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5 Wie wird eine Depression behandelt?

2. Auflage, 2016. Version 2 – Druckversionpdf.png | Kapitelübersicht | weitere Informationen

5.1 Überblick: Methoden und Ziele der Behandlung

Depressionen sind in der Regel gut zu behandeln. Dazu stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung:

  • Psychotherapie;
  • Medikamente gegen Depressionen;
  • Kombination von Psychotherapie und Arzneimitteln;
  • weitere Verfahren und Behandlungsansätze wie zum Beispiel Licht-, Wach-, Bewegungs- oder Ergotherapie sowie Künstlerische Therapien.

Daneben gibt es leicht zugängliche Angebote, die speziell für die Behandlung von Depressionen entwickelt wurden. Darunter fallen zum Beispiel Selbsthilfe-Manuale, DVDs oder Online-Programme mit Übungen und Anregungen, die auf psychotherapeutischen Verfahren beruhen. Solche Angebote können für Sie infrage kommen, wenn Sie mit der persönlichen Therapie noch nicht beginnen können, oder Sie eine leichte Depression haben. Dabei gehen Sie selbst zuhause das Manual oder das Programm am Computer durch. Hierbei können Sie von einem Arzt oder einer Psychotherapeutin angeleitet und unterstützt werden. Persönliche Kontakte sind jedoch selten. Studien liefern Hinweise, dass computergestützte Programme eine Depression bessern können. Sie gehören jedoch nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen. Erkundigen Sie sich, ob Ihre Krankenkasse dennoch die Kosten dafür übernimmt.

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Welche Behandlung für Sie persönlich geeignet ist, hängt vom Schweregrad der Erkrankung und dem bisherigen Krankheitsverlauf ab. Ihre Bedürfnisse, Wertvorstellungen und Lebensumstände sind ebenfalls von Bedeutung. In jedem Fall sollten Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Psychotherapeuten Nutzen und Risiken der in Frage kommenden Verfahren gründlich abwägen (siehe Kapitel "Die Behandlung – Ihre Entscheidung"). Wie auch immer Sie sich entscheiden, die Behandlung verfolgt mehrere Ziele:

  • Die Symptome der Depression sollen so weit zurückgehen, dass Sie Ihr seelisches Gleichgewicht wiederfinden und im sozialen wie im beruflichen Alltag wieder voll einsatzbereit sind.
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie einen Rückfall oder später eine Wiedererkrankung erleiden, soll so gering wie möglich gehalten werden.

Behandlungsphasen

Die Behandlung lässt sich grundsätzlich in drei Abschnitte einteilen:

In der Akuttherapie geht es darum, die vorliegenden Beschwerden und Anzeichen der Depression so schnell und so gut wie möglich zu behandeln, bis sie weitestgehend verschwunden sind. Darüber hinaus soll sie dazu beitragen, dass Sie wieder am normalen Leben teilhaben können. Diese Behandlungsphase erstreckt sich in der Regel über sechs bis zwölf Wochen.

Wenn die Beschwerden fast vollständig abgeklungen sind, setzt die Erhaltungstherapie ein. Darunter versteht man das Fortsetzen der Behandlung über einen längeren Zeitraum, um den Zustand zu stabilisieren. Diese Phase dauert etwa vier bis neun Monate bei Medikamenten oder acht bis zwölf Monate bei psychotherapeutischen Maßnahmen. Damit lässt sich die Gefahr eines frühen Rückfalls verringern. Es ist also wichtig, dass Sie Ihre Behandlung nicht vorschnell abbrechen, sobald sich die Beschwerden gebessert haben.

An die Erhaltungstherapie kann sich eine weitere Behandlung anschließen. Sie soll das Auftreten einer erneuten depressiven Episode verhindern. Der Fachbegriff für diese Phase lautet "Rezidivprophylaxe" oder "Rückfall vorbeugende Behandlung". Sie kann sich über ein Jahr oder länger erstrecken. Dieser Therapieabschnitt ist nicht für alle Menschen mit einer Depression erforderlich, sondern nur für Betroffene, die:

  • schon mehrere Rückfälle erlebt haben;
  • während der depressiven Phase sehr stark eingeschränkt waren.

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5.2 Was passiert, wenn eine Depression nicht behandelt wird?

Auch ohne Behandlung klingt eine depressive Episode häufig nach einer bestimmten Zeit wieder ab. Das ist normalerweise nach etwa sechs bis acht Monaten der Fall. Bleiben Depressionen aber unbehandelt, kann es sein, dass sie wiederkehren und länger andauern. Mit Therapie verkürzt sich die Dauer einer Episode auf ungefähr 16 Wochen.

Mit einer Behandlung, die auf die persönlichen Bedürfnisse und Voraussetzungen des Einzelnen abgestimmt ist, sind drei Viertel der Patienten nach im Schnitt etwa vier bis sechs Monaten wieder vollständig genesen. Dabei ist der Krankheitsverlauf von Person zu Person sehr unterschiedlich, auch in der Dauer.

Doch auch mit einer Behandlung kann eine Depression wiederkommen: Etwa die Hälfte der Betroffenen erlebt nach einer gewissen Zeit eine erneute depressive Episode. Bei etwa 2 von 10 Betroffenen wird die Depression chronisch. Das bedeutet, sie dauert zwei Jahre oder länger an.

5.3 Schlägt die Behandlung an?

Auch während der Behandlung prüft Ihr Arzt oder Ihre Psychotherapeutin immer wieder, ob es Ihnen besser geht. Fragebögen und spezielle Tests, die Ihre Stimmungslage erfassen, können dabei helfen. So können Sie gemeinsam feststellen, ob die Therapie anschlägt.

Nach Meinung der Expertengruppe sollte die bisherige Behandlung geändert werden, wenn sich nach drei bis vier Wochen keine Besserung einstellt.

Wenn Sie selbst unsicher sind, ob die Behandlung greift, scheuen Sie sich nicht, Ihre Ärztin oder Ihren Psychotherapeuten direkt darauf anzusprechen. Das ist keine Kritik, sondern dient der Verständigung über den Behandlungsverlauf.

Ein paar Fachbegriffe beschreiben den Erfolg oder Misserfolg einer Behandlung
  • Als Response bezeichnet man ein Ansprechen auf die begonnene Therapie. Das heißt, die depressiven Symptome gehen im Verlauf der ersten Behandlungszeit zurück.
  • Mit Remission ist die vollständige oder weitestgehende Wiederherstellung nach der Akutbehandlung gemeint.
  • Unter einem Rückfall versteht man das erneute Auftreten des Vollbilds einer depressiven Episode, wenn nach oder während der Akutbehandlung kurzfristig bereits eine Besserung eingetreten war.
  • Von einer vollständigen Genesung sprechen Fachleute, wenn sich sechs Monate lang keine Anzeichen mehr für eine Depression gezeigt haben.
  • Ein Rezidiv bedeutet, dass nach vollständiger Genesung erneut eine depressive Episode auftritt.

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5.4 Die Behandlung - Ihre Entscheidung

Da mehrere Möglichkeiten der Behandlung zur Verfügung stehen, sollten Sie erst nach eingehender Beratung mit Ihrem Arzt oder Ihrer Psychotherapeutin gemeinsam entscheiden, welche für Sie am besten geeignet erscheint. Damit Sie das tun können, sollte man Ihnen unter anderem erklären, welchen Krankheitsverlauf Sie bei den einzelnen Therapien zu erwarten haben, wie die Behandlungen wirken und mit welchen Nebenwirkungen Sie rechnen müssen. Sie sollten zudem Informationen erhalten, wann die Wirkung etwa einsetzt und warum es wichtig ist, dass Sie die Behandlung auch nach dem Abklingen der depressiven Beschwerden fortführen.

Der Weg zur gemeinsamen Entscheidung

Wenn es mehrere gleich wirksame Behandlungsmethoden gibt, ist es jedoch oft nicht einfach, die für sich beste Therapie zu finden. Ein guter Weg ist es, wenn Sie zusammen mit Ihrem Arzt oder Ihrer Psychotherapeutin entscheiden. Voraussetzung dafür ist ein Gespräch auf Augenhöhe und der gegenseitige Informationsaustausch. Wichtig ist, dass Ihre Ärztin oder Ihr Psychotherapeut mit Ihnen ausführlich über Ihre Krankheit spricht und Sie auf die anstehende Entscheidung hinweist. Dann erläutert sie oder er alle Behandlungsmöglichkeiten mit ihren Vor- und Nachteilen und fragt nach, ob Sie alles verstanden haben. Wenn Sie etwas nicht verstanden haben oder Ihnen etwas unklar ist, haben Sie den Mut nachzufragen. Sie selbst tragen zur Entscheidung bei, indem Sie über Ihre Erwartungen an die Behandlung, Ihre Lebensumstände und Werte erzählen. Trauen Sie sich auch, Ihre Bedenken oder Unsicherheiten sowie Ihre Bedürfnisse an eine Therapie zu äußern. Nur so weiß der Arzt oder die Psychotherapeutin, was Ihnen bei der Behandlung wichtig ist. Zum Schluss wägen Sie gemeinsam die verschiedenen Verfahren ab und entscheiden über das weitere Vorgehen. Um Menschen mit Depression bei der Entscheidung zu unterstützen, gibt es "Entscheidungshilfen" (mehr im Kapitel "Informationsangebote").

Im Gespräch mit Ihnen sollen sich Ihre Ärztin oder Ihr Psychotherapeut nach Meinung der Expertengruppe einfach und verständlich ausdrücken. Zudem sollen Fachausdrücke vermieden oder verständlich erklärt werden. Gemeinsam besprechen Sie auch, was passieren kann, wenn Sie die Medikamente einfach absetzen oder nur unregelmäßig nehmen. Sie müssen ebenfalls bedenken, dass die Einnahme von Arzneimitteln gegen Depression die Fahrtauglichkeit, Arbeits- und Reaktionsfähigkeit mindern kann.

Es kann hilfreich sein, wenn Ihr Partner oder eine andere Vertrauensperson zu diesem Gespräch mitkommt. Es hilft Ihnen ebenfalls, wenn Sie sich vorab wichtige Fragen aufschreiben, damit Sie diese in der Aufregung nicht vergessen. Auch während des Gespräches können Sie sich Dinge, die Ihnen wichtig erscheinen, notieren, damit Sie zu Hause noch einmal in Ruhe darüber nachdenken können. Wenn Sie etwas nicht verstehen, fragen Sie so lange nach, bis Ihnen alles klar ist. Es geht schließlich um Ihre Gesundheit und Ihre Behandlung. Je besser Sie darüber Bescheid wissen, desto besser können Sie diese mitgestalten.

Hier finden Sie ein paar Anregungen für Fragen, die Sie vor einer Behandlung stellen können:

Mögliche Fragen

  • Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
  • Sind irgendwelche zusätzlichen Untersuchungen nötig, zum Beispiel Bluttests?
  • Was sind die Vor- und Nachteile der verschiedenen Verfahren?
  • Wann sollte sich eine Wirkung der Behandlung zeigen?
  • Wie wahrscheinlich tritt die Wirkung der einzelnen Behandlungen ein?
  • Mit welchen Nebenwirkungen muss ich rechnen?
  • Wie lange dauert die Behandlung voraussichtlich?
  • Wann und wie oft muss ich wiederkommen?
  • Bin ich danach geheilt?
  • Was kann ich selbst tun?
  • Was passiert, wenn ich die Medikamente nicht oder nur unregelmäßig einnehme?
  • Was können andere Personen beitragen?
  • Wie kann das Risiko verringert werden, dass die Depression nach der Behandlung wieder auftritt?
  • Wo finde ich weitere verlässliche Informationen zu meiner Krankheit und deren Behandlung?

