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6 Eine KHK behandeln

2. Auflage, 2017. Version 1 – Druckversionpdf.png | Kapitelübersicht | weitere Informationen

6.1 Aufklärung und Informationen

Nach einer umfassenden Diagnostik liegen Ihnen alle wichtigen Informationen vor, damit Sie nach Beratung mit Ihrer Ärztin über die weitere Behandlung entscheiden können.

Fragen Sie so lange nach, bis Sie wirklich alle Ergebnisse verstanden haben. Im Kasten haben wir für Sie einige Fragen formuliert. Denn davon hängt die wichtigste Entscheidung ab, die Sie nach Beratung mit Ihrem Arzt treffen müssen: die der passenden und angemessenen Therapie. In der Regel haben Sie auch genug Zeit, um diese Entscheidung in Ruhe – auch mit Angehörigen – zu treffen.

Vielleicht sind Sie unsicher, ob eine vorgeschlagene Behandlung für Sie wirklich geeignet ist. Oder Sie fühlen sich nicht gut beraten. Wenn Sie Zweifel haben, sprechen Sie dies offen in einem zweiten Gespräch mit Ihrer behandelnden Ärztin an. Lassen sich Ihre Zweifel nicht ausräumen, oder haben Sie das Gefühl, nicht sorgfältig genug beraten worden zu sein, können Sie eine zweite Meinung einholen. Sie haben das Recht dazu. Mehr zur ärztlichen Zweitmeinung erfahren Sie im Kapitel "Ihr gutes Recht".

Fragen nach der Diagnose:

  • Haben wir alle wichtigen Ergebnisse beisammen?
  • Welche Gefäße sind betroffen? Und wie stark?
  • Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Welche kommen für mich in Frage und warum? Welche Vor- und Nachteile haben sie?
  • Kann die Behandlung mein Leben verlängern?
  • Welche Auswirkungen hat das auf meine Lebensqualität?
  • Sollte ich mir eine zweite Meinung einholen?
  • Wie viel Zeit habe ich, eine Behandlungsentscheidung zu treffen?

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6.2 Welche Möglichkeiten der Behandlung gibt es?

Heilen kann man eine KHK nicht. Aber mit einer guten Behandlung können Sie eine ähnliche Lebensqualität haben wie Gesunde. Die Behandlung verfolgt zwei Ziele: Beschwerden lindern und gefährlichen Folgen wie Herzinfarkt vorbeugen.

Es gibt mehrere wirksame Behandlungsmöglichkeiten, die teilweise gemeinsam zum Einsatz kommen:

  • Das Wichtigste ist ein gesunder Lebensstil, das heißt: angemessene Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und Verzicht auf Rauchen (mehr dazu im Kapitel "Verhaltensänderungen: Was ist eine gesunde Lebensweise?").
  • Darüber hinaus lässt sich eine KHK mit Medikamenten behandeln (mehr dazu im Kapitel "Behandlung mit Medikamenten").
  • Zusätzlich zur regelmäßigen Einnahme von Medikamenten können Stützröhrchen (Stents) in die verengten Herzkranzarterien eingesetzt werden (mehr dazu im Kapitel "Stents einsetzen oder erst mal abwarten?").
  • Zusätzlich zur regelmäßigen Einnahme von Medikamenten kann auch eine Operation am Herzen (Bypass-Operation) in Frage kommen (mehr dazu im Kapitel "Bypass-Operation").

Eine gesunde Lebensweise und Medikamente sind feste Bestandteile der Behandlung einer KHK. Bei etwa einem Drittel der Betroffenen lassen die Beschwerden aber trotz der Medikamente nicht nach. Dann können Stents oder eine Operation in Frage kommen. Um zwischen diesen beiden Möglichkeiten zu entscheiden, wird eine Herzkatheter-Untersuchung empfohlen (siehe Kapitel "Entscheidung für einen Eingriff: Stent oder Bypass?").

Lebensstilveränderungen, Medikamente und Bypass-Operation können Beschwerden lindern und die Lebenszeit positiv beeinflussen. Für Stents wurde bisher nur nachgewiesen, dass sie Beschwerden lindern können.

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6.2.1 Verhaltensänderungen: Was ist eine gesunde Lebensweise?

Wichtig ist in jedem Fall eine gesunde Lebensweise. Wenn möglich, versuchen Sie Ihren Lebensstil zu ändern: nicht rauchen, sich bewegen, möglichst ausgewogen ernähren und Gewicht halten, also nicht zunehmen. So können Sie dazu beitragen, dass die Bildung von Ablagerungen (Plaques) in den Herzkranzarterien langsamer fortschreitet und schwere Folgeschäden seltener eintreten.

Bewegung fördern:

Bewegung tut gut. Schon mit regelmäßiger körperlicher Bewegung können Sie Ihr Herzinfarkt-Risiko senken, zum Beispiel wenn Sie jeden Tag etwa 20 Minuten spazieren gehen. Steigern Sie Ihre körperliche Aktivität auch im Alltag, zum Beispiel können Sie Treppen statt Aufzüge nutzen, im Garten arbeiten und kürzere Strecken zu Fuß oder mit dem Rad zurücklegen.

Viele Studien haben gezeigt, dass Sport und Bewegung einen positiven Einfluss auf das gesamte Wohlbefinden haben. Durch eine bessere körperliche Fitness lassen sich auch häusliche und berufliche Arbeiten leichter bewältigen. Das Vertrauen in den eigenen Körper steigt wieder, und die Abwehrkräfte werden gestärkt.

Wichtig ist, dass das Training an Ihre Kräfte angepasst ist. Sie können mit Ihrem Arzt absprechen, wie intensiv die körperliche Aktivität sein sollte und in welchen Schritten Sie das Training steigern können.

Mit Sport und Bewegung können Sie:

  • die allgemeine Fitness verbessern;
  • das Herz-Kreislauf-System verbessern;
  • die Merk- und Gedächtnisfähigkeit verbessern;
  • die Balance von Körper, Geist und Seele wahrnehmen;
  • die Lebensqualität steigern und noch vieles mehr.

Suchen Sie sich eine Sportart, die Ihnen Spaß macht. Besonders geeignet sind Nordic Walking, Joggen, Schwimmen und Radfahren. Auch Ballspiele, Tanzen oder Gymnastik halten Sie fit.

Sie können auch Freunde oder Bekannte fragen, ob sie mitmachen möchten. Oder Sie schließen sich einer Sportgruppe an. Gemeinsam ist vieles leichter.

Bei festgestellter KHK kann für einen begrenzten Zeitraum auch Rehabilitationssport verordnet werden.

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Ernährung umstellen:

Versuchen Sie, sich kaloriengerecht zu ernähren. Essen Sie so oft wie möglich frisches Obst und Gemüse und Lebensmittel, die wenig gesättigte Fette enthalten und die reich an Ballaststoffen sind, zum Beispiel Vollkorngetreideprodukte und Hülsenfrüchte. Obst und Gemüse sind auch reich an Kalium, welches sich günstig auf den Blutdruck und wahrscheinlich auch auf weitere Risikofaktoren der KHK auswirkt.

Fettreiche Speisen sollten Sie eher selten und nur in kleinen Mengen verzehren, zum Beispiel fettes Fleisch, fette Fertigprodukte, Sahne, fette Süß- und Backwaren.

Günstig ist, pflanzliche Fette und Öle zu bevorzugen, zum Beispiel Raps- oder Olivenöl, Nüsse und Samen. Zu einer gesunden Ernährung kann auch der Verzehr von einer Handvoll (etwa 30 Gramm) ungesalzener Nüsse pro Tag gehören. Der Verzehr von Fisch möglichst zweimal pro Woche wird empfohlen; davon eine Mahlzeit mit fettreichem Fisch – etwa Makrele, Hering oder Lachs. Der hohe Gehalt an Omega-3-Fettsäuren in Fisch wirkt sich positiv auf Herz und Gefäße aus.

Zuckerhaltige Getränke wie Fruchtsäfte oder Limonaden sollten Sie möglichst komplett meiden. Auch ungesüßte Fruchtsäfte enthalten viel Fruchtzucker. Mineralwasser und ungesüßte Tees können Sie reichlich trinken.

