Kühlpack auf die schmerzende Köperregion legen. Voraussetzung ist natürlich, dass Ihnen die Anwendung gut tut.

Hinweis

Bei bestimmten Erkrankungen, die mit Kreuzschmerzen einhergehen, zum Beispiel Entzündungen, kann Wärmeanwendung eine Verschlechterung der Schmerzen bewirken. Sollten Sie dies bei sich bemerken, geben Sie unbedingt Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt Bescheid.

Traktion mit einem Gerät

Traktion bedeutet, dass Zug auf einen bestimmten Körperteil ausgeübt wird. Durch diese passive Bewegung sollen je nach Anwendungsort kurzfristig Gelenke, Bandscheiben oder Nervenwurzeln entlastet werden. Die Traktion kann ein Therapeut mit den Händen oder mithilfe eines Geräts ausüben.

Die Leitlinie empfiehlt:

Traktion mit einem Gerät soll nicht bei Kreuzschmerzen angewendet werden.

Die Datenlage zur Traktion ist schwach. Sie scheint nicht wirksamer zu sein als eine Scheinbehandlung. Außerdem handelt es sich um ein Verfahren, das möglicherweise Passivität fördert. Die Leitlinie rät deshalb von Traktion ab.

Ultraschall

Ultraschallwellen sind Schallwellen oberhalb der menschlichen Hörschwelle. Sie dienen in der Medizin nicht nur dazu, Bilder zu erzeugen, sondern können auch zur Behandlung verwendet werden.

Die Leitlinie empfiehlt:

Therapeutischer Ultraschall soll nicht zur Behandlung von Kreuzschmerzen angewendet werden.

Die Wirksamkeit von Ultraschall in der Behandlung von akuten Kreuzschmerzen wurde bisher nicht untersucht. Für chronische Kreuzschmerzen weisen die vorhandenen Studien darauf hin, dass andere Verfahren wie Bewegungstherapie wirksamer sind. Und im Vergleich zu einer Scheinbehandlung zeigen sich auch keine überzeugenden Effekte. Da es sich zudem um ein Verfahren handelt, das passives Verhalten fördern kann, rät die Leitlinie davon ab.

Verhaltenstherapie

Verhaltenstherapie ist ein Behandlungsverfahren der Psychotherapie. Bei Schmerzen kommt häufig die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) zum Einsatz.

Mit Hilfe von Gesprächen und speziellen Übungen kann die Verhaltenstherapie Ihnen helfen, Ihre Schmerzen neu zu bewerten, Fähigkeiten zur Schmerzbewältigung vermitteln und Sie dabei unterstützen, andere wirksame Maßnahmen wie zum Beispiel Bewegung umzusetzen.

Die Leitlinie empfiehlt:

  • Liegen Risikofaktoren für die Entwicklung chronischer Kreuzschmerzen vor, soll Menschen mit subakuten nicht-spezifischen Beschwerden eine individuell angepasste, kognitive Verhaltenstherapie angeboten werden.

  • Kognitive Verhaltenstherapie soll auch Betroffenen mit chronischen Kreuzschmerzen angeboten werden – als Teil eines multimodalen Behandlungskonzeptes.

Es gibt bisher keine hochwertigen Studien, in denen die Wirksamkeit von KVT bei akuten Kreuzschmerzen untersucht wurde. Die vorhandenen Studien weisen darauf hin, dass die Verhaltenstherapie bei Menschen mit einem hohen Risiko für chronische Kreuzschmerzen wirksam ist: zum Beispiel in Bezug auf Schmerzlinderung oder Rückkehr an den Arbeitsplatz. Auch bei Menschen, die schon chronische Beschwerden haben, war Verhaltenstherapie hilfreich: Studien belegen, dass Schmerzen unter der Therapie besser gelindert werden konnten als bei Menschen, die auf der Warteliste dafür standen. Und auch bei chronisch Kranken fördert die Verhaltenstherapie die Rückkehr in den Beruf.

zurück nach oben

8.4 Behandlung mit Medikamenten

Schmerzmittel: eine "Krücke", keine Dauerbehandlung

Manchmal können Kreuzschmerzen so heftig sein, dass Ihnen die eigentlich wirksame Bewegung schwer fällt oder nicht möglich erscheint. Dann kann Ihnen der Arzt Medikamente verschreiben. Diese können dafür sorgen, dass Sie Schmerzen nicht mehr so heftig wahrnehmen. Aber sie wirken nicht gegen die Ursache der Beschwerden. Deshalb reicht es bei Kreuzschmerzen nicht, alleine Medikamente einzunehmen. Arzneimittel können Sie jedoch dabei unterstützen, wieder aktiv zu werden und durch Bewegung die Schmerzen anzugehen.