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Menschen aus verschiedenen Kulturen haben unterschiedliche Vorstellungen, wie Krankheiten entstehen. Auch die Wünsche und Vorlieben bei der Behandlung können sich unterscheiden. Aus diesem Grund weist die Leitlinie darauf hin, wie wichtig es ist, dass Ärzte und Psychotherapeutinnen kulturelle Besonderheiten berücksichtigen, wenn sie zusammen mit betroffenen Personen überlegen, was die beste Vorgehensweise ist.

Informationsangebote

Informationen aus Broschüren, Büchern und Internetseiten können Betroffene und deren Angehörige unterstützen, Entscheidungen bei Gesundheitsfragen selbstständig und kompetent zu treffen. Um das zu erreichen, müssen die Materialien verständlich sein und auf aktuellen wissenschaftlichen Aussagen beruhen.

Eine spezielle Form der Patienteninformation sind sogenannte Entscheidungshilfen. Sie bilden die verschiedenen Behandlungsmethoden mit ihren Vor- und Nachteilen ab. Die Leitlinie empfiehlt, dass Ärztinnen und Psychotherapeuten depressive Menschen über Anzeichen, Verlauf und Behandlung der Krankheit aufklären sollen. Dabei können zur Unterstützung verlässliche Patienteninformationen oder Entscheidungshilfen zum Einsatz kommen. Wenn es angebracht ist und die Betroffenen damit einverstanden sind, gilt das auch für deren Angehörige.

Entscheidungshilfen auf www.psychenet.de

Die Webseite des Projektes "psychenet – Hamburger Netz psychische Gesundheit" bietet wissenschaftlich begründete Informationen zu psychischen Erkrankungen, wie Depressionen, Angststörungen oder Substanzmissbrauch. Auch interaktive Entscheidungshilfen zu den verschiedenen Therapieformen bei Depressionen sind dort zu finden. Sie sind frei zugänglich unter: entscheidungshilfen.psychenet.de/depression/was-ist-eine-depression.html.

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Es gibt Informationsmaterialien in Hülle und Fülle. Nicht alle sind ausgewogen. Deshalb haben wir im Kapitel "Informationsquellen und Angebote" eine Liste mit verlässlichen Broschüren und Internetseiten für Sie zusammengestellt.

Ein Informationsblatt, das Ihnen hilft, gute und vertrauenswürdige Internetinformationen zu erkennen, finden Sie hier:
www.patienten-information.de/kurzinformationen/gesundheit-allgemein/gesundheitsthemen-im-internet.

Wissenswertes über Behandlungsmethoden und zum Umgang mit der Erkrankung können Sie ebenfalls in speziellen Kursen erhalten. Einige können Sie zusammen mit Ihren Angehörigen besuchen. Die Kurse finden meist in Gruppen statt. Dort haben Sie Gelegenheit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Diese Angebote fassen Fachleute unter dem Begriff "Psychoedukation" zusammen. Dazu können auch Bücher oder Ratgeber gehören. Eine Forschungsarbeit gibt Hinweise, dass ein gesteigertes Wissen über Depression und deren Behandlung mit einem günstigeren Krankheitsverlauf und einer niedrigeren psychosozialen Belastung von Angehörigen einhergehen kann. Deshalb sollten psychoedukative Maßnahmen für Betroffene und Angehörige als Ergänzung zur Behandlung angeboten werden. Es kann jedoch sein, dass es psychoedukative Angebote in Ihrer Region nicht gibt.

5.5 Die Behandlungsmöglichkeiten

Psychotherapie

In der Psychotherapie wirkt der Therapeut im Gespräch – ohne Einsatz von Medikamenten oder anderen Heilmitteln – auf die Seele des Patienten ein. Dieser hat hierbei eine aktive Rolle, was bedeutet: Psychotherapie dient weitgehend als Hilfe zur Selbsthilfe.

Es gibt Einzel-, Gruppen- oder Paartherapie. Eine Psychotherapie können sowohl bestimmte Fachärzte als auch Psychologen übernehmen. Je nach beruflichem Hintergrund spricht man entweder von ärztlichen oder psychologischen Psychotherapeutinnen. Beide Berufsgruppen benötigen eine spezielle Weiterbildung, um eine Psychotherapie anbieten zu dürfen. Medikamente zur Behandlung von seelischen Erkrankungen dürfen jedoch nur Ärzte verordnen.

Es gibt viele verschiedene Arten und Formen der Psychotherapie. Dazu zählen unter anderem Verhaltenstherapie, psychoanalytisch begründete Verfahren, Systemische Therapie, Interpersonelle Psychotherapie und Gesprächspsychotherapie. Diese Verfahren gelten in Deutschland als "wissenschaftlich anerkannt".

Die Behandlung erfolgt oft in einer Praxis (ambulant) oder in einer Klinik (stationär). In Deutschland werden bei der ambulanten Behandlung in der Regel nur Psychotherapieverfahren von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt, die zu den sogenannten Richtlinienverfahren gehören. Das sind derzeit die Verhaltenstherapie und die psychoanalytisch begründeten Verfahren. Die psychoanalytisch begründeten Verfahren umfassen tiefenpsychologisch fundierte und analytische Psychotherapie. Andere psychotherapeutische Therapien müssten Sie gegebenenfalls selbst bezahlen, wenn diese ambulant stattfinden. Manche privaten Kassenversicherungen übernehmen diese Kosten. Informieren Sie sich vor der Aufnahme einer Therapie, wer welche Kosten übernimmt. Wenn Sie mehr darüber wissen wollen, wenden Sie sich an die Bundespsychotherapeutenkammer: www.bptk.de.

Die Wirksamkeit von Psychotherapie wird überwiegend in sogenannten kontrollierten Studien nachgewiesen. Dort gibt es zwei Gruppen von Teilnehmenden. Die einen bekommen eine Psychotherapie, die anderen entweder ein Medikament, eine andere, als wirksam bekannte Psychotherapie, eine "Scheinbehandlung" (wie zum Beispiel stützende Gespräche), eine "übliche Behandlung" (englisch: "treatment as usual", zum Beispiel in einer Haus- oder Facharztpraxis) oder keine Behandlung (sogenannte Wartelistegruppe). Nach einer gewissen Zeit wird geprüft, bei wem eine Verbesserung eingetreten ist. In solchen Studien hat sich gezeigt, dass bestimmte psychotherapeutische Verfahren die Beschwerden einer Depression verringern.

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Hinweis

Nicht jeder Psychotherapeut darf seine Leistungen mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechnen. Dafür muss er bestimmte Bedingungen erfüllen:

  1. Er muss eine staatliche Erlaubnis besitzen, den Psychotherapeutenberuf ausüben zu dürfen (Approbation).
  2. Er muss von der Kassenärztlichen Vereinigung zugelassen sein. Das gilt auch für Psychologische Psychotherapeuten.
  3. Er muss in seiner Praxis eine Behandlung durchführen, die zu den Richtlinienverfahren zählt.

Wenn Sie innerhalb einer angemessenen Wartezeit keine kassenzugelassene Psychotherapeutin nachweislich finden, können Sie sich die Leistung auch selbst beschaffen. Sie können bei Ihrer gesetzlichen Krankenkasse einen Antrag stellen, dass Sie die Kosten einer Behandlung auch bei einem Psychotherapeuten ohne Kassenzulassung erstattet bekommen (sogenanntes Kostenerstattungsverfahren). Die wichtigsten Informationen und ein Musterschreiben finden Sie in dem Ratgeber "Kostenerstattung":
www.bptk.de/uploads/media/BPtK_Ratgeber_Kostenerstattung_2.pdf

Richtlinienverfahren

Verhaltenstherapie

Bei der Verhaltenstherapie soll der Patient darin gestärkt werden, selbst mit seiner Erkrankung umzugehen. Unterstützt durch die Psychotherapeutin arbeitet er die Ursachen und die aufrechterhaltenden Bedingungen seiner Erkrankung heraus. Gemeinsam entwickeln, erlernen und probieren sie alternative Verhaltensweisen, mit denen er zukünftig besser zurechtkommt.

Das für die Depression am besten untersuchte Verfahren ist die kognitive Verhaltenstherapie. Dort sollen depressive Denk- und Verhaltensmuster erkannt werden, um sie dann schrittweise zu verändern: Trauer und niedergeschlagene Stimmung können zum Gefühl der Wertlosigkeit führen, was Antriebsmangel und sozialen Rückzug zur Folge haben kann. Dadurch wiederum wird die Depression verstärkt. In der Therapie sollen Betroffene zum Beispiel lernen, das negative Denkmuster "Ich bin nichts wert" zu verändern und damit auch ihre Stimmung und ihr Verhalten zu beeinflussen.

Eine Therapiesitzung dauert in der Regel 50 Minuten und findet ein- oder zweimal pro Woche statt. Im Laufe der Behandlung können die Abstände zwischen den Sitzungen zunehmen. Eine kognitive Verhaltenstherapie kann je nach Schwere der Depression 25 bis 80 Sitzungen umfassen. Die Therapie kann bis ein Jahr oder länger dauern.

Zahlreiche aussagekräftige Untersuchungen haben die Wirksamkeit der kognitiven Verhaltenstherapie mit anderen Methoden verglichen. Dabei verminderte eine alleinige kognitive Verhaltenstherapie bei einer leichten oder mittelschweren Depression die Beschwerden genauso gut oder besser als andere Behandlungsmöglichkeiten, wie Medikamente oder ein anderes Psychotherapieverfahren. Wann eine Besserung einsetzt, ist jedoch von Person zu Person unterschiedlich.

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Psychoanalytisch begründete Verfahren

Die psychoanalytisch begründeten Verfahren haben zum Ziel, unbewusste Konflikte, die Grund für die Depression sein können, zu erkennen und zu bearbeiten. Diese können weit zurückliegen, zum Beispiel in der Kindheit begründet sein. Sie können aber auch in aktuelleren Beziehungen zu anderen Menschen liegen. Wenn Sie Verlust oder Versagen erlebt haben, kann das eine große Rolle spielen. Der Therapeut unterstützt den depressiven Menschen, indem er aktiv zuhört und beim Verstehen bisher unbekannter Zusammenhänge hilft.

Als Richtlinienverfahren sind die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und die analytische Psychotherapie anerkannt. Sie können als Langzeitbehandlung zwei oder mehr Jahre dauern oder als Kurzzeittherapie durchgeführt werden.

Die Wirksamkeit für leichte und mittelschwere Depression ist in Studien nachgewiesen. Die Belege sind allerdings nicht so zahlreich und aussagekräftig. Wann eine Besserung einsetzt, ist individuell sehr unterschiedlich.

Weitere psychotherapeutische Verfahren

Neben den sogenannten Richtlinienverfahren gibt es noch andere psychotherapeutische Methoden, die Menschen mit Depressionen angeboten werden können. Sie gehören derzeit jedoch nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen.