Alkohol in Maßen:

Trinken Sie am besten nur wenig Alkohol – nicht mehr als ein bis zwei kleine Gläser pro Tag. Dies ist natürlich abhängig vom jeweiligen Alkoholgehalt des Getränks und auch vom Geschlecht: Männer sollten 30 Gramm pro Tag und Frauen 20 Gramm pro Tag nicht überschreiten. Bedenken Sie auch, dass Alkohol viele Kalorien enthält.

Gewicht halten:

Genießen Sie gesunde Speisen und essen Sie abwechslungsreich und kaloriengerecht. Sollten Sie normal- oder übergewichtig sein, empfehlen sich Mengen, die Ihnen helfen, Ihr derzeitiges Körpergewicht zu erhalten. Eine Gewichtszunahme sollte vermieden werden.

Wenn Sie stark übergewichtig sind (siehe Wörterbuch: "Body-Maß-Index (BMI)"): Es kann sich günstig auf Ihren Blutdruck, Ihren Blutzucker und Ihre Blutfette auswirken, wenn Sie Gewicht abnehmen. Auch die Fettverteilung am Bauch spielt eine Rolle.

Ihre Ärztin erfasst regelmäßig Ihr Körpergewicht und ermutigt Sie gegebenenfalls zu mehr körperlicher Aktivität und kaloriengerechter, gesunder Ernährung. Vielleicht bietet Sie Ihnen auch an, an einem besonderen Verhaltensprogramm teilzunehmen.

Rauchen aufgeben:

Rauchen schadet den Gefäßen. Es gibt Hinweise aus vielen Studien, dass bei Menschen mit KHK, die mit dem Rauchen aufhören, die Sterblichkeit gesenkt werden kann. Ebenfalls wurde für Menschen nach einem Herzinfarkt gezeigt, dass sie ihr Risiko, in den nächsten 6 Monaten einen erneuten Herzinfarkt zu erleiden, senken können, wenn sie Nikotin vermeiden. Ihr Arzt soll Ihnen deshalb raten, komplett auf Tabak zu verzichten und auch jedes Passivrauchen zu vermeiden. Lassen Sie sich hierbei von ihm unterstützen. Es gibt verschiedene Angebote zur Tabakentwöhnung wie persönliche oder telefonische Beratungen. Eine Anlaufstelle kann die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sein: www.rauchfrei-info.de und Telefon 0800 8313131. Bei Bedarf kann Ihnen die Ärztin auch eine verhaltenstherapeutische Einzel- oder Gruppenbehandlung oder bestimmte Medikamente anbieten.

Stress bewältigen:

Um Stress abzubauen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Das können Sport und körperliche Bewegung sein, aber auch das Lesen eines Buches oder ein Treffen mit Freunden und Bekannten. Probieren Sie aus, wo und wie Sie sich am besten erholen können.

Außerdem können Sie spezielle Verfahren lernen, die Ihnen helfen zu entspannen. Zu den bekanntesten zählen Autogenes Training, Yoga oder die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen (kurz: PMR).

Die Krankenkassen oder Volkshochschulen bieten unterschiedliche Kurse zur Stressbewältigung an. Wenn Sie möchten, können Sie sich diese Techniken auch selbst beibringen, mithilfe von Büchern, DVDs oder CDs.

Scheuen Sie sich nicht, Ihre psychischen Belastungen mit Ihrem Arzt zu besprechen. Sollten die genannten Möglichkeiten zur Stressbewältigung nicht ausreichend sein, kann Ihnen eine Psychotherapie weiterhelfen. Dies gilt vor allem, wenn bei Ihnen eine behandlungsbedürftige psychische Erkrankung vorliegt, zum Beispiel eine Depression oder eine Angsterkrankung.

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Lebensstil – eine persönliche Sache …

Die meisten Menschen wissen theoretisch, dass ein ausgewogener Lebensstil gesund halten kann. Aber einen noch nicht ausgewogenen Lebensstil zu ändern, fällt nicht jedem leicht.

Menschen sind unterschiedlich veranlagt. Nicht jeder ist konsequent, nicht jeder erreicht die selbst oder von der Ärztin gesteckten Ziele.

Manche Menschen leiden darunter, dass sie es trotz vieler Versuche nicht schaffen, abzunehmen, sich mehr zu bewegen, oder weniger zu trinken. Und sie fühlen sich von anderen deshalb herabgesetzt und nicht respektiert. Das kann zu einer seelischen Belastung werden. Doch das ist nicht Ziel von Empfehlungen zum Lebensstil.

Wie bei allen medizinischen Empfehlungen gilt auch bei der Vorbeugung: Wie Sie sich letztlich entscheiden, hängt auch von Ihrer persönlichen Situation, Ihren Lebensumständen und Wertvorstellungen ab.

6.2.2 Behandlung mit Medikamenten

Die Einnahme von Medikamenten bei einer KHK hat zum Ziel, das Leben zu verlängern, Beschwerden und Folgekrankheiten wie Herzinfarkt oder Herzschwäche zu vermeiden und damit die krankheitsbedingt eingeschränkte Lebensqualität zu verbessern.

Einige Medikamente sollten Sie auf jeden Fall einnehmen, egal, ob Sie Beschwerden haben oder nicht:

  • Plättchen-Hemmer (Thrombozyten-Aggregations-Hemmer) verhindern, dass sich Blutplättchen an den Wänden der Herzkranzgefäße anlagern. Hochwertige Studien haben gezeigt, dass Plättchen-Hemmer nach 2 Jahren bei etwa 4 von 100 Behandelten einen Herzinfarkt oder Herztod verhindern konnten.
  • Statine (Cholesterin-Senker) sorgen für günstige Blutfettwerte. So entstehen weniger Plaques innen an den Gefäßen. Aussagekräftige Studien haben gezeigt, dass innerhalb von 5 Jahren etwa 3 von 100 Menschen durch Statine vor einem Herzinfarkt oder Herztod bewahrt wurden.

Auch blutdrucksenkende Medikamente wie zum Beispiel Betablocker oder ACE-Hemmer können bei bestimmten Patienten zum Einsatz kommen.

Bei der Behandlung einer KHK werden also mehrere Wirkstoffe kombiniert. Verlässliche Studien haben gezeigt, dass diese Medikamente die Lebenszeit verlängern und das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall senken. Wichtig ist, dass Sie die Medikamente regelmäßig einnehmen. Bei etwa zwei Drittel bessern sich die Beschwerden der Angina pectoris dauerhaft. Lassen sich die Beschwerden nicht ausreichend mit Medikamenten behandeln, können Stents in Frage kommen (mehr dazu im Kapitel "Stents einsetzen oder erst mal abwarten?"). Zudem gibt es Medikamente, die akute Beschwerden sofort lindern (siehe Kapitel "Nitrate").

Im Folgenden stellen wir Ihnen die wichtigsten Medikamentengruppen vor, die in der ärztlichen Leitlinie derzeit aufgeführt werden. Aber die Forschung geht weiter. Immer wieder werden neue Wirkstoffe getestet. Wenn sie sich nach kritischer Bewertung aller vorhandenen Daten als wirksam erwiesen haben, nimmt das Expertenteam neue Medikamente in die Leitlinie auf. Dann wird auch diese Patientenleitlinie aktualisiert.

Nebenwirkungen – wichtig zu wissen

Neben den erwünschten Effekten von Medikamenten können auch unerwünschte Wirkungen vorkommen. Sollten bei Ihnen unerwünschte Arzneimittelwirkungen auftreten, besprechen Sie diese mit Ihrer behandelnden Ärztin. Die entscheidende Frage ist, ob der zu erwartende Nutzen die möglichen Risiken rechtfertigt.

Dabei sollten Sie auch sogenannte Wechselwirkungen beachten: Manche Medikamente verstärken oder mindern sich gegenseitig in ihrer Wirkung. Es ist daher gut, wenn Sie eine Liste der Medikamente, die Sie einnehmen, zum Arztgespräch mitbringen. Oder Sie nehmen einfach die Packungen Ihrer Medikamente mit.

Wirkstoffname? Handelsname?
Alle Medikamente werden in dieser Broschüre mit ihrem Wirkstoffnamen vorgestellt. Bekannter ist meist der Handelsname, den eine Firma ihrem Medikament gibt. So heißt der Wirkstoff ASS bei einem Hersteller zum Beispiel "Aspirin®". Auf der Medikamentenpackung sind immer Wirkstoff und Handelsname angegeben. Nach dem Handelsnamen fragen Sie am besten Ihr Behandlungsteam.