Sie brauchen keine Angst davor zu haben, Medikamente einzunehmen. Sie sind weder "Teufelszeug" noch "Wundermittel". Richtig dosiert und gut überwacht, kann ein Schmerzmittel Ihnen möglicherweise helfen. Welches für Sie am besten geeignet ist, ermittelt die Ärztin im gemeinsamen Gespräch. Dabei spielen zum Beispiel andere Erkrankungen, bekannte Unverträglichkeiten und weitere Medikamente, die Sie bereits einnehmen, eine wichtige Rolle.

Medikamente – das kann Ihr Arzt oder Ihre Ärztin Sie fragen:
  • Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein?
    (Wenn ja, welchen Wirkstoff und in welcher Dosis)

  • Haben Sie früher schon einmal Schmerzmittel genommen? Welches Medikament hat Ihnen gut geholfen?

  • Gibt es Medikamente, die Sie nicht vertragen?

  • Sind bei Ihnen Erkrankungen der Leber oder Nieren bekannt?

Wichtig: regelmäßige Kontrolle

Im Verlauf kontrolliert die Ärztin, ob Sie das Medikament vertragen, ob es wirkt und ob es immer noch nötig ist. Dazu fragt sie bei jedem Besuch nach der Stärke Ihrer Beschwerden, zum Beispiel mithilfe einer "Schmerzskala" (siehe Kapitel "Schweregrad"). Außerdem möchte Ihr Arzt wissen, ob die Medikamente Ihnen geholfen haben, Ihren Alltag besser zu bewältigen und sich mehr zu bewegen. Vertragen Sie ein Mittel nicht, hilft er Ihnen, einen anderen Wirkstoff zu finden.

Tipp – Medikationsplan

Patientinnen und Patienten, die gleichzeitig mindestens drei verordnete Medikamente einnehmen beziehungsweise anwenden, haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen für sie verständlichen Medikationsplan. Diesen erhalten Sie von Ihrer behandelnden Ärztin oder ihrem behandelnden Arzt.

Weitere Informationen zum Medikationsplan und eine Beispielvorlage gibt es hier: www.kbv.de/html/medikationsplan.php.

Wichtig ist, dass Sie das Medikament wie mit dem Arzt besprochen einnehmen und nicht nur dann, wenn Sie die Schmerzen wieder spüren. Nur so kann es richtig wirken.

Vor allem, wenn Sie dauerhaft Kreuzschmerzen haben, sollten Sie vor einer langfristigen Medikamenteneinnahme den Nutzen gegen mögliche Schäden durch Nebenwirkungen abwägen. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin ausführlich darüber, was dann für Sie die beste Lösung ist.

Medikamenteneinnahme – Fragen, die Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen können:
  • Wie lange muss ich die Medikamente einnehmen?

  • Was sind mögliche Nebenwirkungen (besonders bei Einnahme über einen längeren Zeitraum)?

  • Mit welchen Folgen muss ich rechnen, wenn ich lieber weniger Medikamente nehmen möchte oder die Einnahme einmal vergesse?

  • Wann sollte sich spätestens eine Wirkung der Medikamente zeigen?

Was bei allen Medikamenten zu beachten ist

Wenn Sie sich für die Einnahme von Medikamenten entscheiden, soll Ihr Arzt nach Meinung der Expertengruppe einiges dabei beachten:

  • darüber aufklären, dass Schmerzmittel die Behandlung nur unterstützen und allein nicht ausreichen;

  • mit Ihnen gemeinsam ein realistisches Behandlungsziel festlegen: zum Beispiel eine spürbare Linderung der Schmerzen oder Verbesserung der Beweglichkeit;

  • die Dosis der Medikamente stufenweise so erhöhen, dass Sie das gemeinsam vereinbarte Behandlungsziel mit der geringstmöglichen Menge erreichen;

  • bei längerer Einnahme regelmäßig überprüfen, ob Nebenwirkungen auftreten und ob das Medikament wirkt;

  • bei Besserung nach akuten Schmerzen die Medikamente absetzen oder vorsichtig "ausschleichen";

