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6 Wer an der Behandlung beteiligt ist

2. Auflage, 2016. Version 2 – Druckversionpdf.png | Kapitelübersicht | weitere Informationen

An der Behandlung einer vielschichtigen Erkrankung wie der Depression sind viele Fach- und Berufsgruppen beteiligt. Hier den Überblick zu bewahren, ist nicht immer leicht. Eine Übersicht gibt die folgende Tabelle. Dabei ist zu beachten, dass die Angaben zu Dauer und Umfang der Weiterbildung von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sein können und sich im Laufe der Jahre ändern.

Wer ist an der Versorgung depressiver Menschen beteiligt?

Tabelle 3: Beteiligte an der Versorgung depressiver Menschen

Hausarzt

Studierter Mediziner mit der Berufszulassung (Approbation) als Arzt. Dazu zählen in der Regel:

  • Fachärzte für Allgemeinmedizin, die nach ihrem Studium eine fünfjährige Weiterbildung unter anderem in Innerer Medizin und Chirurgie gemacht und eine Facharztprüfung abgelegt haben.
  • Fachärzte für Innere Medizin, die nach ihrem Studium mindestens eine fünfjährige Weiterbildung in der Inneren Medizin gemacht und eine Facharztprüfung abgelegt haben.
  • Praktische Ärzte, das heißt Ärzte ohne Facharztausbildung.

Fachärztin für
Psychiatrie und
Psychotherapie

Studierte Medizinerin mit Berufszulassung (Approbation) als Ärztin, die nach dem Studium eine fünfjährige Weiterbildung unter anderem in Psychiatrie und Psychotherapie sowie Neurologie gemacht und eine Facharztprüfung abgelegt hat. Psychotherapie ist Bestandteil der Weiterbildung.

Psychologischer Psychotherapeut

Studierter Psychologe mit Diplom- oder Masterabschluss und Berufszulassung (Approbation) als Psychotherapeut, der nach dem Studium mindestens eine dreijährige Vollzeitausbildung oder eine fünfjährige berufsbegleitende Ausbildung zum Psychotherapeuten absolviert und eine staatliche Prüfung abgelegt hat. Psychologische Psychotherapeuten dürfen keine Medikamente verschreiben.

Fachärztin für
Nervenheilkunde

Studierte Medizinerin mit Berufszulassung (Approbation) als Ärztin, die nach dem Studium eine fünfjährige Weiterbildung unter anderem in der Neurologie und Psychiatrie gemacht und eine Facharztprüfung abgelegt hat.

Facharzt für
Psychosomatische Medizin und
Psychotherapie

Studierter Mediziner mit Berufszulassung (Approbation) als Arzt, der nach dem Studium eine fünfjährige Weiterbildung in Psychosomatischer Medizin, Psychiatrie und Psychotherapie sowie Innerer Medizin oder Allgemeinmedizin gemacht und eine Facharztprüfung abgelegt hat. Ein wesentlicher Schwerpunkt der Facharztausbildung liegt in der Psychotherapie.

Ärztin mit dem
Zusatztitel Psychotherapie oder
Psychoanalyse

Studierte Medizinerin mit Berufszulassung (Approbation) als Ärztin und Facharztausbildung, die berufsbegleitend eine Zusatzweiterbildung zum fachgebundenen Psychotherapeuten oder Psychoanalytiker gemacht hat. Deren Umfang entspricht nicht dem der Facharztausbildung, ist aber spezifisch auf die Psychotherapie beziehungsweise Psychoanalyse zugeschnitten.

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Daneben können auch Ergotherapeuten, Sozialarbeiterinnen und Sozialpädagogen, Soziotherapeutinnen oder häusliche psychiatrische Pflegekräfte an der Versorgung beteiligt sein.

Ihren Hausarzt, Ihre Psychotherapeutin oder Ihren Fachspezialisten suchen Sie in der Praxis auf (ambulante Versorgung). Mit Fachärztinnen und Psychotherapeuten haben Sie es auch im Krankenhaus, also in der stationären Versorgung, zu tun. Es gibt besondere Fachkrankenhäuser für psychische Erkrankungen und Fachabteilungen in Allgemeinkrankenhäusern für Psychiatrie und Psychotherapie beziehungsweise für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Außerdem haben viele Krankenhäuser sogenannte Ambulanzen oder Polikliniken, in denen sie depressive Menschen behandeln, die nicht stationär aufgenommen werden. Daneben gibt es "teilstationäre" Angebote in Tageskliniken.