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Plättchen-Hemmer

Was sind Plättchen-Hemmer?

Das sind Medikamente, die verhindern sollen, dass die Herzkranzgefäße verengt oder sogar verschlossen werden. Sie senken die Gefahr für Blutgerinnsel. In der Fachsprache heißen sie Thrombozyten-Aggregations-Hemmer.

Wie wirken Plättchen-Hemmer?

Sie verhindern, dass Blutplättchen (Thrombozyten) verklumpen und sich an Gefäßwänden anlagern und mit der Zeit die Gefäße verstopfen.

Welche Plättchen-Hemmer sind in der Leitlinie genannt?

Tabelle 3: Übersicht Plättchen-Hemmer

Wirkstoff

Anwendung

Acetysalicyl-säure (ASS)

Bei akutem Koronarsyndrom; bei stabiler KHK, um Herzinfarkt und Schlaganfall vorzubeugen.

Clopidogrel

Bei Betroffenen mit Herzinfarkt, der nicht länger als 35 Tage zurückliegt, um weiteren Gefäßverschlüssen vorzubeugen; bei Menschen mit Stents in den Herzkranzgefäßen.

Prasugrel

Nur zusammen mit ASS für Menschen mit akutem Koronarsyndrom, bei denen ein Herzkatheter mit Stenteinlage (perkutane Koronarintervention) erfolgen soll.

Ticagrelor

Nur zusammen mit ASS für Menschen mit instabiler Angina pectoris oder Herzinfarkt.

Ticlopidin

Bei Menschen mit stabiler KHK, wenn ASS nicht vertragen wird.

Typische Nebenwirkungen: Blaue Flecken, Nasenbluten, Hautreaktionen, Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen oder Bauchschmerzen.

Für wen sind Plättchen-Hemmer empfehlenswert?

Die Leitlinie empfiehlt:

Alle Menschen mit stabiler KHK sollen 100 mg Acetylsalicylsäure (ASS) pro Tag erhalten.

Wenn ASS nicht vertragen wird oder nicht gegeben werden darf, sollten die Betroffenen 75 mg Clopidogrel pro Tag erhalten.

In aussagekräftigen Studien wurde belegt, dass ASS pro Jahr etwa 15 von 1 000 Menschen mit KHK vor weiteren ernsthaften Ereignissen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Tod durch Gefäßerkrankungen bewahrt. Statt 82 von 1 000 Erkrankten mit einem Scheinmedikament (Placebo) trat nur bei 67 von 1 000 Erkrankten mit ASS ein solcher Notfall auf. Aufgrund der guten Belege und langjähriger Erfahrung gilt ASS als Mittel der ersten Wahl, um Menschen mit stabiler KHK lebenslang damit zu behandeln.

Ebenfalls wurde in hochwertigen Studien untersucht, ob es Unterschiede bei Männern und Frauen gibt, wenn sie mit ASS behandelt werden, um weitere ernsthafte Gefäßerkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall zu verhindern. Die Studien liefern Belege, dass die schützende Wirkung von ASS in dieser Situation für beide Geschlechter etwa gleich gut ist.

ASS ist in Deutschland für Menschen mit stabiler KHK ohne vorherigen Herzinfarkt nicht zugelassen und wird dann im sogenannten Off-Label-Use eingesetzt (siehe Wörterbuch: "Off-Label-Use"). Dennoch gilt ASS seit langem als Standard-Medikament bei KHK.

Hinweis:
In Deutschland gehört die koronare Herzkrankheit (KHK) zu den "Volkskrankheiten". Bei etwa 7 von 100 Frauen und etwa 10 von 100 Männern in Deutschland wird im Laufe des Lebens eine KHK bekannt. KHK und Herzinfarkt gehören zu den häufigsten Todesursachen.

Studien deuten darauf hin, dass Clopidogrel bei Menschen mit KHK nach einem Herzinfarkt ähnlich wirkt wie ASS. Ein Vorteil von Clopidogrel gegenüber ASS wurde nicht nachgewiesen. Daher sollte es nur in Frage kommen, wenn Sie ASS nicht vertragen oder nicht nehmen dürfen.

In mehreren Studien gab es keine Hinweise darauf, dass Clopidogrel Männern oder Frauen mehr nutzt.

Clopidogrel ist für Menschen mit stabiler KHK nicht zugelassen (siehe Wörterbuch: "Off-Label-Use").

Ticagrelor wurde ebenfalls in einer großen aussagekräftigen Untersuchung mit Clopidogrel verglichen. Ticagrelor zeigte für einige Personengruppen Vorteile gegenüber Clopidogrel. Bei der Behandlung mit Ticagrelor traten allerdings häufiger schwere Blutungen auf, die nicht durch den Eingriff am Herzen (Stent, Bypass) bedingt waren. Auch weitere Nebenwirkungen wie etwa Atemnot kamen häufiger vor. Bei mäßigen oder schweren Störungen der Leberfunktion darf Ticagrelor nicht angewendet werden, weil es in dieser Situation nicht in Studien untersucht wurde. Es wird zweimal täglich eingenommen.

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Wann sind zwei Plättchen-Hemmer gleichzeitig zu empfehlen?

Nach Einsetzen von Stents ist es empfehlenswert, zusätzlich zu ASS einen weiteren Plättchen-Hemmer einzunehmen. Ziel ist, zu verhindern, dass die Röhrchen durch Blutgerinnsel verstopfen.

Bei einem Stent ohne Medikamenten-Beschichtung dauert diese Zweifach-Behandlung normalerweise 4 Wochen; bei Stents, die bestimmte Medikamente freisetzen, zwischen 6 und 12 Monaten. Die Experten empfehlen die Zweifach-Behandlung nach einem akuten Koronarsyndrom mit einer Dauer von 12 Monaten, unabhängig vom Material des Stents.

Können Plättchen-Hemmer mit Blutverdünnern kombiniert werden?

Menschen, die eine Herzschwäche mit Vorhofflimmern, künstliche Herzklappen oder Thrombosen haben, nehmen häufig Blutverdünner ein, sogenannte Antikoagulanzien (siehe Wörterbuch: "Antikoagulation").

Diese Mittel beeinflussen ebenso wie die Plättchen-Hemmer die Blutgerinnung. Je mehr gerinnungshemmende Wirkstoffe gleichzeitig eingenommen werden, desto höher ist schließlich auch das Risiko für Blutungen.

Daher ist für Menschen mit stabiler KHK, die bereits Blutverdünner einnehmen, eine zusätzliche Einnahme von Plättchen-Hemmern nach Expertenmeinung nicht empfehlenswert.

Es gibt einige seltene Situationen, in denen dennoch zusätzlich ein Plättchen-Hemmer zum Einsatz kommen kann, etwa nach einem akuten Koronarsyndrom (ohne Stents oder Bypass) bei geringem Blutungsrisiko. Besprechen Sie dies mit Ihrem Behandlungsteam.

Die Leitlinie empfiehlt:

Patientinnen und Patienten mit akuten Koronarsyndrom und Bypass-Operation, die bereits Blutverdünner einnehmen müssen, sollen auch nach der Operation weiterhin nur die Blutverdünner (ohne Plättchen-Hemmer) erhalten.

Wie können Nebenwirkungen behandelt werden?

Bei Magen-Beschwerden wie starkem Sodbrennen oder Aufstoßen können Sie Medikamente erhalten, sogenannte Protonenpumpen-Hemmer. Wie der Name schon andeutet, wirken sie auf die "Protonenpumpe" in der Magenschleimhaut. Dadurch blockieren sie die Bildung von Magensäure und schützen die Schleimhaut vor Entzündungen und Geschwüren.

Allerdings gibt es Hinweise aus Studien, dass Protonenpumpen-Hemmer möglicherweise die Wirkung von ASS und anderen Plättchen-Hemmern abschwächen und sich somit das Risiko für weitere Gefäßerkrankungen wieder erhöht. Verlässliche Daten zu dieser Frage konnte die Expertengruppe bisher nicht finden.

Um eine akute Blutung zu stoppen, kann eine Spiegelung des Magens oder Darms helfen (siehe Wörterbuch: "Endoskopie"). Das blutende Gefäß kann dann von innen mechanisch mit einem Clip oder mit Hilfe eines bestimmten gefäßverengenden Medikaments verschlossen werden. Manchmal ist der Blutverlust so groß, dass eine Bluttransfusion nötig ist.