  • die Behandlung nur weiterführen, wenn das Medikament wirkt und Sie es vertragen;

  • die Behandlung beenden, wenn das Medikament nicht wirkt oder Sie es nicht vertragen.

zurück nach oben

Mögliche Nebenwirkungen – wichtig zu wissen

Nebenwirkungen sind etwas ganz Normales: Keine Wirkung ohne Nebenwirkung, das gilt für fast alle Verfahren zur Behandlung von Krankheiten. Die entscheidende Frage ist, ob ein Medikament Ihnen persönlich mehr nutzt oder schadet. Nicht jede Nebenwirkung tritt bei jedem Menschen auf, manche sogar nur sehr selten oder gar nicht. Wichtig ist, dass Sie Ihre Ärztin aufsuchen, wenn Sie bei sich Beschwerden beobachten, die mit der Einnahme des Medikaments zu tun haben könnten.

Wirkstoffname? Handelsname?

Alle Medikamente werden in dieser Broschüre mit ihrem Wirkstoffnamen vorgestellt. Bekannter ist meist der Handelsname, den eine Firma ihrem Medikament gibt. So heißt der Wirkstoff ASS bei einem Hersteller zum Beispiel "Aspirin®". Auf der Medikamentenpackung sind immer Wirkstoff und Handelsname angegeben. Nach dem Handelsnamen fragen Sie am besten Ihren Arzt oder Ihre Apothekerin.

Welche Medikamente empfiehlt die Leitlinie?

Kurz gefasst: Am ehesten ist zunächst ein Medikament aus der Gruppe der sogenannten "traditionellen nicht-steroidalen Antirheumatika" (NSAR) empfehlenswert, diese sollten Ihnen bei Bedarf angeboten werden. Dazu zählen Diclofenac, Ibuprofen, oder Naproxen. Lässt sich damit keine spürbare Besserung erzielen, können wenige andere Wirkstoffe infrage kommen: Metamizol oder sogenannte Cox-2-Hemmer. Opioid-haltige Schmerzmittel können manchmal helfen, wenn schwächere Schmerzmittel wirkungslos waren. Die empfohlenen Medikamente werden im Folgenden ausführlicher erklärt.

Von anderen Wirkstoffen rät die Leitlinie ausdrücklich ab.

Abbildung 4: Empfohlene und nicht-empfohlene Medikamente bei Kreuzschmerzen

Abbildung 4 - Empfohlene und nicht-empfohlene Medikamente bei Kreuzschmerzen

zurück nach oben 

Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)

Die Leitlinie empfiehlt:
  • Bei akuten und chronischen Kreuzschmerzen sollten NSAR in der niedrigsten wirksamen Dosis und so kurzzeitig wie möglich eingesetzt werden.

  • NSAR können Magenbeschwerden verursachen. Liegen Risikofaktoren dafür vor, zum Beispiel eine Erkrankung des Magendarmtrakts, so sollte nach Meinung der Expertengruppe vorbeugend ein magenschützendes Medikament gegeben werden.

  • NSAR sollen nicht gespritzt oder als Infusion gegeben werden.

Zu den NSAR gehören unter anderem die Wirkstoffe Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen. Für diese Wirkstoffe empfiehlt die Autorengruppe der Leitlinie folgende Höchstdosen:

  • Diclofenac: 100 mg pro Tag

  • Ibuprofen: 1 200 mg pro Tag

  • Naproxen: 750 mg pro Tag

Zeigt sich bei akuten Schmerzen keine Besserung, kann Ihre Ärztin die Dosis kurzzeitig erhöhen auf 150 mg Diclofenac, 2 400 mg Ibuprofen oder 1 250 mg Naproxen pro Tag. Dabei ist eine engmaschige Beobachtung wegen möglicher Nebenwirkungen wichtig.

Forscher haben die vorhandenen Studien zu NSAR ausgewertet und festgestellt: NSAR können bei akuten wie auch bei chronischen Kreuzschmerzen kurzzeitig Schmerzen im Vergleich zu einem Scheinmedikament lindern. Die Qualität der Studien wird dabei eher als schwach eingeschätzt. Ob ein Wirkstoff besser ist als andere, lässt sich aus den Daten nicht ableiten. Zu beachten sind auch die Nebenwirkungen: Vor allem steigt das Risiko für Magen-Darm-Blutungen und für eine gestörte Nierenfunktion.
Abhängig von der Dosis und dem Anwendungszeitraum kann auch das Risiko für Herzinfarkte oder Schlaganfälle steigen. Bei einigen Begleiterkrankungen wie zum Beispiel einer koronaren Herzkrankheit oder einer Herzschwäche sind NSAR deshalb nicht empfehlenswert.