Systemische Therapie

Bei dieser Therapieform stehen nicht nur die Patientin im Zentrum der Behandlung, sondern auch ihr gesamtes Umfeld und die Beziehungen zu ihren Mitmenschen. In den Gesprächen mit der Therapeutin geht es unter anderem um Beziehungen zu anderen Menschen und Konflikte mit der Familie, um ihre Bedeutung für die seelische Krankheit zu verstehen. Daher schließt die Behandlung nach Möglichkeit auch Familienmitglieder oder andere wichtige Bezugspersonen ein, wie Ehepartner, Kinder oder Freunde. Ziel ist es, Beziehungsmuster und Verhaltensweisen zu ändern. Dafür gibt es verschiedene Techniken und Methoden.

Die Behandlung erstreckt sich meist über nicht mehr als 25 Therapiesitzungen. Sie kann als Familien-, Gruppen- oder Einzeltherapie durchgeführt werden. Eine Langzeittherapie ist möglich.

Studien erbrachten Hinweise, dass die Systemische Therapie zur Verbesserung von Depressionen beitragen kann.

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Interpersonelle Psychotherapie

Dieses Verfahren ist speziell für Menschen mit einer Depression entwickelt worden. Hier kommen Elemente aus der Verhaltenstherapie und der psychodynamischen Therapie zum Einsatz. Die Theorie der Interpersonellen Psychotherapie nimmt an, dass eine Depression verschiedene Ursachen hat, wie Vererbung, Persönlichkeitsmerkmale oder bestimmte Lebensereignisse. Aber auch Beziehungen zu anderen Menschen werden als Krankheitsursache angesehen. Ein wichtiges Therapieziel ist deshalb die Bewältigung von zwischenmenschlichen Konflikten und Problemen.

Die Behandlung gliedert sich in drei Phasen. Vorgesehen sind 12 bis 20 wöchentliche Einzelsitzungen, die jeweils 50 Minuten dauern.

Diese Therapieform hat sich in aussagekräftigen Studien als wirksam erwiesen: Sie kann Beschwerden bei einer leichten bis mittelschweren Depressionen verbessern.

Gesprächspsychotherapie

Die Gesprächspsychotherapie wird auch klientenzentrierte Psychotherapie genannt. Sie baut darauf auf, dass jeder Mensch fähig ist, Lösungen für seine Probleme zu erarbeiten, sein Leben selbst zu gestalten und seine Persönlichkeit zu entfalten. Dieses Verfahren geht davon aus, dass es zu einer Depression kommt, wenn das reale und das ideale Bild, das eine Person von sich hat, nicht übereinstimmen. Dieser Wiederspruch kann unter anderem zu Unzufriedenheit und Schuldgefühlen führen. Bei diesem Verfahren ist die Beziehung des Therapeuten zu dem erkrankten Menschen besonders wichtig: Er ist offen und wertfrei gegenüber dem hilfesuchenden Menschen und kann sich in ihn hineinfühlen. Damit hilft die Therapeutin dem Patienten, sich selbst zu erforschen und zu verstehen.

Die Behandlungsdauer beträgt meist ein halbes bis ein Jahr. Sitzungen finden etwa einmal in der Woche statt.

In aussagekräftigen Studien wurde die Wirksamkeit einer Gesprächspsychotherapie mit einer kognitiven Verhaltenstherapie bei einer leichten bis mittelschweren Depression verglichen. Dabei zeigte sich, dass beide Verfahren depressive Beschwerden verringern.

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Nutzen und Risiken der Psychotherapie

Psychotherapeutische Verfahren können die Symptome einer Depression lindern. Die Wirksamkeit hängt jedoch vom Schweregrad der Depression ab. Besonders bei leichten oder mittelschweren Depressionen kann eine alleinige Behandlung mit Psychotherapie helfen. Dafür hat die Expertengruppe die meisten Belege gefunden. Bei einer schweren Depression reicht allerdings eine alleinige Psychotherapie oft nicht aus. Hier ist eine Kombinationsbehandlung aus Psychotherapie und Medikamenten am wirksamsten, um die Beschwerden zu verbessern (siehe auch Kapitel "Was die Leitlinie empfiehlt").

Eine Psychotherapie kann ebenfalls Rückfällen vorbeugen und ein erneutes Auftreten der Krankheit verhindern. Das belegen mehrere aussagekräftige Untersuchungen. So blieben in einer Zusammenfassung mehrerer Studien 70 von 100 Personen nach Beendigung einer kognitiven Verhaltenstherapie ohne Rückfall. Demgegenüber hatten nur etwa 40 von 100 Personen nach Beendigung einer Behandlung mit Antidepressiva keinen Rückfall. Aus diesem Grund sollen Ärztinnen und Psychotherapeuten Ihnen nach Therapieende eine psychotherapeutische Nachbehandlung anbieten. Wenn bei Ihnen die Gefahr für eine erneute depressive Episode besteht, soll Ihnen eine längerfristige stabilisierende Psychotherapie angeboten werden.

Doch die Psychotherapie kann auch Nebenwirkungen haben. Allerdings hat die Expertengruppe dazu kaum Forschungsergebnisse gefunden. In den wenigen vorliegenden Studien haben sich bei etwa 10 von 100 der Personen mit einer seelischen Erkrankung die Beschwerden trotz Psychotherapie verschlechtert. Es kann beispielsweise sein, dass die Therapie keinen Erfolg zeigt, Ihr Zustand sich verschlechtert und Ihnen dies nicht sofort bewusst wird. Vielleicht ist Ihr Vertrauensverhältnis zur Therapeutin beeinträchtigt. Das kann auch passieren, wenn alle Beteiligten einfach "nicht miteinander können". Außerdem kann es vorkommen, dass sich eine Psychotherapie auf Partnerschaft, Arbeitsplatz, Freundschaften oder Familie negativ auswirkt, zum Beispiel indem Konflikte deutlich werden.

Die Psychotherapie ist mit einigen Ungewissheiten für Sie behaftet: Sie können nicht abschätzen, was auf Sie zukommt. Vielleicht werden Sie mit Sichtweisen auf Ihr eigenes Leben konfrontiert, die Ihnen zu schaffen machen können.

In der psychotherapeutischen Behandlung ist die Patientin sehr auf ihren Therapeuten angewiesen. Es sind seltene Fälle belegt, in denen er diese Abhängigkeit ausnutzt.

Außerdem ist nicht jeder Mensch zu einer Psychotherapie bereit. Man muss Zeit investieren. Eine erfolgreiche Psychotherapie setzt eine entsprechende Motivation, Bereitschaft und Fähigkeit zur Einsicht und zur Mitwirkung voraus.

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Psychotherapie – gut zu wissen

Viele Betroffene machen leider die Erfahrung, dass es sehr schwierig ist, überhaupt einen Therapieplatz in einer psychotherapeutischen Praxis zu finden. Dennoch ist es wichtig, sich bei der Suche nicht entmutigen zu lassen: Der beste Garant für den Erfolg einer psychotherapeutischen Behandlung ist das gute Verhältnis zwischen Therapeutin und Patient. Nicht jeder kann mit jedem. In einem so sensiblen und persönlichen Bereich wie es die Psychotherapie nun einmal ist, gilt das ganz besonders. Wichtig ist, dass Sie sich gut aufgehoben, angenommen und verstanden fühlen und dass Sie das Gefühl haben, sich anvertrauen zu können.

Deswegen erstatten die gesetzlichen Krankenkassen bei Psychotherapien zunächst auch "Probesitzungen" (siehe Hinweis), in denen beide Beteiligte herausfinden können, ob sie "miteinander können", ob ihre jeweiligen Vorstellungen von der Erkrankung und von einer sinnvollen Behandlung übereinstimmen. Wenn sich im Verlaufe der ersten Sitzungen herausstellt, dass dies nicht der Fall ist, sollten Sie über einen Wechsel der Praxis nachdenken. Vielleicht sind Sie ja froh, dass Sie überhaupt jemanden gefunden haben, der Zeit für Sie hat. Aber wenn die Voraussetzungen nicht stimmen, sind die Erfolgsaussichten geringer.

Der zweite wichtige Erfolgsfaktor ist, dass Sie die für sich passende Behandlungsform finden. Manche Menschen kommen besser mit einer Verhaltenstherapie, manche besser mit analytischer Psychotherapie oder tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie zurecht. Für einige ist eine Gruppentherapie besser geeignet als eine Einzeltherapie. Auch hier sollten Sie im Verlauf der Therapie gemeinsam überprüfen, ob das Verfahren zu Ihnen passt.

Hinweis

Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen auf jeden Fall die ersten Gespräche. Diese dienen dazu, dass sich die Beteiligten näher kennenlernen, gemeinsam die Therapieziele festlegen, sich über Behandlungsalternativen informieren oder organisatorische Fragen klären. Sie sollen Ihnen ausdrücklich helfen, den richtigen Psychotherapeuten zu finden.

Diese ersten Gespräche werden auch "probatorische Sitzungen" genannt – also Sitzungen, in denen Sie ausprobieren sollen, ob die Psychotherapeutin und die Behandlungsmethode wirklich zu Ihnen passen.

Nach den ersten Treffen ist die Psychotherapie eine antragspflichtige Leistung. Das heißt: Wenn Sie sich mit dem Psychotherapeuten über die Aufnahme einer Behandlung geeinigt haben, müssen Sie gemeinsam bei Ihrer Krankenkasse einen Antrag stellen. Sobald die Bewilligung der Krankenkasse vorliegt, kann die Therapie beginnen.

Egal für welche Therapieform Sie sich entscheiden, Ihr Psychotherapeut sollte:

  • Sie ermutigen und Ihnen Hoffnung geben;
  • einfühlsam sein und eine vertrauensvolle Beziehung zu Ihnen aufbauen;
  • fragen, was Sie zur Therapie bewegt hat und welche Erwartungen Sie an die Behandlung haben;
  • Ihnen erklären, wie die Krankheit entstanden ist;
  • Ihnen die Gewissheit geben, dass der Grund für Ihre Erkrankung nicht mit persönlichem Versagen oder Schuld zu tun hat;
  • Ihnen vermitteln, dass die Erkrankung behandelt werden kann und warum eine Therapie für Sie wichtig ist;
  • Probleme, Konflikte oder belastende Ereignisse klären, die möglicherweise zur Entstehung der Depression beigetragen haben;
  • mit Ihnen gemeinsam Ziele formulieren, die Ihnen aus der Depression heraushelfen (zum Beispiel besseres Verstehen der Krankheitsursachen, besserer Umgang mit konflikthaften Situationen und Beziehungen, Erlernen neuer Verhaltensweisen);
  • Ihnen ermöglichen, auch Ihre Angehörigen in die Behandlung einzubeziehen, wenn Sie es wünschen;
  • mit Ihnen zusammen Strategien erarbeiten, die Sie im Notfall anwenden können.

Eine Psychotherapie schafft nicht alle Ihre Probleme aus der Welt. Sie werden sich auch nach einer erfolgreichen Behandlung immer wieder Konflikten gegenüber finden, die Sie belasten. Aber Sie werden dann hoffentlich besser gewappnet sein, mit solchen Belastungen umzugehen.