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Statine (Cholesterin-Senker)

Was sind Statine?

Das sind Medikamente, die das Cholesterin im Blut und andere Blutfette (Lipide) senken können. Dadurch vermindern sie Folgekrankheiten der KHK wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Man kann sie auch als Cholesterin-Senker oder Lipid-Senker bezeichnen.

Wie wirken Statine?

Statine hemmen ein Eiweiß im Körper (Enzym), das Cholesterin herstellt. Zudem sorgen sie dafür, dass die Leber vermehrt Cholesterin aus dem Blut aufnimmt. Je nach Dosis kann so die Cholesterinmenge im Blut bis auf die Hälfte sinken. Ebenfalls fallen auch andere Blutfette leicht ab. Folglich entstehen weniger Plaques innen an den Gefäßwänden.

Für wen sind Statine empfehlenswert?

Die Leitlinie empfiehlt:

Alle Menschen mit KHK sollen ein Statin erhalten, um das Risiko für Folgekrankheiten und Herztod zu verringern. Sie sollen ein Statin unabhängig davon bekommen, wie hoch die Blutfettwerte sind.

Die Behandlung mit Statinen ist sehr gut in hochwertigen Studien untersucht. Es ist erwiesen, dass Statine für Menschen mit KHK vorteilhaft sind und zum Beispiel die Lebenszeit verlängern. Aussagekräftige Studien haben gezeigt, dass innerhalb von 5 Jahren etwa 3 von 100 Menschen durch Statine vor einem Herzinfarkt oder Herztod bewahrt wurden. Aufgrund der guten Nachweise und langjähriger Erfahrung gelten Statine als Mittel der ersten Wahl, um bei Menschen mit KHK die Blutfette zu senken.

Wenn Sie ein Statin einnehmen, gibt es für den Arzt zwei unterschiedliche Vorgehensweisen:

  • Zum einen kann er Ihnen das Medikament in einer festen, normalen Dosis verschreiben. Es finden dann keine regelmäßigen Kontrollen Ihrer Fettwerte im Blut statt.
  • Zum anderen kann die Ärztin einen persönlichen Blutfett-Zielwert für Sie bestimmen, der auch von Ihren Risikofaktoren abhängig ist. Es folgen regelmäßige Kontrolluntersuchungen Ihrer Blutfette. Ist der gewünschte Zielwert noch nicht erreicht, so wird das Statin höher dosiert oder es kommt noch ein weiteres Medikament dazu, das die Blutfette senkt.

Egal wie der Arzt bei Ihnen vorgeht, eine Behandlung mit Medikamenten wirkt besser, wenn Sie gleichzeitig Ihren Lebensstil umstellen, zum Beispiel die Ernährung.

Die ärztliche Leitlinie nennt folgende Statine, die sich in Langzeitstudien als wirksam erwiesen haben: Simvastatin, Pravastatin, Atorvastatin, Lovastatin, Rosuvastatin, Fluvastatin. In Deutschland kommt Simvastatin am häufigsten zum Einsatz.

Wie bei allen Mitteln ist es wichtig, dass Sie die Tabletten dauerhaft und wie von der Ärztin verordnet einnehmen. Sonst können sie nicht richtig wirken.

Welche Nebenwirkungen haben Statine?

Typische Nebenwirkungen sind Muskelschmerzen (ähnlich wie Muskelkater) und Magen-Darm-Beschwerden.

Eine sehr seltene, aber bedrohliche Nebenwirkung ist der Muskelzerfall (Rhabdomyolyse). Die Leitlinie macht besonders auf das Risiko bei Simvastatin in hoher Dosierung aufmerksam. Ebenso spielen die Nieren- und Schilddrüsenfunktion, Lebererkrankungen, Alkoholkonsum, Alter und andere gleichzeitig verordnete Medikamente eine Rolle. Daher wird Ihr Blut öfter kontrolliert werden, wenn Sie Statine einnehmen. Hinweise auf einen Muskelzerfall können sein:

  • der Urin verfärbt sich dunkel;
  • Muskelkrämpfe oder Muskelschwäche;
  • Muskelschmerzen, die länger als 2 Tage bestehen und nicht durch Sport zu erklären sind.

Wenn Sie diese Anzeichen haben, gehen Sie am besten sofort zum Arzt.

Was tun, wenn Statine nicht vertragen werden?

Die Leitlinie empfiehlt:

Wenn ein Statin aufgrund von Nebenwirkungen nicht vertragen wird, sollte die Dosis gesenkt oder ein anderes Statin versucht werden.

Wenn Sie Statine gar nicht vertragen, so kann ein anderes Medikament, das die Blutfette senkt, zum Einsatz kommen, zum Beispiel "Cholesterin-Resorptions-Hemmer", "Fibrate", "Gallensäure bindende Mittel (Ionen-Austauscher)" (siehe Wörterbuch).

Allerdings ist die Studienlage laut Leitlinie nicht für alle Ersatz-Arzneimittel eindeutig. Für manche Mittel wurden keine oder nur weniger verlässliche Studien gefunden. Es gibt unterschiedliche, zum Teil widersprüchliche Aussagen dazu, ob und inwiefern diese Behandlung Menschen mit KHK nützt.

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Beta-Blocker

Was sind Beta-Blocker?

Das sind Medikamente, die den Blutdruck senken und den Herzschlag langsamer machen.

Beta-Blocker ist ein Sammelbegriff für mehrere ähnlich wirkende Arzneistoffe, die im Körper an sogenannten Beta-Rezeptoren wirken. Deshalb werden sie auch als Beta-Rezeptoren-Blocker bezeichnet.

Wie wirken Beta-Blocker?

Beta-Blocker hemmen die Wirkung von Stresshormonen. Diese Stresshormone heißen Noradrenalin und Adrenalin. Wenn Betablocker die Rezeptoren besetzen, verhindern sie, dass sich die körpereigenen Stresshormone Noradrenalin und Adrenalin daran binden. Damit senken sie den Blutdruck und den Sauerstoffbedarf des Herzens. Das Herz wird entlastet.

Für wen sind Beta-Blocker empfehlenswert?

Die Leitlinie empfiehlt:

  • Menschen mit KHK, die einen Herzinfarkt hatten, sollen einen Beta-Blocker erhalten, um das Risiko für weitere Folgekrankheiten und Tod durch Gefäßerkrankungen zu verringern.
  • Menschen mit KHK, die zudem eine Herzschwäche haben, sollen ebenfalls lebenslang einen Beta-Blocker erhalten, um die Lebenszeit zu verlängern.
  • Beta-Blocker sollen als Mittel der ersten Wahl zum Einsatz kommen, um die Anzahl der Angina-pectoris-Anfälle zu senken und die körperliche Belastbarkeit zu erhöhen.
  • Menschen mit KHK, die Bluthochdruck haben, sollten als erstes blutdrucksenkendes Medikament einen Beta-Blocker erhalten, um Beschwerden und Folgekrankheiten der KHK vorzubeugen.

Beta-Blocker senken bei Menschen mit KHK und Bluthochdruck nachweislich das Risiko für ernsthafte Folgeerkrankungen und Tod durch Gefäßerkrankungen. Laut einer aussagekräftigen Untersuchung vieler Studien können Betablocker vor allem 1 bis 2 Jahre nach einem Herzinfarkt diese Folgen häufiger verhindern als andere blutdrucksenkende Mittel. Eine hochwertige Studie kommt zu dem Schluss, dass von 100 Menschen, die nach einem Herzinfarkt mit einem Beta-Blocker behandelt werden, jährlich etwa einer vor dem Herztod bewahrt wird. Nach einem Herzinfarkt kommen sie daher unabhängig vom Blutdruck zum Einsatz. Verlässliche Studien zeigen auch, dass sich Beta-Blocker bei Menschen mit KHK und Herzschwäche positiv auf das Überleben auswirken. So starben statt 13 von 100 Betroffenen, nur 8 von 100. Demnach konnten 5 von 100 Menschen vor dem Tod bewahrt werden. Beispielhaft nennt die Leitlinie hier diese Wirkstoffe: Metoprolol-Succinat, Bisoprolol und Carvedilol. Zudem ist belegt, dass Beta-Blocker die Beschwerden der KHK wie Brustenge oder Brustschmerzen lindern und die körperliche Belastbarkeit erhöhen können.