Cox-2-Hemmer

Die Leitlinie empfiehlt:
Cox-2-Hemmer können bei akuten und chronischen Kreuzschmerzen angeboten werden, wenn Sie herkömmliche NSAR nicht erhalten dürfen oder nicht vertragen.

Studien liefern Hinweise, dass Cox-2-Hemmer im Vergleich zu einem Scheinmedikament akute Kreuzschmerzen lindern können. Bei chronischen Kreuzschmerzen war ein Cox-2-Hemmer ähnlich wirksam wie Ibuprofen. Die Qualität der Studien wird dabei insgesamt als mäßig eingeschätzt. Möglicherweise verursachen Cox-2-Hemmer seltener Nebenwirkungen. Wenn Sie NSAR nicht vertragen oder nicht nehmen dürfen, sind sie eine Ausweichmöglichkeit. Sie können manchmal mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt einhergehen. Deshalb sind sie bei Menschen mit Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems nicht geeignet. Dazu gehören zum Beispiel die chronische koronare Herzkrankheit (KHK), Schlaganfälle, schwere Herzschwäche oder die periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK).

Bis auf eine Ausnahme sind Cox-2-Hemmer allerdings in Deutschland nicht zur Behandlung von Kreuzschmerzen zugelassen. Den Einsatz nicht zugelassener Medikamente nennt man "Off-Label-Use" (mehr dazu im Wörterbuch). Ihr Arzt ist in diesem Fall verpflichtet, Sie darüber besonders gründlich aufzuklären.

Metamizol

Die Leitlinie empfiehlt:
Metamizol kann nach Meinung der Expertengruppe in der niedrigsten wirksamen Dosis und so kurzzeitig wie möglich angeboten werden, wenn Sie NSAR nicht vertragen oder nicht einnehmen dürfen.

Metamizol wirkt sehr stark schmerzlindernd und ist für alle schweren akuten und chronischen Schmerzen zugelassen, also auch für Kreuzschmerzen. Studien, die seine Wirkung bei Kreuzschmerzen untersucht haben, konnten die Expertengruppe nicht finden. Metamizol kann in sehr seltenen Fällen zu einer gefährlichen Veränderung des Blutbildes führen. Anzeichen dafür können sein: Fieber, Halsschmerzen, kleine Verletzungen der Schleimhaut im Mund. Deshalb sind bei einer längeren Einnahme Blutkontrollen wichtig. Die Expertengruppe spricht trotzdem eine schwache Empfehlung für Metamizol aus, weil es bei Unverträglichkeit von NSAR oder Cox-2-Hemmern sonst nur noch Opioide als Ausweichmöglichkeit gibt. Für andere Schmerzmittel hat die Expertengruppe keinen verlässlichen Wirksamkeitsnachweise gefunden.

Opioide

Opioide sind Schmerzmittel, die zur Behandlung starker Schmerzen infrage kommen.

Die Leitlinie empfiehlt:
  • Opioide können bei Kreuzschmerzen angeboten werden, wenn Ihre Beschwerden auf andere empfohlene Schmerzmittel nicht ansprechen oder wenn Sie diese nicht vertragen.

  • Bei chronischen Kreuzschmerzen können Opioide für einen Zeitraum von 4-12 Wochen eingesetzt werden.

  • Bei chronischen Kreuzschmerzen können Sie Opioide auch länger nehmen, wenn sich in den ersten 4-12 Wochen die Schmerzen und die körperliche Beeinträchtigung deutlich gebessert haben und keine oder nur geringe Nebenwirkungen aufgetreten sind.

  • Die Opioid-Behandlung soll regelmäßig überprüft werden: bei akuten Kreuzschmerzen spätestens nach 4 Wochen, bei chronischen spätestens nach 3 Monaten.

  • Zeigt die Behandlung nicht den gewünschten Erfolg, soll sie beendet werden.

  • Opioide sollen in der Langzeitbehandlung nur als Teil eines multimodalen Behandlungsprogramms eingesetzt werden.

  • Opioide sollen nach Meinung der Expertengruppe nicht in Pflasterform bei akuten/subakuten Kreuzschmerzen angewendet werden.

