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4 Schäden der Netzhaut

2. Auflage, 2016. Version 2 – Druckversionpdf.png | Kapitelübersicht | weitere Informationen

Durch einen dauerhaft zu hohen Blutzucker können Schäden an der Netzhaut entstehen. Dabei unterscheidet man zwei Arten: 

  • Schäden an den Blutgefäßen der Netzhaut, auch "diabetische Retinopathie" genannt; 
  • und eine krankhafte Einlagerung von Flüssigkeit in der Makula, in der Fachsprache "Makulopathie". 

Werden diese Veränderungen an den Augen sehr spät erkannt oder behandelt, können sie zu Einschränkungen des Sehvermögens führen, sehr selten auch zur Erblindung. 

Auch bei einem gut eingestellten Diabetes können Folgeschäden auftreten. Das hängt mit der Vorgeschichte der Erkrankung, der Diabetesdauer und anderen persönlichen Risikofaktoren zusammen, wie etwa einem erhöhten Blutdruck. Deshalb empfehlen die Experten der Leitlinie für alle Menschen mit Diabetes eine regelmäßige Kontrolluntersuchung der Augen. 

4.1 Diabetische Retinopathie 

Durch einen dauerhaft zu hohen Blutzuckerwert kann es zu Schäden an den Wänden der Blutgefäße in der Netzhaut kommen. Die Gefäße werden brüchig. Sehr dünne Gefäße verschließen sich, andere werden stark durchlässig für Blut: zunächst nur für Flüssigkeit, später auch für Blutzellen. Es entstehen kleine Gefäßausbuchtungen und Blutungen. 

Diese Erkrankung heißt in der Fachsprache "Retinopathie". Wenn sie noch nicht weit fortgeschritten ist, spricht man von einer sogenannten "nichtproliferativen Retinopathie". Betroffene haben in diesem Stadium meist keine spürbaren Probleme beim Sehen.

Schreitet die Erkrankung fort, bilden sich zunächst in, später auch vor der Netzhaut neue Blutgefäße, aus denen es leicht blutet. Wenn es im Glaskörper blutet, können sich Narben bilden. Diese Narben können an der Netzhaut ziehen und sie teilweise oder ganz vom Augenhintergrund ablösen. Dieses fortgeschrittene Stadium heißt "proliferative Retinopathie". Je nach Stadium empfiehlt die Leitlinie unterschiedliche Behandlungen. 

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4.2 Diabetische Makulopathie 

Sammelt sich Flüssigkeit aus den geschädigten Augengefäßen im Bereich der Makula, schwillt diese an und verliert ihre Funktion. Dies wird als "Makulopathie" bezeichnet. Die krankhafte Ansammlung von Flüssigkeit in der Makula nennt man auch "Makulaödem". 

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4.3 Wie häufig sind Schäden an der Netzhaut bei Menschen mit Diabetes?

Schäden an der Netzhaut gehören zu den häufigen Komplikationen einer Diabeteserkrankung. In Deutschland werden solche Schäden bei etwa 1 bis 2 von 10 Menschen mit Typ-2-Diabetes im Verlauf der Krankheit festgestellt. Das ist etwas häufiger als bei Menschen ohne Diabetes. Mit zunehmender Krankheitsdauer werden sie wahrscheinlicher: Einer großen Erhebung zufolge hatte jeder vierte Mensch mit Typ-2-Diabetes elf Jahre nach der Diagnose Schäden an der Netzhaut. Auch etwa jeder vierte Mensch mit Typ-1-Diabetes ist im Verlauf der Krankheit davon betroffen. Nicht immer gehen diese Schäden mit spürbar schlechterem Sehvermögen einher. 

Die Gefahr, in Folge einer diabetischen Retinopathie zu erblinden, ist sehr selten. Etwa 2 bis 3 von 1 000 Betroffenen verlieren ihre Sehfähigkeit vollständig im Verlauf der Erkrankung. Wie oft der Diabetes hier Ursache für die Erblindung ist, ist unklar. Diabetesbedingte Schäden an der Netzhaut gehören aber zu den häufigen Ursachen für Erblindungen im Erwachsenenalter. 

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4.4 Risikofaktoren für Schäden an der Netzhaut 

Meist wirken viele Ursachen zusammen, wenn Diabetes zu Schäden an der Netzhaut führt. Nicht alle davon sind bekannt und nicht alle bekannten lassen sich beeinflussen. Eine Analyse von mehreren Beobachtungsstudien beschreibt, dass folgende Faktoren das Entstehen von Schäden an der Netzhaut begünstigen: 

  • ein hoher Langzeit-Blutzuckerwert (HbA1c-Wert) bei der Diagnose; 
  • die Diabetesdauer; 
  • Bluthochdruck; 
  • das Vorliegen einer Nierenschädigung durch Diabetes.  

Es liegen Hinweise vor, dass Schwangerschaften bei Frauen mit Typ-1-Diabetes das Risiko für einen Netzhautschaden etwas erhöhen können. Zudem sind bei Typ-1-Diabetes Männer etwas häufiger betroffen als Frauen. 

In wie weit das Alter zum Zeitpunkt der Erkrankung eine Rolle spielt, ist nicht eindeutig geklärt. Daten aus wenigen Beobachtungsstudien deuten darauf hin, dass Menschen mit Typ-2-Diabetes möglicherweise etwas häufiger einen Schaden an der Netzhaut entwickeln, wenn sie in jüngeren Jahren erkranken.

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4.5 Warnzeichen 

Entstehen Veränderungen im Auge, verlaufen diese für die Betroffenen zunächst meist ohne Beschwerden. Erst in einem fortgeschrittenen Stadium kann es zu spürbaren Problemen beim Sehen kommen. Dazu gehören: 

    • Verschlechterung der Sehschärfe, die sich nicht durch eine Sehhilfe, zum Beispiel eine Brille, korrigieren lässt; 
    • Leseschwierigkeiten bis zum Verlust der Lesefähigkeit; 
    • gestörter Farbsinn; 
    • verzerrtes oder verschwommenes Sehen; 
    • wenn ein Gefäß einreißt und in den Glaskörper blutet: "Rußregen" vor dem Auge.

 

Hinweis:
Der Kauf von neuen Brillengläsern während einer Entgleisung des Blutzuckers ist nicht sinnvoll, denn die Sehschärfe kann sich kurzfristig immer wieder verändern. Günstiger ist es zu warten, bis der Blutzucker gut eingestellt ist.

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zuletzt verändert: 22.08.2016 12:44