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Wenn Sie sich für eine Psychotherapie entschieden haben, werden Sie vielleicht feststellen: Es kann schwer sein, eine psychotherapeutische Praxis zu finden, die einen freien Platz für Sie hat. Einige Regionen Deutschlands sind mit Psychotherapeuten unterversorgt, und längere Wartezeiten auf einen Termin sind durchaus üblich. Häufig ist es leichter, einen Platz in einer Gruppenpsychotherapie als in einer Einzeltherapie zu finden. Suchen Sie Menschen, die Sie emotional oder bei der Suche unterstützen. Das kann Ihre Hausärztin, ein Kassenmitarbeiter, eine Kliniksozialarbeiterin, ein Freund oder eine Angehörige sein. Bleiben Sie am Ball – was natürlich gerade bei einer depressiven Erkrankung leichter gesagt als getan ist.

Medikamente

Bei einer Depression können auch Medikamente zum Einsatz kommen, die auf die Psyche wirken. Sie heißen "Antidepressiva", da sie gezielt gegen depressive Beschwerden wirken (Einzahl: ein Antidepressivum). Es gibt mehrere Wirkstoffe, die depressive Beschwerden lindern können. Ihre Einteilung in Gruppen richtet sich danach, an welcher Stelle im Hirnstoffwechsel sie ansetzen.

Der Stoffwechsel im Gehirn

Antidepressiva greifen chemisch in den Hirnstoffwechsel ein und beeinflussen bestimmte Botenstoffe. Dabei handelt es sich zumeist um Serotonin und Noradrenalin. Diese sollen in engem Zusammenhang mit depressiven Erkrankungen stehen.

Das Gehirn besteht aus Milliarden von Nervenzellen. Wie in einem feinen Netz sind diese Nervenzellen durch ihre Ausläufer, die Nervenfasern, miteinander verbunden. Reize und Informationen fließen wie elektrischer Strom durch dieses Netz und werden so von Zelle zu Zelle weitergeleitet. Doch wo die Nervenfasern verschiedener Zellen einander berühren, bleibt ein winziger Spalt. Hier kann der Strom nicht ohne weiteres weiterfließen. In diesem sogenannten synaptischen Spalt müssen die Informationen mit Hilfe von chemischen Stoffen zur nächsten Zelle transportiert werden: Die Nervenfaser, von der ein Impuls kommt, gibt einen Botenstoff in den Spalt ab. Dieser wandert durch den Spalt und dockt an die benachbarte Nervenfaser an. Damit löst er einen neuen elektrischen Impuls aus, der die Information weiterleitet.

Antidepressiva greifen in diesen Mechanismus ein.

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Abbildung 3: Übertragung von Nervenreizen

Wirksamkeit

Die Wirksamkeit von Medikamenten wird in sogenannten kontrollierten Studien nachgewiesen. Dort gibt es zwei Gruppen von Menschen. Die einen bekommen das zu untersuchende Antidepressivum, die anderen eine Tablette ohne Wirkstoff (Placebo) oder ein anderes Mittel gegen Depression. Dabei bleibt den Teilnehmenden wie auch dem Forscherteam unbekannt, wer was bekommen hat, damit nicht Erwartungshaltungen, Enttäuschungen oder andere Umstände das Ergebnis verfälschen. Alle anderen Umstände der Behandlung sind gleich. Nach einer gewissen Zeit wird geprüft, bei wem eine Verbesserung eingetreten ist. In sehr vielen solchen aussagekräftigen Studien hat sich gezeigt, dass sich durch die Einnahme von Antidepressiva die Beschwerden bei Menschen mit einer Depression bessern. Die Untersuchungen sind in der Leitlinie "Unipolare Depression" aufgeführt und dort nachprüfbar. Es lassen sich aus diesen Studien aber keine grundsätzlichen Aussagen darüber ableiten, welches Mittel bevorzugt eingesetzt werden sollte, da alle in ihrer Wirksamkeit in etwa vergleichbar sind. Die Leitlinie spricht daher keine konkrete Empfehlung für oder gegen ein bestimmtes Antidepressivum aus.

Wirksamkeit nach 12 Wochen Behandlung

Antidepressivum:

5 bis 6 von 10 Menschen zeigen eine Verbesserung der Symptome

Placebo (Tablette ohne Wirkstoff, "Zuckerpille"):

2 bis 3 von 10 Menschen zeigen eine Verbesserung der Symptome

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Das bedeutet:

  1. Bei mehr als der Hälfte der Personen zeigt die Behandlung mit Medikamenten nach 12 Wochen Erfolg.
  2. Bei 2 bis 3 von diesen 10 Personen ist dieser Behandlungserfolg jedoch gar nicht auf das Medikament zurückzuführen.

Grundsätzlich gilt: Je schwerer eine Depression ist, desto eher haben Betroffene einen Nutzen von einer Behandlung mit Antidepressiva. Die Behandlung einer leichten Depression mit Medikamenten wird daher nur unter bestimmten Voraussetzungen empfohlen (siehe Kapitel "Leichte Depression").

Wann setzt die Wirkung ein?

Wenn eine Besserung eintritt, dann geschieht das in etwa drei Viertel der Fälle innerhalb der ersten beiden Wochen. Damit wirken Antidepressiva nicht schneller als ein Placebo. Sie helfen aber bei mehr Menschen.

Auf welche Krankheitsanzeichen ein Medikament zuerst wirkt, lässt sich nicht vorhersagen. Es lässt sich auch nicht voraussagen, ob und wann eine Person auf ein bestimmtes Medikament anspricht: Etwa ein Drittel aller Patientinnen hat trotz eines Medikaments weiter depressive Beschwerden. Wenn ein einziges Arzneimittel die Beschwerden nicht lindert, kann eine Therapieänderung sinnvoll sein. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten (mehr Information im Kapitel "Und wenn die Behandlung nicht wirkt?").

Wird die Behandlung angepasst, geht es etwa der Hälfte der betroffenen Personen daraufhin besser. Insgesamt ist eine gut eingestellte Behandlung bei drei Viertel der Patienten wirksam. Die Hälfte davon ist nach einer Behandlung vollständig wiederhergestellt, bei der anderen Hälfte verbessern sich zumindest die Beschwerden. Wer von einer Behandlung mit Antidepressiva den größten Nutzen hat, lässt sich allerdings nicht vorhersagen.

Hinweis

Antidepressiva wirken nur, wenn sie in ausreichender Dosis über einen angemessenen Zeitraum regelmäßig eingenommen werden. Durch eine gewissenhafte Einnahme können Sie zum Behandlungserfolg beitragen. Ein zu frühes Absetzen – "weil es ja schon wieder besser geht" – ist von Nachteil. Dies kann einen Rückfall zur Folge haben. Auch die Dosis sollten Sie auf keinen Fall eigenständig verändern.

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Welches Medikament bei Ihnen eingesetzt werden sollte, richtet sich unter anderem nach den möglichen Nebenwirkungen und den Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, die Sie vielleicht einnehmen. Weitere Erkrankungen und Ihre Wünsche spielen ebenfalls eine Rolle.

Nebenwirkungen von Medikamenten

Nebenwirkungen sind etwas ganz Normales. Neben den "erwünschten" Effekten können auch "unerwünschte" Arzneimittelwirkungen vorkommen. Bei richtiger Verordnung und Einnahme der Präparate können diese jedoch in vielen Fällen vermieden oder so gering wie möglich gehalten werden. Darüber hinaus tritt nicht jede Nebenwirkung bei jedem Menschen auf, manche sind sogar nur sehr selten. Außerdem treten einige Begleiterscheinungen vor allem zu Therapiebeginn auf und lassen mit der Zeit nach oder verschwinden ganz.

Hinweis
Antidepressiva machen nicht abhängig. Sie gehören zwar zu den Psychopharmaka, aber es besteht keine Suchtgefahr.

Ob der erwartete Nutzen eines Medikamentes größer ist als die möglichen Nebenwirkungen, das können am Ende nur Sie selbst entscheiden: Denn es geht um Ihre Wünsche und Ihre Ansprüche sowie um den Nutzen, den Sie erwarten, und die Nebenwirkungen, die Sie beeinträchtigen. Am besten besprechen Sie mit Ihrem Arzt, was Sie von der Behandlung erwarten, damit Sie gemeinsam die für Sie beste Lösung finden. Dabei sollten Sie beide auch Wechselwirkungen beachten: Manche Arzneimittel verstärken oder mindern sich gegenseitig in ihrer Wirkung. Es ist daher gut, wenn Sie eine Medikamentenliste zum Arztgespräch mitbringen (siehe Hinweis zum Medikationsplan im Kapitel "Andere Krankheiten ausschließen").

Inzwischen gibt es eine genaue Vorschrift, wie auf Beipackzetteln die Häufigkeit einer Nebenwirkung zu beschreiben ist:

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Tabelle 1: Häufigkeit bei Nebenwirkungen

Bezeichnung

Bei wie vielen Personen tritt die Nebenwirkung auf?

sehr selten

Bei weniger als einer von 10 000 Personen

selten

Bei 1 von 10 000 bis 1 von 1 000 Personen

gelegentlich

Bei 1 von 1 000 bis 1 von 100 Personen

häufig

Bei 1 von 100 bis 1 von 10 Personen

sehr häufig

Bei mehr als einer von 10 Personen

Die Neben- und Wechselwirkungen der einzelnen Antidepressiva sind unterschiedlich. Deshalb nennen wir auf den nächsten Seiten die typischen Nebenwirkungen für alle gängigen Wirkstoffe. In dieser Patientenleitlinie ist es nicht möglich, alle unerwünschten Arzneimittelwirkungen und Gegenanzeigen eines jeden Wirkstoffs aufzuzählen. Lesen Sie daher die Packungsbeilage durch und fragen Sie bei Unklarheiten bei Ihrer Ärztin nach. Informieren Sie Ihren Arzt, wenn Sie bei sich Veränderungen beobachten, die mit dem Medikament in Zusammenhang stehen könnten.

Im Folgenden stellen wir Ihnen alle Medikamente mit ihrem Wirkstoffnamen vor. Bekannter ist meist der Handelsname, den eine Firma ihrem Arzneimittel gibt. Er ist gleich auf den ersten Blick auf der Medikamentenpackung zu erkennen. Je nach Hersteller variieren die Handelsnamen jedoch – auch wenn der gleiche Wirkstoff enthalten ist. Auch der Wirkstoff eines jeden Medikaments und seine Mengenangabe ist außen auf der Packung vermerkt – in der Regel allerdings nur in kleiner Schriftgröße. Sie finden ihn oft unter dem Namen des Arzneimittels stehend, mit der Kennzeichnung "Wirkstoff: …".

Sie finden in dieser Patientenleitlinie nur Wirkstoffgruppen, die in der Leitlinie derzeit aufgeführt werden. Aber die Forschung geht weiter. Immer wieder werden neue Wirkstoffe getestet. Wenn sie sich nach kritischer Bewertung aller vorhandenen Daten als wirksam erwiesen haben, nimmt die Expertengruppe sie in die Leitlinie auf. Dann wird auch diese Patientenleitlinie aktualisiert.

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Antidepressiva – Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Tri- und tetrazyklische Antidepressiva (TZA)

TZA stehen für die Behandlung der Depression schon seit den 50er Jahren zur Verfügung. Diese Medikamente hemmen die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin. Dadurch verbleiben diese länger im synaptischen Spalt und können dort weiterhin Reize übertragen. Allerdings wirken TZA nicht nur auf diese beiden Botenstoffe. Sie blockieren auch die "Andockstellen" weiterer Botenstoffe (zum Beispiel Histamin oder Acetylcholin). Damit können sie weitere teils erwünschte oder unerwünschte Wirkungen haben, wie Schlafförderung oder Mundtrockenheit.