Zur Wirksamkeit von Opioiden bei akuten Kreuzschmerzen ist die Datenlage schwach. Es gibt Hinweise, dass sie ähnlich wirksam sind wie NSAR. Bei chronischen Beschwerden sind die Ergebnisse etwas besser: Hier deuten die Daten aus mehreren mäßig guten Studien darauf hin, dass Opioide Schmerzen lindern und die körperliche Funktionsfähigkeit verbessern können.

Auch spezielle Opioid-Pflaster, die Wirkstoffe nach und nach über die Haut abgeben, stehen zur Verfügung. Die Leitlinie rät jedoch davon ab, da die Wirkung erst verzögert eintritt und dann auch länger als gewünscht anhalten kann.

zurück nach oben

Andere Schmerzmittel

Die Leitlinie empfiehlt:

Flupirtin soll nicht zur Behandlung von Kreuzschmerzen angewendet werden.
Paracetamol
sollte nicht zur Behandlung von Kreuzschmerzen angewendet werden.

In mehreren hochwertigen Studien war Flupirtin bei Kreuzschmerzen nicht wirksamer als ein Scheinmedikament. Gleichzeitig besteht die seltene Gefahr von erheblichen Leberschäden und Abhängigkeit.

In älteren Studien galt Paracetamol als wirksames Mittel gegen Kreuzschmerzen. Eine neuere Untersuchung aller vorhandenen Studien zeigt aber, dass Paracetamol hier nicht wirksamer ist als ein Scheinmedikament. Es gilt als eher nebenwirkungsarm, kann aber sehr selten zu Veränderungen des Blutbildes führen. Bei zu hoher Dosis kann es zu Leberschäden kommen.

Muskelentspannende Medikamente

Sogenannte "Muskelrelaxantien" bewirken eine vorübergehende Entspannung der Muskulatur.

 Die Leitlinie empfiehlt:

Muskelentspannende Medikamente sollten nicht bei akuten Kreuzschmerzen angewendet werden. 

Bei chronischen Kreuzschmerzen sollen sie nicht eingesetzt werden.

Eine Übersicht aller vorhandenen Studien weist darauf hin, dass muskelentspannende Medikamente kurzzeitig Schmerzen im Vergleich zu einem Scheinmedikament etwas lindern können. Die Kombination eines muskelentspannenden Medikaments mit einem NSAR war aber nicht wirksamer als das NSAR allein. Gleichzeitig können muskelentspannende Medikamente vielfältige Nebenwirkungen haben. Sie beeinflussen das zentrale Nervensystem. Müdigkeit kann eine Folge sein. Deshalb rät die Autorengruppe der Leitlinie von deren Einsatz bei Kreuzschmerzen ab. Bei akuten Kreuzschmerzen können sie im Ausnahmefall kurzzeitig infrage kommen, wenn alle anderen empfohlenen Schmerzmittel wirkungslos waren.

Antidepressiva

Mit Antidepressiva können Ärzte Depressionen behandeln. Seelische Beschwerden können mit Kreuzschmerzen zusammenhängen (siehe auch Kapitel "Wichtig: Auch seelische Ursachen beachten").

Die Leitlinie empfiehlt:
  • Antidepressiva sollten nicht zur Behandlung von Kreuzschmerzen eingesetzt werden.

  • Antidepressiva können nach Meinung der Expertengruppe angeboten werden, wenn gleichzeitig eine Depression oder eine Schlafstörung vorliegt.

Es gibt keinen verlässlichen Nachweis, dass Antidepressiva Kreuzschmerzen oder die körperliche Funktionsfähigkeit im Vergleich zu einem Scheinmedikament bessern können.

Liegt bei Ihnen gleichzeitig eine Depression vor, dann ist es wichtig, auch diese zu behandeln. Ob für Sie dann eine Psychotherapie oder ein gegen die Depression wirkendes Medikament besser geeignet ist, hängt von Ihren Bedürfnissen, Ihrer Krankengeschichte und Ihren Behandlungszielen ab. Ihre Ärztin oder Ihr Psychotherapeut kann Sie bei der Entscheidung unterstützen. Mehr zur Behandlung einer Depression erfahren Sie in der Patientenleitlinie Depression: www.patienten-information.de/patientenleitlinien/patientenleitlinien-nvl/html/depression.

