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9 Ein paar Worte zu einem schwierigen Thema

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Manchmal erscheint einem schwer depressiven Menschen seine Situation so hoffnungslos, dass er einfach nicht mehr will. Es drängt ihn, sein Leben zu beenden. Das ist besonders belastend für Partnerschaft und Familie, und es braucht besondere Kraft, damit umzugehen. Man kann sich völlig hilflos fühlen, möglicherweise auch unter Druck gesetzt und erpresst. Vielleicht hilft es Ihnen, sich auch hier bewusst zu machen, dass Sie keine Verantwortung dafür tragen, ja, gar nicht tragen können.

Es gibt kein Patentrezept für eine solche Situation. Etwas tun können Sie dennoch: Indem Sie das Gespräch darüber zulassen, statt es wegzudrängen, und den anderen Menschen auch in seiner totalen Verzweiflung annehmen. Hören Sie einfach zu, ohne gleich eingreifen zu wollen. Trauen Sie sich, konkret nachzufragen, aber versuchen Sie nicht, ihm seine Gedanken auszureden. Es ist wertvoll, wenn Sie vermitteln können, dass Hilfe möglich ist – und wie wichtig gerade jetzt professioneller Beistand ist. Vielleicht können Sie gemeinsam überlegen, welche Personen oder Dinge ihm so wichtig sind, dass sie seinem (Weiter-)Leben Sinn geben.

Suizidgedanken oder -versuche sind auf jeden Fall ernst zu nehmen. Sie sollten gemeinsam den behandelnden Arzt oder der Psychotherapeutin über lebensmüde Gedanken informieren und besprechen, was das für die Therapie bedeutet.

9.1 Was Sie im Notfall tun können

  • zuhören und ernst nehmen;
  • das Gespräch in Gang halten;
  • Notarzt und/oder Polizei rufen;
  • den Verzweifelten nicht allein lassen, bis Hilfe eintrifft;
  • gefährliche Gegenstände beseitigen.

Bei akuter Selbst- oder Fremdgefährdung kann eine Einweisung in das Krankenhaus auch gegen den Willen des Betroffenen nötig sein. Für diesen Notfall ist die Polizei zuständig.

9.2 Einweisung gegen den Willen der Betroffenen

... ist ein schwieriger, allerletzter Ausweg, um Schlimmeres zu verhindern: nämlich Fremd- oder Selbstgefährdung. Das bedeutet, dass das Leben oder die körperliche Unversehrtheit des kranken Menschen beziehungsweise einer anderen Person gefährdet ist. Dann handelt es sich um einen Notfall.

Am wenigsten eingreifend ist es für alle Beteiligten, wenn Angehörige oder Freundinnen den Patienten selbst in das zuständige psychiatrische Krankenhaus bringen. Wenn die Person sich jedoch weigert, hat es keinen Sinn, einen Krankenwagen zu rufen. Rettungssanitäter dürfen nicht gegen den Willen der Betroffenen handeln und sie zwangsweise transportieren. Hierfür ist die Polizei zuständig.

Eine solche Einweisung gegen den Willen des Betroffenen ist in den Unterbringungsgesetzen oder Psychisch-Kranken-Gesetzen der einzelnen Bundesländer oder im Betreuungsgesetz geregelt. Danach darf eine Zwangseinweisung erfolgen, wenn durch die Erkrankung die Gefahr besteht, dass die betroffene Person sich selbst oder anderen Schaden zufügt, und wenn diese Gefahr nicht auf andere Weise abzuwenden ist. Bei akuter schwerer Suizidgefahr und fehlender Behandlungsbereitschaft ist in der Regel Eile geboten.

Das Unterbringungsverfahren ist in den einzelnen Bundesländern relativ ähnlich. Polizei oder Ordnungsbehörden können eine Einweisung veranlassen. In der Regel muss eine in der Psychiatrie erfahrene  Ärztin die Notwendigkeit der Behandlung gegen den Willen bestätigen und ein Gutachten anfertigen. Nach einer festgelegten Frist – dies ist in den einzelnen Bundesländern verschieden – muss ein Amtsrichter die Patientin persönlich anhören, falls diese sich nicht inzwischen zu einer Behandlung auf freiwilliger Basis entschlossen hat. Der Richter entscheidet nach einer persönlichen Anhörung aufgrund des ärztlichen Gutachtens über die Unterbringung. Falls die Richterin die Auffassung vertritt, dass eine Unterbringung nicht erforderlich ist, muss der Patient entlassen werden.

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zuletzt verändert: 23.03.2017 11:41