Nebenwirkungen

Unter TZA können Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System auftreten: zum Beispiel Herzrasen, Herzrhythmusstörungen, plötzlicher Blutdruckabfall nach dem Aufstehen, Schwindel oder Kreislaufprobleme. Deshalb ist ein EKG vor und während der Behandlung notwendig. Die Medikamente können ebenfalls Mundtrockenheit, Sehstörungen, Leberprobleme, Schwierigkeiten beim Wasserlassen oder Verstopfung auslösen. Solche Nebenwirkungen sind bei der Einnahme von TZA nach Meinung der Expertengruppe zu beachten. Besonders bei Menschen mit einer koronaren Herzerkrankung, erhöhtem Augeninnendruck, Prostatavergrößerung, Epilepsie, Verdauungsstörungen oder Verwirrung können vermehrt unerwünschte Wirkungen auftreten.

Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI)

SSRI sorgen dafür, dass der Botenstoff Serotonin von der Nervenzelle, von der er abgegeben wurde, nicht wieder zurück aufgenommen wird. Nachdem er das Signal übertragen hat, bleibt er dadurch länger im synaptischen Spalt und kann dort weiterhin Reize übertragen.

Nebenwirkungen

Zu Beginn der Behandlung können häufiger Kopfschmerzen und Übelkeit auftreten. Zudem können sie Unruhe, Angstzustände und Schlaflosigkeit hervorrufen. Es kann also sein, dass einige Anzeichen der Depression sich vorübergehend sogar verstärken. Die Mittel können auch Blutungen im Magen-Darm-Trakt auslösen – besonders wenn Sie blutverdünnende Medikamente einnehmen, wie Acetylsalicylsäure (ASS). Außerdem kann sich ein sehr seltenes "Serotoninsyndrom" mit Verwirrtheit, Zittern, Frösteln, Schwitzen, Blutdruckveränderungen, unwillkürlichen Muskelzuckungen und Pupillenerweiterung einstellen. Deshalb empfiehlt die Leitlinie, dass bei Menschen, die SSRI erhalten, gerade in den ersten Wochen besonders aufmerksam auf diese Anzeichen geachtet werden sollte. Ihre Ärztin sollte Sie auf diese möglichen Nebenwirkungen hinweisen. Wenn Sie solche Beschwerden haben, sollten Sie sofort ärztliche Hilfe suchen.

Auch das sexuelle Erleben kann beeinträchtigt sein: Es können Orgasmusstörungen und bei Männern verzögerte Samenergüsse auftreten.

Es gibt Hinweise, dass SSRI bei älteren Menschen zu einer Abnahme der Knochendichte und damit zu einer erhöhten Knochenbruchgefahr führen können.

Studien legen nahe, dass es bei unter 25-jährigen Menschen, die SSRI einnehmen, etwas häufiger zu Suizidversuchen kommt. Die gefundenen Untersuchungen liefern keinen Hinweis darauf, dass auch bei älteren Erwachsenen eine erhöhte Selbsttötungsgefahr besteht.

Werden SSRI am Ende der Behandlung zu abrupt abgesetzt, kann es zu Schwindel, Kribbeln, Kopfschmerzen und Übelkeit kommen. Deswegen soll die Therapie nach und nach – man sagt: "ausschleichend" – beendet werden.

Bei Frauen mit Brustkrebs, die mit Tamoxifen behandelt werden, kommen nur bestimmte Wirkstoffe aus der Gruppe der SSRI in Frage. Fragen Sie dazu Ihren behandelnden Arzt.

Monoaminoxidase-Hemmstoffe (MAO-Hemmer)

Die Monoaminoxidase (kurz: MAO) ist ein Eiweißstoff (Enzym), der den Abbau von Serotonin und Noradrenalin bewirkt. MAO-Hemmer verhindern, dass dieses Enzym wirksam werden kann. Die beiden Botenstoffe werden dann weniger stark abgebaut und sind daher in höherer Konzentration vorhanden und können verstärkt Reize übertragen.

Zu den MAO-Hemmern gehören die Wirkstoffe Moclobemid und Tranylcypromin. Es gibt Hinweise, dass der MAO-Wirkstoff Tranylcypromin vor allem wirksam bei der Behandlung von Depressionen ist, die auf andere Antidepressiva nicht ansprechen.

Nebenwirkungen

Bei kürzer anhaltendem Einsatz von MAO-Hemmern gibt es nur geringe Nebenwirkungen, zum Beispiel Mundtrockenheit. Bei Tranylcypromin müssen Sie jedoch eine besondere Diät einhalten. Sie dürfen bestimmte Getränke oder Lebensmittel nicht zu sich nehmen, wie einige Käsesorten, Rotwein oder Fertigprodukte. Ansonsten kann der Blutdruck bedrohlich ansteigen.

MAO-Hemmer sollten nicht mit anderen Antidepressiva kombiniert werden, weil hier verstärkt die Gefahr eines Serotonin-Syndroms besteht.

Selektive Serotonin-/Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI)

Ähnlich wie die selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer und die TZA verhindern diese Wirkstoffe, dass Serotonin und Noradrenalin wieder in die ausschüttende Nervenzelle aufgenommen werden. So erhöhen sie die Konzentration der beiden Botenstoffe im synaptischen Spalt. Reize können verstärkt übertragen werden.

Zu dieser Gruppe zählen die beiden Wirkstoffe Duloxetin und Venlafaxin.

Nebenwirkungen

Bei Venlafaxin können sich besonders zu Beginn der Behandlung Appetitlosigkeit, Übelkeit und sexuelle Funktionsstörungen zeigen. Bei höheren Dosierungen kann der Blutdruck ansteigen. Innere Unruhe und Schlafstörungen können auftreten. Die Einnahme von Duloxetin wird häufig von Übelkeit, trockenem Mund, Verstopfung und Schlaflosigkeit begleitet. Der Wirkstoff kann zudem Probleme beim Wasserlassen verursachen. Bei zu raschem Absetzen von SSNRI kann es zu ausgeprägten Nebenwirkungen kommen; daher sollten sie eher langsam "ausgeschlichen" werden.

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Alpha2-Rezeptor-Antagonisten

Sogenannte Alpha2-Rezeptor-Antagonisten haben einen andersartigen Wirkmechanismus, der auf indirektem Weg die Wirkung der Botenstoffe verstärkt: Sie verhindern, dass Mechanismen wirksam werden können, welche die Freisetzung von Serotonin und Noradrenalin hemmen.

Wirkstoffe aus dieser Gruppe sind Mianserin und Mirtazapin.

Nebenwirkungen

Neben Müdigkeit ist längerfristig eine Gewichtszunahme beobachtet worden.

Gründe die gegen dieses Mittel sprechen, sind schwere Leber- oder Nierenerkrankungen.

Selektive Noradrenalin-Dopamin-Wiederaufnahmehemmer

Der Wirkstoff Bupropion hemmt sowohl die Wiederaufnahme von Noradrenalin als auch von Dopamin. Dadurch soll sich die Stimmung aufhellen.

Nebenwirkungen

Sehr häufige Nebenwirkungen sind Schlaflosigkeit, Mundtrockenheit, Übelkeit und Kopfschmerzen. Zudem kann die Haut empfindlich reagieren.

Melatonin-Rezeptor-Agonist und Serotonin-5-HT2C-Rezeptor Antagonist

Hierunter fällt der Wirkstoff Agomelatin. Wie der Name schon andeutet, ist Agomelatin mit dem körpereignen Hormon Melatonin verwandt. Melatonin steuert den Tag-Nacht-Rhythmus, der bei Depressionen beeinträchtigt sein soll. Inwieweit die Melatonin-ähnliche Wirkung des Mittels zur Linderung depressiver Beschwerden beiträgt, ist noch unklar. Daneben regt das Mittel bestimmte Andockstellen des Botenstoffs Serotonin im Gehirn an.

Nebenwirkungen

Zu den häufigen Nebenwirkungen zählen Kopfschmerzen, Schwindel, Schläfrigkeit, Schlaflosigkeit, Übelkeit und Schwitzen. Weil die Substanz die Funktion der Leber beeinflussen kann, ist eine regelmäßige Kontrolle der Leberwerte vor und während der Behandlung wichtig.

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Serotonin-Wiederaufnahme-Verstärker

Hier gibt es den Wirkstoff Tianeptin, der seit 2012 in Deutschland als Antidepressivum zugelassen ist. Er verstärkt die Wiederaufnahme von Serotonin aus dem synaptischen Spalt.

Nebenwirkungen

Häufig kommt es zu Alpträumen, Schlaflosigkeit, Schläfrigkeit, Schwindel oder Kopfschmerzen. Er kann auch zu Magen-Darm-Beschwerden führen, wie Bauchschmerzen, Blähungen, Übelkeit oder Erbrechen.

Trazodon

Die Substanz Trazodon ist kein "klassisches Antidepressivum". Es beeinflusst die Aktivität von Serotonin, indem es die Wiederaufnahme des Botenstoffs in die Nervenzelle verhindert und einige Andockstellen für Serotonin blockiert. Außerdem gehört es zu den Alpha-2-Antagonisten (siehe Kapitel "Alpha2-Rezeptor-Antagonisten"). Das Mittel macht müde und eignet sich daher zur Einnahme vor dem Schlafengehen.

Nebenwirkungen

Bei Personen, die Trazodon einnehmen, können Müdigkeit, Schwindel, Magen-Darm-Beschwerden und Mundtrockenheit auftreten. Das Mittel kann Herzrhythmusstörungen und Probleme mit dem Blutdruck auslösen.

Lithium

Lithium gehört nicht direkt zu den Antidepressiva, sondern zu jenen Medikamenten, welche die Stimmung stabilisieren. Es ist ein in der Natur vorkommendes Salz, welches das Gleichgewicht verschiedener Botenstoffe verändert und die Signalübertragung im Gehirn beeinflusst. Lithium sollte nur von erfahrenen Fachärztinnen, insbesondere Psychiaterinnen, verschrieben werden.

Zeigt ein Antidepressivum nicht den gewünschten Erfolg, kann Lithium in einem nächsten Schritt ergänzend gegeben werden (mehr dazu unter "2. Die Wirkung verstärken"). Eine kombinierte Behandlung von Antidepressivum und Lithium lindert die Beschwerden von Menschen mit einer Depression besser als ein Placebo zusätzlich zu einem Antidepressivum. Das zeigen Ergebnisse mehrerer aussagekräftiger Studien.

Außerdem kann Lithium bei der Vorbeugung gegen Wiedererkrankungen in Frage kommen. Die vorbeugende Wirkung wurde in zahlreichen hochwertigen Untersuchungen nachgewiesen.

Nebenwirkungen

Bei der Anwendung kann es zu Muskelschwäche, Zittern oder Durchfällen kommen, außerdem zu vermehrtem Ausscheiden von Harn und starkem Durst. Die Einstellung der Dosis muss regelmäßig kontrolliert werden. Das kann nur über die Laborkontrolle der Blutwerte geschehen. Deswegen nimmt der Arzt Ihnen Blut ab. Daneben kann Lithium die Funktion der Schilddrüse abschwächen. Das lässt sich von der Ärztin mit Tabletten mit L-Thyroxin, einem künstlich hergestellten Schilddrüsenhormon, behandeln.

Menschen mit schweren Nieren- oder Herzerkrankungen dürfen Lithium nicht einnehmen.