Wissenschaftliche Untersuchungen, die die verschiedenen Wirkstoffe miteinander vergleichen, haben die Experten nicht gefunden. Insgesamt sind Wirkstoffe, die bereits gut in Studien untersucht sind, zu bevorzugen. Die Dosierungen sind von Wirkstoff zu Wirkstoff sehr unterschiedlich. Sie können als Tablette eingenommen, aber auch in die Venen gespritzt werden. Es kann für Menschen nach einem Herzinfarkt von Vorteil sein, wenn die Ärztin den Beta-Blocker so dosiert, dass das Herz in Ruhe langsamer schlägt als 70-mal pro Minute. Studien deuten darauf hin, dass diese Patientengruppe seltener ins Krankenhaus muss und seltener Eingriffe an den Herzkranzgefäßen nötig sind.

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Gibt es etwas Besonderes zu beachten?

Beta-Blocker senken laut Datenlage die Sterblichkeit bei Männern und Frauen gleichermaßen. Aber Frauen bauen bestimmte Beta-Blocker langsamer ab als Männer. Das heißt, sie haben mitunter deutlich höhere Mengen im Blut, wodurch der Blutdruck stärker sinken kann. Gleichzeitig können bei Frauen häufiger schwerwiegende Nebenwirkungen auftreten.

Welche Nebenwirkungen haben Beta-Blocker?

Unter Beta-Blockern kann der Herzschlag zu sehr verlangsamt werden. Gelegentlich wird der Blutdruck zu stark gesenkt, so dass es zu Schwindel kommt. Oder einem wird schwarz vor Augen. Außerdem kann es gelegentlich zu Gefäßverengungen kommen. Das macht sich durch kalte oder kribbelnde Hände und Füße oder durch Kopfschmerzen bemerkbar.

Selten können Erektionsstörungen oder ein Nachlassen des sexuellen Verlangens hervorgerufen werden. Auch Mundtrockenheit und verminderter Tränenfluss mit Bindehautentzündung des Auges sind seltene Nebenwirkungen.

Beta-Blocker können zudem eine Verengung der Atemwege als Folge haben. Darauf müssen Personen, die Asthma oder eine obstruktive Lungenerkrankung haben, besonders achten. Außerdem können Beta-Blocker die Anzeichen einer Unterzuckerung wie Heißhunger und Schwitzen verschleiern. Besonders Menschen mit Diabetes sollten dies wissen.

Wenn der Wunsch entsteht, das Medikament in veränderter Menge oder nicht weiter zu nehmen, besprechen Sie dies mit Ihrem Arzt. Sie sollten Beta-Blocker nicht einfach plötzlich weglassen, weil dann Blutdruck und Herzschlag schlagartig und unkontrolliert ansteigen können.

Was tun, wenn Sie Beta-Blocker nicht vertragen?

Zur Senkung des Blutdrucks und zur Verbesserung des Überlebens:

Wenn Sie Beta-Blocker nicht vertragen, sind ACE-Hemmer eine andere Möglichkeit. Für Menschen mit KHK und Herzschwäche haben ACE-Hemmer einen besonderen Stellenwert (siehe Kapitel "ACE-Hemmer").

Zum langfristigen Lindern von Beschwerden:

Die Leitlinie empfiehlt:
  • Kommen Beta-Blocker nicht in Frage, so können langwirksame Kalziumkanal-Blocker eingesetzt werden, um die Beschwerden zu behandeln.
  • Wenn Sie Beta-Blocker nicht vertragen oder sich die Beschwerden nicht ausreichend lindern, kann das Medikament Ivabradin versucht werden.
  • Des Weiteren kann das Medikament Ranolazin eingesetzt werden, wenn Beta-Blocker nicht vertragen werden.
  • Ranolazin kann gemeinsam mit einem Beta-Blocker verabreicht werden, wenn der Beta-Blocker allein die Beschwerden nicht ausreichend lindert.

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Kalziumkanal-Blocker regulieren die Weite der Blutgefäße. Dadurch sinkt der Blutdruck und die Pumpleistung des Herzens verringert sich. Das Herz wird entlastet. Eine hochwertige Untersuchung zeigt, dass Kalziumkanal-Blocker Angina-pectoris-Anfälle senken können. Im Gegensatz zu Beta-Blockern ist für sie jedoch nicht nachgewiesen, dass sie Folgekrankheiten verhindern und das Überleben verbessern. Außerdem dürfen bestimmte Kalziumkanal-Blocker bis zu 4 Wochen nach einem Herzinfarkt und bei instabiler Angina pectoris keinesfalls eingenommen werden. Um dem niedrigeren Blutdruck entgegenzuwirken, kommt es bei diesen Mitteln oft zu einer reflektorischen Erhöhung des Herzschlags. Das belastet das Herz dann zu sehr. Auch bei Herzschwäche sind sie nicht geeignet, da es Hinweise gibt, dass sie möglicherweise die Sterblichkeit erhöhen. Andere Kalziumkanal-Blocker sollen nicht mit Beta-Blockern kombiniert werden, sonst könnte sich der Herzschlag zu stark verlangsamen. Sie gelten daher als Medikamente der zweiten Wahl.

Typische Nebenwirkungen von Kalziumkanal-Blockern: Kopfschmerzen, Hitzewallungen oder aufsteigendes Wärmegefühl, Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit oder Verstopfung, Müdigkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen.

Die beiden Ersatz-Medikamente Ivabradin und Ranolazin entlasten den Herzmuskel auf unterschiedliche Weise. Studien konnten für beide Wirkstoffe belegen, dass sie Beschwerden lindern, also zum Beispiel die Belastbarkeit steigern und Angina-pectoris-Anfälle senken. Aussagekräftige Studien haben aber gezeigt, dass sie Folgeerkrankungen der KHK wie Herzinfarkt und Herztod nicht verhindern können.

Die Nebenwirkungen dieser beiden Wirkstoffe finden Sie im Wörterbuch: "Ivabradin" oder "Ranolazin".

ACE-Hemmer

Was sind ACE-Hemmer?

Diese Medikamente senken den Blutdruck und verbessern die Pumpleistung des Herzens.

Wie wirken ACE-Hemmer?

Sie hemmen ein bestimmtes Eiweiß (Enzym). Das Enzym trägt die englische Bezeichnung "Angiotensin Converting Enzyme" und wird ACE abgekürzt. ACE bewirkt über mehrere Zwischenschritte im Körper zwei Dinge:

  • Die Blutgefäße ziehen sich zusammen und werden dadurch enger.
  • Mehr Kochsalz und Wasser verbleiben im Blut, wodurch die Blutmenge steigt.

Beides führt dazu, dass das Herz stärker schlagen muss, um das Blut in den Körper zu pumpen. Wird ACE gehemmt, bleiben die Gefäße weiter und es werden mehr Wasser und Kochsalz ausgeschieden. Der Blutdruck sinkt, und das Herz wird entlastet und kann besser pumpen.

Für wen sind ACE-Hemmer empfehlenswert?

Die Leitlinie empfiehlt:

Alle Menschen mit KHK, bei denen die linke Herzkammer unzureichend Blut pumpt, sollen einen ACE-Hemmer erhalten, um das Risiko für weitere Folgekrankheiten und Tod durch Gefäßerkrankungen zu verringern.

Menschen mit KHK und Bluthochdruck sollten zusätzlich zum Beta-Blocker einen ACE-Hemmer erhalten, um den Blutdruck zu senken und das Risiko für weitere Folgekrankheiten und Tod durch Gefäßerkrankungen zu verringern.

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In vielen hochwertigen Studien wurde belegt, dass ACE-Hemmer bei Bluthochdruck, eingeschränkter Pumpfunktion des linken Herzens, Herzschwäche und nach einem Herzinfarkt das Risiko für weitere Folgekrankheiten und Tod durch Gefäßerkrankungen vermindern können. In einer aussagekräftigen Untersuchung kam es innerhalb von 4 Jahren bei 8 von 100 Menschen mit einem ACE-Hemmer statt bei 10 von 100 Menschen mit einem Scheinmedikament (Placebo) zum Herzinfarkt, Herzstillstand oder Tod.

Wenn das Herz nicht ausreichend pumpt oder bereits eine Herzschwäche besteht, so sind ACE-Hemmer Mittel der Wahl für Personen mit KHK. Ergänzend werden noch Beta-Blocker empfohlen.