Antiepileptische Medikamente

Antiepileptische Medikamente helfen Menschen mit Krampfanfällen (Epilepsie). In der Schmerzbehandlung können diese Arzneimittel bei Nervenschmerzen zum Einsatz kommen.

Die Leitlinie empfiehlt:
Antiepileptische Medikamente sollten nicht zur Behandlung von Kreuzschmerzen eingesetzt werden.

Studien konnten bisher keine überzeugenden Effekte dieser Wirkstoffe auf Kreuzschmerzen ausmachen. Zudem können sie erhebliche Nebenwirkungen haben. Im Einzelfall ist es möglich, dass chronische Kreuzschmerzen auch durch Schäden an den Nerven (Spinalnervenwurzel) bedingt sind. Dann kann Ihr Arzt prüfen, ob Antiepileptika ergänzend zu anderen Maßnahmen bei Ihnen hilfreich sein können.

Uridinmonophosphat

Uridinmonophosphat ist ein Baustein, der in menschlichen Zellen vorkommt. Zusammen mit Vitamin B12 und Folsäure wird er zur Behandlung von Kreuzschmerzen angeboten (zum Beispiel Keltican® forte).

Die Leitlinie empfiehlt:
Die Kombination aus Uridinmonophosphat, Vitamin B12 und Folsäure soll nach Meinung der Expertengruppe nicht zur Behandlung von Kreuzschmerzen eingesetzt werden.

Die Expertengruppe hat keine aussagekräftigen Studien gefunden, die die Wirksamkeit von Uridinmonophosphat in Kombination mit Vitamin B12 und Folsäure bei Kreuzschmerzen belegen. Das Medikament wird nicht von der Gesetzlichen Krankenkasse bezahlt.

Pflanzliche Schmerzmittel

Zur Behandlung von Schmerzen stehen grundsätzlich auch einige pflanzliche Wirkstoffe zur Verfügung. Getestet wurden zum Beispiel Teufelskralle und Weidenrinde.

Die Leitlinie empfiehlt:
  • Weidenrinde kann zusammen mit aktivierenden Maßnahmen bei chronischen Kreuzschmerzen angewendet werden.

  • Teufelskralle sollte nicht bei Kreuzschmerzen eingesetzt werden.

Ergebnisse aus wenigen Studien von jeweils schwacher Qualität lassen vermuten, dass beide pflanzliche Stoffe kurzzeitig Beschwerden etwas lindern können im Vergleich zu einem Scheinmedikament. Weidenrinde hat ähnliche Nebenwirkungen und Gegenanzeigen wie NSAR (siehe Kapitel "Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)". Teufelskralle kann beispielsweise Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen oder Schwindel auslösen. Weidenrinde ist zur Behandlung von Kreuzschmerzen zugelassen, Teufelskralle nicht. Zudem schätzt die Autorengruppe die Wirksamkeitsnachweise für Teufelskralle als noch etwas schwächer ein. Beide Mittel werden nicht von der Gesetzlichen Krankenkasse bezahlt.

zurück nach oben

Wirkstoffe zur äußeren Anwendung

Viele Menschen mit Kreuzschmerzen empfinden die äußere Anwendung von Einreibemitteln als sehr angenehm. Wirksamkeitsnachweise für die meisten Salben, Pflaster, Cremes oder Öle hat die Expertengruppe der Leitlinie nicht gefunden. Es kann bei der Anwendung zu leichten Nebenwirkungen wie Hautrötung oder Schwellungen kommen.

Die Leitlinie empfiehlt:
  • Pflaster oder Cremes mit Capsaicin können bei Kreuzschmerzen in Kombination mit aktivierenden Maßnahmen eingesetzt werden.

  • Cremes oder Pflaster mit NSAR sollen nach Meinung der Expertengruppe nicht zur Behandlung von Kreuzschmerzen eingesetzt werden.

  • Creme mit Beinwell sollte nicht bei Kreuzschmerzen eingesetzt werden.

Capsaicin ist ein Wirkstoff aus den getrockneten Früchten des Cayennepfeffers. Wenige Studien von eher schwacher Qualität liefern Hinweise, dass Pflaster und Cremes mit Capsaicin Kreuzschmerzen kurzzeitig lindern. Diese werden aber nicht von der Gesetzlichen Krankenkasse bezahlt. Wer das Gefühl hat, solche Mittel könnten ihm helfen in Bewegung zu bleiben, dem raten die Leitlinienautoren nicht von einer Anwendung ab.