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Pflanzliche Wirkstoffe

Unter den pflanzlichen Antidepressiva spielt Johanniskrautextrakt eine Rolle. Wegen seiner vermeintlich geringen Nebenwirkungen wird es in Deutschland häufig verordnet. Allerdings ist seine Wirkung umstritten: Es gibt Studien, die eine erhöhte Wirksamkeit gegenüber einem Placebo nachweisen, aber auch solche, die das widerlegen. Eine Analyse aller vorhandenen Studien kommt zu dem Ergebnis, dass Johanniskraut bei leichter und mittelschwerer Depression die Beschwerden möglicherweise bessert, bei schwerer Depression aber nicht. Doch die Dosierung in einzelnen Präparaten mit Johanniskrautextrakt ist sehr verschieden und daher nur schwer vergleichbar. Ärzte sollten nur solche Präparate verordnen, deren Wirksamkeit in Studien nachgewiesen wurde und die als verschreibungspflichtige Arzneimittel zugelassen sind.

Nach Meinung der Expertengruppe sollten Ärztinnen Betroffene, die ein solches pflanzliches Arzneimittel nehmen, über die unterschiedliche Wirkstärke der Zubereitungen und die damit einhergehenden Unsicherheiten informieren. Außerdem sollten sie über mögliche schwere Wechselwirkungen von Johanniskraut mit anderen Medikamenten aufklären.

Wichtig zu wissen: Wechselwirkungen

Johanniskraut kann die Wirkung anderer Medikamente beeinträchtigen. Vor allem die Pille zur Verhütung von Schwangerschaften kann unwirksam werden. Blutverdünnende Medikamente und Medikamente zur Behandlung von Epilepsie werden in ihrer Wirkung gemindert.

Nebenwirkungen

Johanniskraut ist meist gut verträglich, obwohl einschränkend gesagt werden muss, dass die meisten Studien nur relativ wenige Teilnehmende hatten und deshalb nicht sehr aussagekräftig sind. Mögliche Nebenwirkungen sind Lichtempfindlichkeit, Magen-Darm-Beschwerden, Müdigkeit und Unruhe.

Bei einer schweren depressiven Episode und Empfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht darf Johanniskraut nicht eingesetzt werden.

Überblick: Wirkstoffgruppen und Wirkstoffe

Tabelle 2: Wirkstoffgruppen und Wirkstoffe


WirkstoffgruppeWirkstoff
 TZA  Amitriptylin
 Amitriptylinoxid
 Clomipramin
 Desipramin
 Doxepin
 Imipramin
 Maprotilin
 Nortriptylin
 Trimipramin
 SSRI  Citalopram
 Escitalopram
 Fluoxetin
 Fluvoxamin
 Paroxetin
 Sertralin
 Vortioxetin
 MAO-Hemmer   Moclobemid
 Tranylcypromin
 SSNRI   Venlafaxin
 Duloxetin
 Alpha2-Rezeptor-Antagonisten   Mianserin
 Mirtazapin
 Selektive Noradrenalin-Dopamin-Wiederaufnahmehemmer  Bupropion
 Melatonin-Rezeptor-Agonist und Serotonin-5-HT2C-Rezeptor-Antagonist  Agomelatin
 Serotonin-Wiederaufnahme-Verstärker  Tianeptin
 Nichtklassifizierte Antidepressiva  Trazodon
 Lithiumsalze
 Pflanzliche Arzneimittel Johanniskraut

Hinweis: In dieser Tabelle finden Sie die Namen der einzelnen Wirkstoffe, nicht die Handelsnamen der Medikamente. Aber auf jeder Medikamentenpackung muss der Wirkstoff angegeben sein.

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Weitere Medikamente

Antipsychotika

Mit Antipsychotika oder Neuroleptika werden eigentlich Schizophrenien oder Psychosen behandelt. Sie helfen gegen Wahnideen und Halluzinationen.

Nur für den Wirkstoff Quetiapin aus der Gruppe der Antipsychotika ist der Nutzen bei Depressionen belegt: Eine hochwertige Studie ergab, dass Quetiapin allein bei einer Depression die Beschwerden stärker lindert als ein Placebo. Allerdings hat sich der Wirkstoff nicht wirksamer als ein Antidepressivum erwiesen und hatte mehr Nebenwirkungen.

Kein sogenanntes Antipsychotikum der zweiten Generation, auch atypische Neuroleptika genannt, ist derzeit als Einzeltherapie bei einer unipolaren Depression zugelassen. Die Leitlinie rät dazu, diese Mittel nicht einzusetzen.

Benzodiazepine

Diese Schlaf- und Beruhigungsmittel sind in Deutschland nicht zur Behandlung der Depression zugelassen.

Benzodiazepine machen schnell abhängig: Bereits nach zwei Wochen gewöhnt sich der Körper an das Medikament, nach drei- bis vierwöchiger Einnahme kann sich eine Abhängigkeit entwickeln.

Um Abhängigkeiten zu vermeiden, gibt es die sogenannte 4-K-Regel zur Anwendung von Benzodiazepinen:

  • klare medizinische Notwendigkeit;
  • kleinste notwendige Dosis;
  • kurze Anwendung;
  • kein abruptes Absetzen.

Über die Risiken und die richtige Anwendung von Schlaf- und Beruhigungsmittel informiert das Faltblatt "Medikamenteneinnahme: Risiken vermeiden. Medikamente mit Abhängigkeitsrisiko: 4-K-Regel für den Umgang". Kostenlos im Internet unter: www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/Broschueren/4-K-Regel.pdf.

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5.6 Was die Leitlinie empfiehlt

Bei einer Depression richtet sich die Behandlung nach dem Schweregrad (siehe Kapitel "Schweregrade"). Auf Grundlage von vorliegenden Studiendaten spricht die Leitlinie folgende Empfehlungen aus:

Leichte Depression

Bei einer leichten Depression ist es sehr wahrscheinlich, dass Sie auch ohne Behandlung wieder gesunden. Nach Meinung der Expertengruppe können Ärzte und Psychotherapeutinnen daher zunächst abwarten und die Beschwerden beobachten, bevor sie eine Behandlung einleiten. Während dieser Zeit werden Sie dennoch ärztlich und psychotherapeutisch begleitet und betreut.

Wenn sich nach spätestens zwei Wochen die Beschwerden nicht bessern oder sogar verschlechtern, soll Ihre Ärztin oder Ihr Psychotherapeut nach Meinung der Expertengruppe mit Ihnen über eine Ausweitung der Behandlung sprechen. Bei einer leichten Depression können zunächst zum Beispiel unterstützende Gespräche, eine allgemeine Beratung, Schulungen, Selbsthilfebücher oder Onlineprogramme zum Einsatz kommen, bevor eine Behandlung mit Medikamenten oder Psychotherapie begonnen wird. Ausführliche Informationen zu diesen Behandlungsmöglichkeiten finden Sie in den Kapiteln "Überblick: Methoden und Ziele der Behandlung" und "Informationsangebote".

Bessern sich die Beschwerden durch diese einfachen Maßnahmen nicht, soll Ihnen eine Psychotherapie angeboten werden.

Antidepressiva sollten nicht generell zur Erstbehandlung bei einer leichten Depression eingesetzt werden. Grund ist, dass Antidepressiva bei leichten Depressionen nicht wirksamer sind als Placebo. Damit steht der Nutzen meist in keinem angemessenen Verhältnis zu den möglichen Nebenwirkungen.

Nach Meinung der Expertengruppe können jedoch folgende Umstände für eine medikamentöse Behandlung auch bei leichter Depression sprechen:

  • Sie selbst wünschen eine Behandlung mit Antidepressiva ausdrücklich;
  • Sie haben in der Vergangenheit schon gut auf Antidepressiva angesprochen;
  • Ihre Beschwerden bestehen nach einer anderen Behandlung noch weiter;
  • Sie haben in der Vergangenheit schon eine mittelgradige oder schwere Depression gehabt.

Nach Meinung der Expertengruppe kann bei einer leichten Depression auch ein erster Therapieversuch mit Johanniskraut unternommen werden, wenn eine Behandlung mit Medikamenten erwogen wird.

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Mittelgradige Depression

Menschen mit einer mittelschweren Depression soll entweder eine Psychotherapie oder eine Behandlung mit Antidepressiva angeboten werden. Die verschiedenen Antidepressiva unterscheiden sich nicht in ihrer Wirksamkeit aber in ihren Neben- und Wechselwirkungen.

Psychotherapie und Antidepressiva sind bei einer mittelschweren Depression in etwa gleichermaßen wirksam. Allerdings belegen hochwertige Studien, dass eine Kombination beider Verfahren keinen Vorteil hat.

Auch bei einer mittelgradigen Depression kann nach Meinung der Expertengruppe eine Behandlung mit Johanniskraut erwogen werden (siehe auch Kapitel "Pflanzliche Wirkstoffe").

Schwere Depression

Bei einer schweren Depression ist eine kombinierte Behandlung aus Medikamenten und Psychotherapie am wirksamsten. Die Kombinationsbehandlung lindert die Beschwerden stärker als eine alleinige Psychotherapie oder eine alleinige medikamentöse Therapie. Dafür hat die Expertengruppe viele Belege gefunden. Daher soll bei einer schweren Depression eine Kombinationsbehandlung angeboten werden.

Wenn eine Kombinationsbehandlung nicht in Frage kommt, sollen Ihnen eine alleinige Psychotherapie und eine alleinige Behandlung mit Medikamenten als gleichwertige Alternativen angeboten werden.

Auch wenn Sie an einer schweren und wiederkehrenden Depression leiden, soll der Arzt vorrangig prüfen, ob eine Kombinationsbehandlung sinnvoller ist, als eine alleinige Psychotherapie oder Behandlung mit Medikamenten. Außerdem gibt es Hinweise aus Studien, dass eine gleichzeitige Psychotherapie Menschen mit einer Depression bei der Medikamenteneinnahme unterstützt.

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Abbildung 4: Behandlung von Depressionen


Grundsätze für die Behandlung mit Antidepressiva

Nach Meinung der Expertengruppe sollte die Behandlung mit einem Antidepressivum in der Regel mit einer niedrigen Dosis beginnen. Diese wird schrittweise erhöht, bis die richtige Dosis für Sie erreicht wird. Bis Antidepressiva wirken, kann jedoch einige Zeit vergehen. Wenn Sie die richtige Dosis bekommen, sollte nach Meinung der Expertengruppe vier Wochen abgewartet werden, bis Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin beurteilen, ob die Behandlung erfolgreich war. Es kann sinnvoll sein, dass Sie und Ihr Arzt bereits im Voraus einen Termin festlegen, an dem Sie gemeinsam den Behandlungserfolg überprüfen. Dafür ist es hilfreich, dass Sie sich beide schon vor Beginn der medikamentösen Behandlung genau aufschreiben, wie stark Ihre Beschwerden sind.

Hat die Behandlung angeschlagen, sollten Sie nach Meinung der Expertengruppe die medikamentöse Behandlung fortsetzen, bis Sie keine Beschwerden mehr haben.

In den ersten vier Therapiewochen sollte Ihre Ärztin Sie nach Meinung der Expertengruppe genau aufklären und möglichst eng betreuen. Im Aufklärungsgespräch geht es um:

  • Ihre Bedenken, die Sie vielleicht gegenüber Antidepressiva haben;
  • Wirkungsmechanismen der Antidepressiva;
  • die Zeit, die es dauert, bis die Behandlung wirkt;
  • mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten;
  • Nebenwirkungen;
  • Behandlungsdauer.