Die Expertengruppe geht davon aus, dass ACE-Hemmer Personen mit KHK und normalem Blutdruck sowie ungestörter Pumpleistung des Herzens (also keine Herzschwäche) keinen Vorteil bringen. Diese Personengruppe benötigt daher nach Expertenmeinung keine ACE-Hemmer.

Gibt es etwas Besonderes zu beachten?

Die Dosis des ACE-Hemmers wird allmählich gesteigert, bis die gewünschte Dosis erreicht ist. Bis dahin können Wochen, manchmal auch Monate vergehen. Haben Sie in der Zeit Geduld und besprechen Sie diese Situation mit Ihrer Ärztin.

Bei ACE-Hemmern müssen wiederholt Blutuntersuchungen zur Kontrolle von Nierenfunktion und Kalium durchgeführt werden.

Welche Nebenwirkungen haben ACE-Hemmer?

Eine typische Nebenwirkung ist trockener Husten, der auch Reizhusten genannt wird. Er tritt bei Frauen häufiger auf als bei Männern.

Weitere Nebenwirkungen sind auch Kopfschmerzen, Schwäche- und Schwindelgefühl sowie Übelkeit und Durchfall. Der Geschmackssinn kann nachlassen. In diesen Situationen kann es hilfreich sein, das Medikament nicht abzusetzen, sondern entsprechend eines ärztlichen Rates die Menge zu verringern, bis sie verträglicher wird. Es gilt der Grundsatz: "Wenig ACE-Hemmer ist besser als kein ACE-Hemmer".

Gründe, die gegen die Einnahme von ACE-Hemmern sprechen, sind zum Beispiel Schwangerschaft und verengte Blutgefäße der Niere oder eine fortgeschrittene Nierenschwäche.

Was tun, wenn Sie ACE-Hemmer nicht vertragen?

Die Leitlinie empfiehlt:
Alle Menschen mit KHK, bei denen die linke Herzkammer unzureichend Blut pumpt und die einen ACE-Hemmer nicht vertragen, sollen einen Angiotensin-I-Blocker erhalten.

Angiotensin-I-Blocker – die sogenannten Sartane – sind Medikamente, die ähnlich wirken wie ACE-Hemmer. Allerdings lösen sie weniger unerwünschte Nebenwirkungen aus. Der Nutzen von folgenden Angiotensin-I-Blockern ist für KHK-Patienten mit Herzschwäche belegt: Valsartan, Candesartan und Losartan. Da die Wirksamkeitsbelege aber für die ACE-Hemmer besser sind, kommen die Sartane nur zum Einsatz, wenn ACE-Hemmer nicht vertragen werden.

Die Nebenwirkungen der Sartane ähneln denen der ACE-Hemmer, aber es kommt weniger oft zu dem lästigen Reizhusten: statt bis zu 20 von 100 Behandelten ist hier nur etwa 1 von 100 Behandelten betroffen.

Es gibt noch andere Arzneimittel für Patientinnen mit KHK und Bluthochdruck. Die Expertengruppe empfiehlt sie jedoch nur in Ausnahmefällen, da laut Leitlinie die Belege nicht ausreichen, dass sie Folgekrankheiten verhindern und die Sterblichkeit senken können.

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Nitrate

Was sind Nitrate?

Das sind Medikamente, die die Blutgefäße erweitern und dadurch die Blutversorgung des Herzens verbessern. Als sogenanntes "Nitro-Spray" oder als "Nitro-Kapsel" kommen sie bei einem Angina-pectoris-Anfall zur Anwendung und können so das Engegefühl und Schmerzen in der Brust lindern.

Wie wirken Nitrate?

Nitrate erweitern die Herzkranzgefäße und versorgen so das Herz mit mehr Sauerstoff. Gleichzeitig haben sie eine entspannende Wirkung auf die Muskelfasern in den Venen, die das Blut zum Herzen zurück befördern. Das Blut fließt langsamer zum Herzen zurück. Das Herz muss dadurch weniger pumpen, verbraucht weniger Sauerstoff und wird auf diese Weise entlastet.

Wann sind Nitrate empfehlenswert?

Die Leitlinie empfiehlt:

Menschen mit stabiler Angina pectoris sollen immer ein schnell wirksames Nitrat bei sich haben, um einen Anfall unterbrechen zu können.

Nitrate sollten nur zum Einsatz kommen, um Beschwerden zu lindern.

Einige vergleichende Studien liefern Hinweise, dass Nitrate die Beschwerden bei KHK lindern und weniger Angina-pectoris-Anfälle auftreten. Schnell wirksame Nitrate sind Mittel der ersten Wahl bei einem akuten Anfall. Sie kommen meist als Spray, Tropfen oder Zerbeißkapsel zum Einsatz. Zum Beispiel lösen sich Glyceroltrinitrat und Isosorbiddinitrat schnell unter der Zunge auf.

Es konnten keine Belege dafür gefunden werden, dass Nitrate Herzinfarkte verhindern oder das Leben verlängern, deshalb werden sie nur bei auftretenden Beschwerden empfohlen.

Vorsicht: Die Wechselwirkung mit Potenzmitteln, zum Beispiel: Sildenafil (Viagra®), Vardenafil oder Tadalafil, kann zu einem lebensbedrohlichem Blutdruckabfall führen.

Welche Nebenwirkungen haben Nitrate?

Kopfschmerzen sind eine typische Nebenwirkung, vor allem zu Beginn der Behandlung.

Es kommt vor, dass der Blutdruck so stark absinkt, dass einem schwindlig oder schwarz vor Augen wird. Besonders wenn man schnell aufsteht. Sollte durch das starke Absinken des Blutdrucks ein neuer Angina-pectoris-Anfall hervorgerufen werden, informieren Sie bitte Ihren Arzt, damit er die Dosis entsprechend anpassen kann.

Wenn Sie dauerhaft Nitrate einnehmen, lässt die Wirkung mit der Zeit nach. Daher sollte zwischen den einzelnen Einnahmen stets eine Pause von 8 bis 12 Stunden liegen. Bei einem akuten Anfall bleiben die schnell wirkenden Nitrate in der Regel aber wirksam.

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Medikamente mit fehlendem Wirksamkeitsnachweis

Die Leitlinie empfiehlt:

Weibliche Geschlechtshormone (Hormon-Therapie) sollen nicht zum Einsatz kommen, um einer KHK vorzubeugen.

Chelat-Therapie (siehe Wörterbuch: "Chelat-Therapie"), Pflanzenheilkunde (Phytotherapie) und Vitaminzusätze sollen nicht angewendet werden, um eine KHK zu behandeln.

Eine große aussagekräftige Studie konnte keinen Beleg dafür erbringen, dass die Hormon-Therapie vor KHK und akutem Koronarsyndrom schützen kann. Die Studie wurde wegen erheblicher Nebenwirkungen abgebrochen. Um Herz und Gefäße vor Schäden zu schützen, wird eine gesunde Lebensweise empfohlen (siehe Kapitel "Verhaltensänderungen: Was ist eine gesunde Lebensweise?").

Für die Chelat-Therapie, pflanzenheilkundliche Mittel und Vitaminzusätze konnte in aussagekräftigen Studien nicht nachgewiesen werden, dass sie Beschwerden der KHK lindern können oder die Prognose verbessern.

Für folgende Maßnahmen fehlen bisher wissenschaftliche Erkenntnisse, um beurteilen zu können, ob sie Beschwerden der KHK lindern oder Folgeerkrankungen verhindern können:

  • Homöopathie;
  • Sauerstofftherapie.

Hinweis:

Seien Sie skeptisch, wenn "Wundermittel", "Allheilmittel" oder besonders teure Medikamente oder Behandlungsmethoden angepriesen werden!

Lassen Sie sich vor allem nicht dazu bewegen, die von Ihrer Ärztin empfohlene Behandlung einfach selbst abzusetzen. Grundsätzlich ist wichtig, dass Sie alle Verfahren, die Sie selbst oder auf Anraten anderer anwenden oder anwenden möchten, mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen – auch auf die "Gefahr" hin, dass er davon abrät.