Auch einige Rehabilitationseinrichtungen sind auf psychische Erkrankungen spezialisiert (mehr zu Rehabilitation).

Eine wichtige Anlaufstelle für kranke Menschen ist die hausärztliche Praxis. Ihre Hausärztin kann für Sie die Funktion eines "Lotsen" durch das Gesundheitssystem übernehmen. Das kann auch im Falle einer depressiven Erkrankung hilfreich sein, wenn sie Sie gut kennt, vielleicht sogar Ihr Lebensumfeld einschätzen kann und Sie möglicherweise wegen anderer chronischer Begleiterkrankungen behandelt. Ihr Hausarzt arbeitet eng mit anderen Kolleginnen zusammen. Wenn nötig kann er Sie an eine entsprechende Facharztpraxis überweisen.

Manchmal kann es aber auch gut sein, direkt zu einer fachärztlichen oder psychotherapeutischen Praxis zu gehen. Sie haben das Recht, Ihre Ärztin oder Ihren Psychotherapeuten frei zu wählen. (Mehr zu Ihren Rechten finden Sie im Kapitel "Ihr gutes Recht").

Die Leitlinie gibt Anhaltspunkte, wer bei der Versorgung von Menschen mit Depression welche Funktionen und Aufgaben übernimmt und wann überwiesen werden sollte:

  • Die Untersuchung und Behandlung einer leichten bis mittelgradigen Depression kann von allen ärztlichen Gruppen und von Psychologischen Psychotherapeuten durchgeführt werden.
  • Wenn es Ihnen bei der Versorgung durch die Hausärztin nach spätestens sechs Wochen noch nicht besser geht, sollten Sie an einen Fachspezialisten oder eine ärztliche beziehungsweise Psychologische Psychotherapeutin überwiesen werden.
  • Wenn es Ihnen in einer psychotherapeutischen Behandlung nach ungefähr drei Monaten nicht besser geht, sollten Sie an einen Facharzt überwiesen werden.

Ansonsten sollte an eine Facharztpraxis überwiesen werden, wenn:

  • eine andere psychische Erkrankung nicht sicher auszuschließen ist;
  • bei Ihnen eine schwere Depression vorliegt;
  • mehrere Behandlungsversuche erfolglos waren;
  • Probleme mit Medikamenten und/oder Psychotherapie auftreten, wie beispielsweise Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen;
  • akute Selbst- oder Fremdgefährdung anzunehmen ist;
  • weitere schwere seelische oder körperliche Erkrankungen vorliegen;
  • weitere Untersuchungen empfehlenswert sind.

Eine Überweisung ins Krankenhaus ist angezeigt, wenn:

  • Ihre Lebensumstände eine erfolgreiche Behandlung stark gefährden;
  • Sie zu vereinsamen drohen;
  • eine Behandlung in der Praxis über längeren Zeitraum keinen Erfolg hatte;
  • die Gefahr besteht, dass die Depression chronisch wird;
  • das Krankheitsbild so schwer ist, dass die Mittel der ambulanten Behandlung nicht ausreichen;
  • Sie zu lange auf eine Behandlung bei einem Psychotherapeuten warten müssen und Ihr Leidensdruck ständig zunimmt.

Eine Rehabilitation ist empfehlenswert, wenn Behandlungserfolge gefestigt, die Erwerbsfähigkeit wiederhergestellt oder Folgeschäden der Depression langfristig behandelt werden müssen.

Inzwischen haben sich auch Selbsthilfegruppen für Menschen mit Depressionen (oder deren Angehörige) gebildet, die Beratung und Unterstützung anbieten. Sie werden von den Betroffenen meist ergänzend zu professioneller Behandlung oder im Anschluss daran genutzt. Welche Angebote sich in Ihrer Nähe befinden, erfahren Sie im Kapitel "Rat, Unterstützung und weitere Informationen".

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zuletzt verändert: 23.03.2017 11:38