Während der Therapie kontrolliert Ihr Arzt regelmäßig, ob diese anspricht. Er kann dadurch auch Komplikationen oder Nebenwirkungen frühzeitig erkennen und, falls notwendig, die Behandlung ändern. Nach Meinung der Expertengruppe ist in den ersten vier Wochen eine wöchentliche Überprüfung empfehlenswert. Im zweiten und dritten Monat werden Kontrollbesuche alle zwei bis vier Wochen angeraten, danach in längeren Abständen. Des Weiteren vertritt die Expertengruppe die Meinung, dass:

  • Ihre Ärztin spätestens nach vier Wochen die Wirkung Ihrer Behandlung prüfen sollte. Wenn nötig, sollten Sie gemeinsam entscheiden, ob das Medikament höher dosiert, gewechselt oder ein zusätzliches Medikament gegeben werden soll.
  • der Erfolg der Behandlung von vielen Faktoren abhängt. Auch Ihre Mitarbeit spielt eine Rolle. Deshalb sollte Ihr Arzt diese überprüfen, wenn sich Ihre Beschwerden nicht bessern (siehe auch Kapitel "Und wenn die Behandlung nicht wirkt?").
  • das Blutbild und die Leberwerte untersucht werden sollten, wenn Sie Antidepressiva einnehmen. Es kann sein, dass diese Kontrollen vor und während der Behandlung vorgenommen werden.
  • Gewichtskontrollen bei der Behandlung mit Antidepressiva wichtig sind: Bestimmte Mittel können dazu führen, dass Sie zunehmen.
  • in bestimmten Fällen EKG-Kontrollen wichtig sind.
  • Antidepressiva zu Beginn der Behandlung möglicherweise das Risiko für Suizidgedanken und -versuche vor allem bei jüngeren Menschen erhöhen. Deshalb sollten Ärztinnen und Psychotherapeuten jedem, der Antidepressiva bekommt, besondere Aufmerksamkeit widmen. Dabei sollten sie auf Anzeichen für ein höheres Risiko für Selbsttötung achten.
  • beim Absetzen der Medikation Antidepressiva in der Regel schrittweise über einen Zeitraum von vier Wochen ausgeschlichen werden sollten. Dieser Zeitraum kann bei einigen Arzneimitteln gegen Depressionen länger sein, bei Fluoxetin hingegen gewöhnlich kürzer.

Um erneute depressive Beschwerden zu verhindern, schließt sich an die erste Behandlungsphase die "Erhaltungstherapie" (siehe Kapitel "Behandlungsphasen") an. Über einen Zeitraum von vier bis neun Monaten sollen Sie das verschriebene Antidepressivum in gleicher Dosis weiter erhalten. Wenn Sie weniger einnehmen, steigt das Risiko eines frühen Rückfalls.

Falls Sie in der Vergangenheit bereits zwei oder mehr depressive Episoden mit schweren Beeinträchtigungen hatten, sollten Sie das Antidepressivum über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren einnehmen. So können Sie unter Umständen einem weiteren Rezidiv vorbeugen. Die Dosis sollte so hoch sein wie bei der Akutbehandlung.

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Und wenn die Behandlung nicht wirkt?

Wenn die Behandlung mit einem Antidepressivum nach vier Wochen nicht wirkt, sollte Ihre Ärztin zunächst nach möglichen Ursachen dafür suchen. Vielen Betroffenen fällt es zum Beispiel schwer, ihre Tabletten regelmäßig zu nehmen. Es kann auch sein, dass das Mittel zu niedrig dosiert ist. Nach Meinung der Expertengruppe sollten Ärzte auch die Konzentration des verordneten Medikaments im Blut messen, wenn die Behandlung nach einer gewissen Zeit nicht anschlägt. Dazu nimmt man Ihnen Blut ab. Wichtig ist, dass die Blutabnahme erfolgt, bevor Sie die Tablette einnehmen.

Wenn eine Behandlung mit einem Antidepressivum die Beschwerden bei Ihnen nicht lindert, gibt es mehrere Möglichkeiten zu reagieren:

1. Die Dosis erhöhen

Bei vielen Antidepressiva kann es helfen, die Dosis anzuheben. Das trifft jedoch nicht für SSRI zu. Wenn die Dosis erhöht wird, steigt bei jedem Wirkstoff allerdings auch die Wahrscheinlichkeit von Nebenwirkungen.

2. Die Wirkung verstärken

Die Wirkung eines bestimmten Antidepressivums kann verbessert werden, wenn Sie zusätzlich ein weiteres Medikament erhalten.

Als Wirkungsverstärker können Lithiumsalze eingesetzt werden (vergleiche Kapitel "Lithium"). Einen Versuch sollten erfahrene Ärztinnen bei Ihnen erwägen, wenn Antidepressiva nicht geholfen haben. Nach Meinung der Expertengruppe sollte das Salz wieder abgesetzt werden, wenn zwei bis vier Wochen nach Erreichen eines ausreichenden Lithiumspiegels keine Wirkung zu beobachten ist. Wenn die Behandlung aber wirksam ist, sollten Sie nach Meinung der Expertengruppe Lithium zusammen mit dem Antidepressivum mindestens sechs Monate lang einnehmen.

Auch einige Wirkstoffe aus der Gruppe der Antipsychotika sollten als Wirkungsverstärker erwogen werden, um Beschwerden bei Depressionen zu verringern. Aus Studien geht hervor, dass Antidepressiva erfolgreicher sind, wenn sie mit den antipsychotischen Wirkstoffen Aripiprazol, Olanzapin, Quetiapin oder Risperidon kombiniert werden. Dabei haben Forschergruppen jedoch auch mehr Nebenwirkungen beobachtet. Allerdings ist in Deutschland nur Quetiapin für diesen speziellen Einsatz zugelassen.

Andere Medikamente, wie beispielsweise Schilddrüsenhormone oder Mittel gegen Krampfanfälle können routinemäßig nicht als Zusatzbehandlung empfohlen werden.

3. Das Medikament wechseln

In der Praxis wird häufig ein nicht wirksames Antidepressivum gegen ein anderes ausgetauscht. Die Leitlinie rät dazu, dass das neue Medikament aus einer anderen Wirkstoffklasse stammen sollte. Dieses Vorgehen heißt in der Fachsprache "Switching". Dessen Wirkung ist jedoch durch Studien nicht gut belegt und kann Wechselwirkungen nach sich ziehen. Deshalb ist es nicht die erste Wahl, wenn die Erstbehandlung die Beschwerden der Depression nicht bessert. Jeden Wechsel sollte der Arzt mit Ihnen sorgfältig prüfen. Wenn Sie dennoch umsteigen, sollte nach Meinung der Expertengruppe das neue Mittel schrittweise aufdosiert und das alte langsam abgesetzt werden.

Um besonders schwere Nebenwirkungen zu vermeiden, sollte bei einem Wechsel von bestimmten Medikamenten ein zeitlicher Abstand eingehalten werden. Wenn Sie von SSRIs, SNRI oder dem TZA Clomipramin auf einen MAO-Hemmer umsteigen, ist nach Meinung der Expertengruppe ein Sicherheitsabstand von zwei Wochen nach dem Absetzen zu berücksichtigen, bevor Sie das neue Medikament einnehmen können. Bei einem Wechsel von Fluoxetin auf einen MAO-Hemmer gilt ein Anstand von fünf Wochen.

4. Zwei Antidepressiva kombinieren

Nur in bestimmten Fällen kann es helfen, ein Antidepressivum mit einem zweiten zu kombinieren. Es gibt Belege, dass SSRI oder TZA zusammen mit den Wirkstoffen Mirtazapin oder Mianserin besser wirken als einer der beiden Arzneimittel allein. Nur diese beiden Kombinationsmöglichkeiten können nach Meinung der Expertengruppe empfohlen werden. Die Gabe von mehr als zwei Antidepressiva gleichzeitig ist nicht empfehlenswert.

5. Wechsel zur Psychotherapie

Wenn Sie ohne Erfolg mit Antidepressiva behandelt wurden (und diese richtig dosiert waren), dann sollte man Ihnen eine Psychotherapie anbieten.

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Wenn eine Dysthymie vorliegt

Bislang untersuchten nur wenige Studien, ob eine Psychotherapie bei einer lang anhaltenden depressiven Verstimmung hilft. Diese hatten zudem methodische Mängel. Aber es gibt Hinweise, dass bei Menschen mit einer Dysthymie Antidepressiva wirksamer sind als eine alleinige Psychotherapie oder ein Scheinmedikament.

Die Leitlinie spricht folgende Empfehlung bei einer Dysthymie aus:

  • Ärztinnen und Psychotherapeuten sollen eine Behandlung mit Medikamenten anbieten.
  • Eine Psychotherapie sollte angeboten werden.

Wenn eine Dysthymie und eine depressive Episode zusammen auftreten, nennt man das eine "Doppeldepression". Dann soll Ihnen Ihr Arzt oder Ihre Therapeutin ebenfalls eine Behandlung mit Medikamenten anbieten. Darüber hinaus sollen Sie informiert werden, dass eine Kombination von Psychotherapie und Antidepressiva am wirksamsten ist.

Wenn die Depression chronisch ist …

Kleine, nur wenig aussagekräftige Studien deuten an, dass bei einer chronischen Depression Antidepressiva besser wirken als ein Scheinmedikament. Dennoch sollten chronisch depressiven Menschen eine medikamentöse Behandlung angeboten werden.

Außerdem ist in solchen Fällen eine kombinierte Behandlung aus Psychotherapie und Antidepressivum am besten geeignet, Beschwerden zu verringern. Darüber sollen Ärztinnen und Psychotherapeuten aufklären.

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5.7 Andere Behandlungsmöglichkeiten

Elektrokrampftherapie (EKT)

Bei der Elektrokrampftherapie wird durch einen kurzfristigen Stromreiz auf das Gehirn ein epileptischer Anfall ausgelöst. Dafür werden Elektroden am Kopf angebracht. Der Eingriff wird in Kurznarkose vorgenommen. Patienten erhalten zudem Medikamente, welche die Muskeln entspannen, sodass es nicht zu Verletzungen oder Muskelzerrungen kommen kann. Nachdem die Patientin eingeschlafen ist, wird Strom über die Elektroden übertragen. Wie die Elektrokrampftherapie genau wirkt, ist weitgehend ungeklärt. In Studien berichten aber bis zu 8 von 10 behandelten Personen von einem Nachlassen der Beschwerden. Diese tritt in der Regel nach zwei bis vier Wochen ein. Eine Kombination von Elektrokrampftherapie mit Medikamenten oder psychotherapeutischen Verfahren ist in den meisten Fällen möglich.

Üblicherweise wird die Elektrokrampftherapie bei Behandlungen im Krankenhaus eingesetzt. Die Therapie besteht aus etwa zehn Einzelbehandlungen, die meist zwei bis dreimal pro Woche stattfinden. Die Leitlinie empfiehlt, dass bei schweren, lebensbedrohlichen Depressionen oder bei Beschwerden, die sich trotz Behandlung nicht bessern, eine Elektrokrampftherapie in Betracht gezogen werden soll.