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Übersicht: Medikamente bei stabiler KHK

Abbildung 4: Medikamente bei stabiler KHK


Abbildung 4-1: Medikamente bei stabiler KHK

Abbildung 4-2: Medikamente bei stabiler KHK

6.2.3 Stents einsetzen oder erst mal abwarten?

Stents sind dünne Röhrchen aus Drahtgeflecht, die verengte Stellen im Blutgefäß offen halten und so für bessere Durchblutung sorgen. Eine dünne Sonde (Katheter) wird über eine Arterie von der Leiste oder vom Arm aus durch die Hauptschlagader bis zur verengten Stelle der Herzkranzarterie vorgeschoben (siehe auch Kapitel "Wie läuft eine Herzkatheter-Untersuchung ab?"). An seiner Spitze sitzen ein kleiner Ballon und der Stent. Die Engstelle wird mit einem kleinen Ballon geweitet (Ballondilatation) und der Stent eingesetzt. Das Blut kann wieder besser durch das Gefäß fließen.

Abbildung 5: Einsetzen eines Stents


Abbildung 6: Plaque mit und ohne Stent

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In Notfällen, etwa bei einem Herzinfarkt, sind Stents die Behandlung der Wahl.

Stents können aber wie Medikamente auch die Beschwerden einer stabilen KHK lindern. Aussagekräftige Studien haben gezeigt, dass Stents in dieser Situation im Vergleich zur alleinigen Behandlung mit Medikamenten das Risiko für Herzinfarkte nicht senken und die Lebenserwartung nicht erhöhen können.

Nach Meinung der Expertengruppe sollen Sie vor der geplanten Untersuchung mittels folgender Entscheidungshilfe beraten werden: "Katheter-Untersuchung bei koronarer Herzkrankheit: Stents einsetzen oder erst mal abwarten?" Siehe "Anhang" oder www.patienten-information.de/mdb/downloads/nvl/khk/khk-4aufl-vers1-eh2.pdf.

Ziel ist, dass Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin entscheiden, ob Stents eingesetzt werden sollen, oder zunächst ausschließlich mit Medikamenten behandelt werden soll.

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Informationen hierzu zusammen:

Tabelle 4: Vergleich Medikamente/Medikamente und Stents

 

Medikamente

Medikamente und Stents

Wie läuft die Behandlung ab?

Sie nehmen nach der Untersuchung regelmäßig mehrere Tabletten ein. In der ersten Zeit kontrolliert der Arzt/die Ärztin, ob die Behandlung anschlägt und passt sie, wenn nötig, an.

Während der Untersuchung wird das verengte Gefäß mit einem Ballon geweitet und ein Röhrchen aus Drahtgeflecht (Stent) eingesetzt. Nach dem Einsetzen von Stents nehmen Sie dauerhaft Medikamente ein.

Welche Komplikationen können auftreten?

Die Medikamente und die Katheter-Untersuchung können zu Nebenwirkungen/
Komplikationen führen.

Die Medikamente und die Katheter-Untersuchung können zu Nebenwirkungen/Komplikationen führen. Der eingesetzte Stent verursacht meist keine zusätzlichen Komplikationen.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass Beschwerden gelindert werden?

Bei etwa 70 von 100 Behandelten lindern Medikamente die Beschwerden dauerhaft. Etwa 30 von 100 entschließen sich zu einem weiteren Eingriff (Stent oder Bypass-Operation), weil die Beschwerden nicht nachlassen.

Bei etwa 80 von 100 Behandelten lindern Stents und Medikamente die Beschwerden dauerhaft. Bei etwa 20 von 100 wird ein erneuter Eingriff notwendig (Stent oder Bypass-Operation), weil Stents sich zugesetzt haben oder neue Verengungen entstanden sind.

Senkt die Behandlung das Risiko für einen Herzinfarkt?

Bei beiden Behandlungen kommt es etwa gleich häufig zu Herzinfarkten.

Verlängert die Behandlung mein Leben?

Bei beiden Behandlungen ist die Lebenserwartung etwa gleich.

Schränkt mich die Behandlung in meinem Alltag ein?

Für eine optimale Behandlung müssen Sie regelmäßig Ihre Medikamente einnehmen und Kontrollbesuche beim Arzt/bei der Ärztin wahrnehmen.

Für eine optimale Behandlung müssen Sie regelmäßig Ihre Medikamente einnehmen und Kontrollbesuche beim Arzt/bei der Ärztin wahrnehmen.

Und wenn die Beschwerden trotz Medikamenten bleiben?

Haben Sie sich zunächst nur für die Medikamente entschieden, so kann es vorkommen, dass Ihre Beschwerden anhalten. Es gibt dann immer noch die Möglichkeit, sich Stents einsetzen zu lassen. Die Medikamente nehmen Sie weiterhin zusätzlich ein. Bei etwa 80 von 100 Behandelten lindern Stents und Medikamente die Beschwerden dauerhaft.

Mehrere aussagekräftige Studien haben untersucht, ob Medikamente und zusätzliche Stents die Krankheitszeichen gegenüber der alleinigen Gabe von Medikamenten verbessern. In drei großen Untersuchungen wurde dies nachgewiesen, in drei anderen war das nicht der Fall.

Die Leitlinie empfiehlt:
Ihr Behandlungsteam soll Ihnen eine Herzkatheter-Untersuchung mit Einsetzen von Stents dann anbieten, wenn Ihre Beschwerden trotz zuverlässiger Behandlung mit Medikamenten weiter anhalten und Ihre Gefäße dafür geeignet sind.

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6.2.4 Bypass-Operation

Während einer Operation am Herzen werden verengte Blutgefäße überbrückt. "Bypass" ist englisch und bedeutet: Umgehung. Nach Eröffnung des Brustbeins werden durch eine Operation am offenen Herzen verengte Blutgefäße überbrückt. Dazu wird körpereigenes Gewebe verwendet. Meist kommt dabei eine Herz-Lungen-Maschine zum Einsatz. Auch nach der Operation nehmen Sie dauerhaft Medikamente ein.

Eine wichtige Voraussetzung für die Operation ist eine Herzkatheter-Untersuchung.

Entscheidung für einen Eingriff: Stent oder Bypass?

Ob für Sie nun Stents oder eine Bypass-Operation besser geeignet sind, hängt vor allem von Ihren Begleiterkrankungen, aber auch von Ihren Wünschen sowie von Lage und Ausmaß Ihrer Gefäß-Verengungen ab.

Die das Herz versorgenden Herzkranzarterien sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich angeordnet und verzweigt. Bei umfangreichen Gefäßschäden und komplizierter Lage sollen sich nach Meinung der Expertengruppe mehrere Spezialisten zusammensetzen und gemeinsam eine Behandlungsempfehlung erarbeiten. Dieses Herzteam besteht aus Kardiologinnen, Herzchirurgen und gegebenenfalls Ärztinnen aus anderen Fachrichtungen.

Sind bei Ihnen mehrere Herzkranzarterien und/oder der Hauptstamm der linken Herzkranzarterie (sogenannte Hauptstammstenose) verengt und Sie haben sich entschieden, einen Eingriff vornehmen zu lassen? Dann sollen Sie nach Meinung der Expertengruppe vor dem anstehendem Eingriff mittels folgender Entscheidungshilfe beraten werden: "Verengte Herzkranzgefäße: Stent oder Bypass?" Siehe "Anhang" oder www.patienten-information.de/mdb/downloads/nvl/khk/khk-4aufl-vers1-eh3.pdf.

Die Leitlinie empfiehlt:
  • Ist bei Ihnen der Hauptast der linken Koronararterie verengt (Eingefäß-Erkrankung), so soll Ihnen ein Herzkatheter mit Stent oder eine Bypass-Operation empfohlen werden.
  • Sind bei Ihnen mehrere koronare Hauptgefäße verengt (Mehrgefäß-Erkrankung), so soll Ihnen ein Herzkatheter mit Stent oder eine Bypass-Operation angeboten werden. Je stärker die KHK ausgeprägt ist, desto eher sollte die Bypass-Operation bevorzugt angeboten werden.
  • Haben Sie zusätzlich zu mehreren verengten Herzkranzgefäßen eine Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), so soll Ihnen eine Bypass-Operation angeboten werden.
  • Sind bei Ihnen sowohl der Hauptstamm der linken Herzkranzarterie (Hauptstammstenose) als auch mehrere weitere Herzkranzgefäße (Mehrgefäß-Erkrankung) verengt, so soll Ihnen eine Bypass-Operation angeboten werden.

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Sowohl Stents als auch eine Bypass-Operation bessern schnell Beschwerden und Lebensqualität, können aber mit Nebenwirkungen verbunden sein, wie Gefäßverletzungen, Blutverlust und Narkoserisiko.