Auch NSAR können äußerlich aufgetragen werden – der Wirkstoff wird dann über die Haut aufgenommen. Einen Beleg für die Wirksamkeit bei Kreuzschmerzen hat die Expertengruppe nicht gefunden. Gleichzeitig kann es zu schweren allergischen Reaktionen der Haut kommen. Deshalb rät die Leitlinie von NSAR-Pflaster oder Cremes ab.

Für Beinwellhaltige Creme liegt nur eine sehr kleine Studie mit schwacher Qualität vor. Hier konnte die Salbe Schmerzen kurzzeitig lindern, wegen der geringen Qualität sind die Ergebnisse aber nicht sehr sicher. Beinwell ist für die Behandlung von Kreuzschmerzen nicht zugelassen und wird nicht von der Gesetzlichen Krankenkasse bezahlt.

Spritzen gegen Schmerzen

Für Schmerzmittel gibt es verschiedene Möglichkeiten der Darreichung. Neben Tabletten, Cremes oder Pflastern kann die Ärztin ein Medikament zum Beispiel auch über eine Spritze verabreichen, etwa in eine Körpervene oder einen Muskel.

Die Leitlinie empfiehlt:
Schmerzmedikamente sollen nicht in Venen oder Muskeln gespritzt werden.

Die Anwendung von Spritzen zur Schmerzbehandlung ist weit verbreitet. Die Expertengruppe hat keine zuverlässigen Wirksamkeitsnachweise für gespritzte Medikamente gefunden. Gleichzeitig kann das Spritzen Nebenwirkungen verursachen. Es gibt auf der anderen Seite ausreichend wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit einiger Wirkstoffe in Form von Tabletten oder Tropfen. Daher ist es aus medizinischer Sicht nicht gerechtfertigt, Schmerzmedikamente als Spritze zu verabreichen.

Antikörper

Ob eine neuere Gruppe von Antikörpern (sogenannte Anti-NGF) gegen Kreuzschmerzen wirkt, ist unklar. Erste Studien liefern keine klaren Belege dafür.

Gewebeverletzende Behandlungen an der Wirbelsäule

In den letzten Jahren wurden viele medizinische Verfahren entwickelt, um Medikamente im Wirbelsäulenbereich zu spritzen. So werden verschiedene Wirkstoffe in die Muskeln, Bänder, Gelenke der Wirbelsäule oder in die Nähe der Nerven gespritzt. Sie heißen zum Beispiel Triggerpunktinjektionen, Prolotherapie oder Botulinumtoxininjektionen. Es können außerdem Nervenblockaden und sogenannte elektrothermische Verfahren an Wirbelbogengelenken und Bandscheiben durchgeführt werden. Zusätzlich stehen eine Vielzahl von Operationsmethoden an der Wirbelsäule sowie die elektrische Stimulation des Rückenmarks zur Verfügung.

Die Leitlinie empfiehlt:
Gewebeverletzende und operative Verfahren an der Wirbelsäule sollen nicht zur Behandlung von nicht-spezifischen Kreuzschmerzen eingesetzt werden.

Für alle diese Verfahren gilt jedoch: Es gibt keine wissenschaftlichen Belege, welche eine Anwendung bei Menschen mit nicht-spezifischem Kreuzschmerz rechtfertigen. Die vorhandenen Studien sind von schlechter Qualität und betrachten oft nur eine kleine Zahl von Personen. Meist ist auch unklar, ob bei einer Reihe dieser Patienten nicht doch eine spezifische Ursache vorlag, die mit einer solchen Methode in Einzelfällen zu behandeln ist. Solange die Ursache für die Kreuzschmerzen unklar ist, rät die Autorengruppe der Leitlinie deshalb von allen gewebeverletzenden Verfahren ab. Und auch wenn sich auf einem Röntgen- oder MRT-Bild Veränderungen an der Wirbelsäule zeigen, ist häufig unklar, ob diese die Ursachen für die Schmerzen sind und ob eine gezielte Behandlung die Schmerzen lindert. Deshalb ist es sehr wichtig, vor einem operativen Eingriff oder Spritzen aller Art die genaue Ursache der Schmerzen verlässlich zu kennen. Nur wenn eine spezifische Ursache vorliegt, kann zum Beispiel eine gezielte operative Behandlung überhaupt Erfolg haben.

zurück nach oben


Zurück zu Kapitel 7 | Weiter zu Kapitel 9

zuletzt verändert: 27.11.2017 14:35