Aussagekräftige Studien haben beide Verfahren miteinander verglichen: Sie haben gezeigt, dass die Operation die Beschwerden anhaltender lindert als Stents, das heißt: es wird nach einer Operation seltener ein erneuter Eingriff notwendig.

Eine Gesamtauswertung aller Studien hat gezeigt, dass die Bypass-Operation auch die Lebenserwartung verbessern kann: 4 Jahre nach dem Eingriff waren 7 von 100 operierten Patienten gestorben, im Vergleich zu 10 Patienten, die Stents erhalten hatten. Das heißt: Etwa 3 von 100 lebten dank der Operation länger.

Auch für Menschen mit Mehrgefäß-Erkrankung und zusätzlichem Diabetes zeigte sich die Bypass-Operation in aussagekräftigen Studien vorteilhaft gegenüber Stents: 6 statt 14 von 100 Menschen erlitten einen Herzinfarkt und 11 statt 16 von 100 Menschen starben.

Bei bestimmten Voraussetzungen brachte eine Bypass-Operation keinen Überlebensvorteil: zum Beispiel, wenn nur ein Gefäß verengt war.

Eine Operation ist aber auch mit Risiken verbunden. Schlaganfälle traten innerhalb von 4 Jahren nach dem Eingriff häufiger auf: bei etwa 3 von 100 Operierten im Vergleich zu etwa 2 von 100 Patienten, die Stents erhielten. Das heißt: Einer von 100 erlitt durch die Operation einen Schlaganfall. Es braucht länger, bis man sich von dem Eingriff erholt hat.

Die folgende Tabelle unterstützt Sie dabei, gemeinsam mit Ihrem Behandlungsteam zu entscheiden, ob die Blutgefäße mit der Hilfe von Stents offengehalten oder in einer Operation "überbrückt" (Bypass) werden sollen:

Tabelle 5: Vergleich Einsetzen von Stents/Bypass-Operation

 

Einsetzen von Stents

Bypass-Operation

Wie läuft die Behandlung ab?

Eine dünne Sonde (Katheter) wird über einen Einstich in der Leiste oder am Handgelenk ins Herz geführt. Das verengte Gefäß wird mit einem Ballon geweitet und ein Röhrchen aus Drahtgeflecht, der Stent, wird eingesetzt. Nach dem Einsetzen der Stents nehmen Sie dauerhaft Medikamente ein.

Nach Eröffnung des Brustbeins werden durch eine Operation am offenen Herzen verengte Blutgefäße überbrückt. Dazu wird körpereigenes Gewebe verwendet. Meist kommt dabei eine Herz-Lungen-Maschine zum Einsatz. Nach der Operation nehmen Sie dauerhaft Medikamente ein.

Wie lange brauche ich, um mich von der Behandlung zu erholen?

Nach dem Eingriff werden Sie meist über Nacht überwacht. Die meisten können wenige Tage nach dem Eingriff ihren Alltag wieder aufnehmen.

Bis zur vollständigen Heilung vergehen mehrere Wochen.

Welche Komplikationen können auftreten?

Während der Katheter-Untersuchung kommt es bei etwa 5 von 100 Untersuchten zu leichten Komplikationen wie Blutungen. Bei etwa 1 von 100 können schwere Komplikationen auftreten.

1 von 100 Operierten erleidet durch die Operation einen Schlaganfall. Es kann zu Blutungen, Infektionen, Schmerzen und Problemen bei der Wundheilung kommen. Manche dieser Nebenwirkungen können schwerwiegend sein. Etwa 97 von 100 Operierten haben den Eingriff nach 30 Tagen überlebt.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass Beschwerden gelindert werden?

Bei etwa 80 von 100 Behandelten lindern Stents die Beschwerden dauerhaft. Bei etwa 20 von 100 wird innerhalb von 4 Jahren ein erneuter Eingriff notwendig (Stent oder Bypass-Operation), weil Stents sich zugesetzt haben oder neue Verengungen entstanden sind.

Bei etwa 94 von 100 Behandelten lindert eine Bypass-Operation die Beschwerden dauerhaft. Bei etwa 6 von 100 wird innerhalb von 4 Jahren ein erneuter Eingriff notwendig, weil neue Verengungen entstanden sind.

Senkt die Behandlung das Risiko für einen Herzinfarkt?

Nein. Etwa 9 von 100 Behandelten haben innerhalb von 4 Jahren einen Herzinfarkt als Folge der Grunderkrankung.

Manchmal. Etwa 5 von 100 Operierten haben innerhalb von 4 Jahren einen Herzinfarkt. Das heißt: 4 von 100 wurden durch den Eingriff vor einem Herzinfarkt bewahrt.

 

Erklärung: 91 von 100 Menschen mit KHK bekommen innerhalb von 4 Jahren – bei regelmäßiger Einnahme ihrer Medikamente – keinen Herzinfarkt. Etwa 9 von 100 Menschen bekommen trotzdem einen Herzinfarkt.

Wird zusätzlich ein Stent eingesetzt, haben ebenfalls etwa 9 von 100 einen Herzinfarkt. Nach einer Bypass-Operation haben 5 von 100 einen Herzinfarkt. Demnach werden 4 von 100 Menschen durch die Operation vor einem Herzinfarkt bewahrt.

Verlängert die Behandlung das Leben?

Nein. Etwa 10 von 100 Behandelten sterben in den ersten 4 Jahren nach dem Eingriff als Folge der Grunderkrankung.

Manchmal. Etwa 7 von 100 Operierten sterben in den ersten 4 Jahren nach der Operation. Das heißt: 3 von 100 wurden durch die Operation vor dem Tod bewahrt. Unter bestimmten Voraussetzungen bringt sie keine Vorteile, etwa wenn nur ein Blutgefäß betroffen ist.

 

Erklärung: 10 von 100 Menschen mit KHK, die regelmäßig ihre Medikamente einnehmen, sterben innerhalb von 4 Jahren an ihrer Erkrankung.

Wird zusätzlich ein Stent eingesetzt, sterben innerhalb von 4 Jahren ebenfalls etwa 10 von 100 Menschen an der KHK. Nach einer Bypass-Operation sterben in 4 Jahren etwa 7 von 100 an der KHK. Demnach werden 3 von 100 Menschen durch die Operation vor dem Tod bewahrt.

Schränkt mich die Behandlung im Alltag ein?

Für eine optimale Behandlung müssen Sie regelmäßig Ihre Medikamente einnehmen und Kontrollbesuche beim Arzt/bei der Ärztin wahrnehmen.

Nach erfolgreicher Rehabilitation müssen Sie für eine optimale Behandlung regelmäßig Ihre Medikamente einnehmen und Kontrollbesuche beim Arzt/bei der Ärztin wahrnehmen.

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6.2.5 Übersicht: Behandlungsmöglichkeiten bei stabiler KHK

Tabelle 6: Behandlungsmöglichkeiten bei stabiler KHK

 

Medikamente allein

Medikamente + Stents

Medikamente + Bypass

Linderung von Beschwerden?

Ja

Ja

Ja

Kann die Behandlung das Leben verlängern?

Ja, im Vergleich zu einer Behandlung ohne Medikamente

Nein, im Vergleich zur alleinigen Behandlung mit Medikamenten

Manchmal, im Vergleich zu Stents oder Medikamenten allein: 3 von 100 Operierten lebten dank der Operation länger.

Nebenwirkungen/Komplikationen?

Nebenwirkungen der Medikamente

Nebenwirkungen der Medikamente, leichte Blutungen: bei etwa 5 von 100 Behandelten, schwere Komplikationen: bei weniger als 1 von 100 Behandelten

Nebenwirkungen der Medikamente, Schlaganfälle: etwa 1 von 100 Operierten erleidet durch die Operation einen Schlaganfall; Infektion, Blutungen, Wundheilungsstörung, Narkoserisiko

(erneuter) Eingriff notwendig?

Bei etwa 30 von 100 Patienten (Stents oder Bypass) innerhalb von 3 Jahren

Bei etwa 20 von 100 Patienten nach 4 Jahren (Stents oder Bypass)

Bei etwa 6 von 100 Operierten nach 4 Jahren (Stents oder Bypass)

Herzkatheter-Untersuchung notwendig?

Nein

Ja

Ja

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    zuletzt verändert: 10.03.2017 12:19