Schließt sich an der Behandlung keine Erhaltungstherapie an, ist die Rückfallrate hoch. Deshalb sollten Sie nach einer erfolgreichen EKT-Therapieserie eine weitere Behandlung mit Medikamenten und Psychotherapie erhalten, mit oder ohne zusätzliche Elektrokrampftherapie.

Nach einer Behandlungsserie kann die Elektrokrampftherapie selbst als Erhaltungstherapie genutzt werden. Um Rückfällen vorzubeugen, wird die Behandlung meist über sechs Monate fortgeführt. Dabei verlängern sich die Zeitabstände zwischen den Sitzungen auf einmal wöchentlich bis einmal monatlich. Eine sogenannte EKT-Erhaltungstherapie sollte Ihnen angeboten werden, wenn Sie schon mal einen Rückfall unter einer Psychotherapie oder Medikamenten hatten, andere vorbeugende Maßnahmen nicht vertragen haben oder wenn Sie es ausdrücklich wünschen. Eine kleine Studie liefert Hinweise, dass eine Elektrokrampftherapie Rückfälle besser verhindern kann als eine Scheinbehandlung. Mit einer Elektrokrampftherapie hatten 4 von 10 Personen erneut Beschwerden. Dagegen hatten etwa 8 von 10 Personen, die eine Scheinbehandlung bekamen, einen Rückfall. Unterschiede in der Wirksamkeit von Elektrokrampftherapie und Antidepressiva wurden nicht beobachtet.

Nebenwirkungen

Bei vielen Betroffenen bestehen große Vorbehalte gegen eine Elektrokrampftherapie. Sie ist jedoch nach den vorliegenden Daten insgesamt ein sicheres Verfahren. An Nebenwirkungen wird hauptsächlich von vorübergehenden Gedächtnisstörungen, Kopfschmerzen, Schwindel und Muskelkater berichtet. Dazu ist der Eingriff mit den üblichen Risiken einer Narkose verbunden. Im Zusammenhang mit der Behandlung können Komplikationen wie Herzrhythmusstörungen oder Blutdruckprobleme auftreten. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass EKT bleibende Schäden am Gehirn verursacht.

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Wachtherapie (Schlafentzugstherapie)

Das Prinzip des Schlafentzugs ist so einfach wie wirksam: Schlafmangel sorgt für ein besseres Befinden noch am gleichen Tag. In Studien ging es 6 von 10 Menschen mit Depressionen, die bis zu 40 Stunden wach gehalten wurden, daraufhin deutlich besser. Allerdings hält die Wirkung nicht lange an. Viele Betroffene erleben einen Rückfall, wenn sie wieder eine Nacht durchgeschlafen haben. Aus diesem Grund sollte eine Wachtherapie erwogen werden, wenn eine sehr schnelle, kurzfristige Besserung gewünscht wird oder wenn eine leitliniengerechte Behandlung ergänzt werden soll.

Der Schlafentzug findet in der Regel in einer Klinik statt. Meist bleiben mehrere Personen zusammen wach. Aber auch Zuhause können Menschen mit Depression den Schlafentzug nach ärztlicher Absprache selbst durchführen. Für den Erfolg der Behandlung ist es wichtig, keine "kleinen Nickerchen" zu machen.

Bei der Wachtherapie bleiben Sie die ganze Nacht lang auf und auch am Folgetag wach. Auch ein teilweiser Schlafentzug ist möglich. Dabei gehen Sie zunächst ins Bett und stehen um 1:00 Uhr oder 2:00 Uhr nachts wieder auf.

Oft ist es jedoch nicht leicht, eine Nacht und einen Tag ohne Schlaf auszukommen. Eine andere Möglichkeit ist daher die sogenannte Schlafphasenvorverlegung. Diese Methode soll dafür sorgen, dass die positive Wirkung des Wachseins länger anhält. Dafür verschieben sich die Einschlafzeiten jeden Tag um eine Stunde. Zu Beginn legen Sie sich nach der durchwachten Nacht um 17:00 Uhr ins Bett und schlafen bis 24:00 Uhr. Am nächsten Tag ist von 18:00 Uhr bis 1:00 Uhr Schlafenszeit. Die nächsten Tage verlagert sich die Zubettgehzeit immer weiter nach hinten, bis Sie wieder einen normalen Schlafrhythmus haben.

Nebenwirkungen des Schlafentzugs sind nicht bekannt. Einige Menschen sind durch den Schlafmangel jedoch sehr müde oder gereizt. Für Menschen mit Krampfanfällen, mehreren Krankheiten oder Suizidgedanken ist das Verfahren nicht geeignet.

Lichttherapie

Bei der sogenannten "Winterdepression" treten depressive Symptome nur im Herbst und Winter auf, also während der dunklen Jahreszeit. Sie gehen während des Frühjahrs wieder zurück. Für diese Art der depressiven Erkrankung hat sich die Behandlung mit künstlichem Licht in hochwertigen Studien als wirksam erwiesen. Die Wirksamkeit für sogenannte "nichtsaisonal abhängige" Depressionen ist weniger gut belegt. Es gibt zwar einige Hinweise aus Studien, diese sind jedoch nicht aussagekräftig genug. Ihr Arzt oder Ihre Therapeutin soll Ihnen eine Lichttherapie bei einer leichten bis mittelgradigen saisonal abhängigen ("Winter"-)Depression anbieten. Wenn Sie gut darauf ansprechen, kann sie den gesamten Winter über fortgesetzt werden.

Sie sitzen dabei höchstens 80 Zentimeter entfernt vor einer hellen, weißen Lichtquelle. Dabei handelt es sich um spezielle Geräte, bei denen alle UV-Strahlen herausgefiltert werden. Die Augen müssen offen sein und dürfen nicht durch eine Sonnenbrille geschützt sein (anders als bei Höhensonne). Die anfängliche Lichtdosis beträgt 10 000 Lux für 30 bis 40 Minuten pro Tag. Die Therapie wird möglichst früh nach dem Aufstehen durchgeführt. Innerhalb von zwei bis drei Wochen tritt bei 6 bis 9 von 10 Personen eine Besserung der Beschwerden ein. Die Wirkung lässt jedoch schnell nach.

Nebenwirkungen

In Studien traten vorübergehend Überanstrengung der Augen, Sehstörungen, Kopfschmerzen, Übelkeit oder Unruhe auf. Diese Nebenwirkungen waren nicht sehr stark ausgeprägt und nahmen mit der Zeit ganz ab.

Gegenanzeigen für Lichttherapie gibt es bislang nicht. Es ist jedoch ratsam, dass Menschen mit höherem Risiko für Augenprobleme vorher eine augenärztliche Praxis aufsuchen.

Hinweis

Die Lichttherapie wird derzeit nicht von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt.

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Körperliche Bewegung und Sport

Bewegung tut gut. Das gilt im Prinzip für alle Menschen, auch für Depressive. Zahlreiche Studien legen nahe, dass körperliches Training depressive Beschwerden verringern kann. Doch die Studienergebnisse sind nicht eindeutig, und viele Untersuchungen sind nicht aussagekräftig genug. Außerdem geben die Studien auf manche Fragen keine Antworten. So bleibt unklar, welche Sport- und Bewegungsart sich bei Depressionen am besten eignet. Auch wie intensiv und wie häufig man aktiv sein sollte, lässt sich anhand der bisherigen Daten nicht sagen.

Obwohl noch einige Fragen offen sind, gilt: Versuchen Sie, sich zu bewegen. Auch die Empfehlung der Leitlinie lautet, dass Ärztinnen und Therapeuten Menschen mit einer Depression körperliche Aktivität empfehlen sollten. Wichtig ist aber, dass keine medizinischen Gründe dagegen sprechen. Mit Aktivität ist kein Hochleistungssport gemeint, sondern gemäßigte, aber regelmäßige körperliche Betätigung. Besonders Ausdauersportarten wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren sind geeignet. Auch Teamsportarten wie Fußball können die Stimmung aufhellen. Diese Aktivitäten können ein erster Schritt gegen Ermüdung und Antriebslosigkeit sein, vielleicht gibt Ihnen auch die Zufriedenheit, etwas geschafft zu haben, kurzzeitig ein gutes Gefühl. Und ganz nebenbei tun Sie auch noch etwas gegen die Krankheiten, die eine Depression häufig begleiten.

Repetitive Transkranielle Magnetstimulation

Hierbei handelt es sich um eine relativ neue Technik. Dabei werden durch starke Magnetfelder einzelne Bereiche der vorderen linken oder rechten Gehirnhälfte angeregt. Das Magnetfeld wird am Schädel mit Hilfe einer stromführenden Spule erzeugt. Das Magnetfeld selbst ist für Sie nicht spürbar oder schmerzhaft. Normalerweise wird die Behandlung über drei bis sechs Wochen hinweg täglich durchgeführt. Eine Sitzung dauert etwa 10 bis 30 Minuten und wird in einer Klinik durchgeführt. Eine Narkose ist nicht notwendig.

In Studien finden sich Belege, dass dieses Verfahren depressive Beschwerden verringern kann. Es ist im Vergleich bei depressiven Menschen, bei denen Medikamente nicht geholfen haben, wirksamer als eine Scheinbehandlung. Deshalb kann Ihnen eine repetitive transkranielle Magnetstimulation angeboten werden, wenn Ihnen Medikamente bislang nicht geholfen haben. Allerdings sind gegenwärtig keine gesicherten Aussagen möglich, wie wirksam die Magnetstimulation in Kombination mit Arzneimitteln oder Psychotherapie ist.

Nebenwirkungen

Nebenwirkungen sind kaum zu beobachten. Selten kommt es zu epileptischen Anfällen.

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Vagus-Nerv-Stimulation

Der Vagusnerv ist ein sogenannter Hirnnerv. Er erstreckt sich vom Kopf über den Hals und die Brust bis zum Bauchraum. Der Vagusnerv gilt als wichtigster Nerv des sogenannten Parasympathikus, einem Teil des Nervensystems. Er steuert und versorgt viele innere Organe.

Bei einer Vagus-Nerv-Stimulation wird ein kleiner Schrittmacher unter die Haut am Hals eingesetzt. Dieser sendet elektrische Signale über den Vagusnerv an das Gehirn. Dadurch sollen depressive Beschwerden gelindert werden. Die Behandlung kann Nebenwirkungen hervorrufen, wie Veränderungen in der Stimme, Husten, erschwerte Atmung, Nackenschmerzen oder Schluckstörungen. Bislang gibt es zu wenige Hinweise auf die Wirksamkeit der Vagus-Nerv-Stimulation. Die Leitlinie enthält deshalb keine Empfehlung für oder gegen das Verfahren.

5.8 Sonstige Unterstützungsangebote

Ergotherapie

Die Ergotherapie kann unter Umständen eine erfolgreiche Behandlung der Depression unterstützen. Der Begriff stammt aus dem Griechischen und meint: Gesundung durch Handeln und Arbeiten. Ergotherapie soll dem Menschen helfen, durch Krankheit verlorene Handlungsfähigkeit im Alltagsleben wiederherzustellen. Dazu gehören auch wichtige Fragen wie die der Selbstversorgung und Haushaltsführung, wirtschaftliche Eigenständigkeit, Fähigkeit zur Berufsausübung beziehungsweise Weiterführen der Ausbildung. Die Ergotherapie verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, das heißt: Es geht nicht nur um das Schulen bestimmter Bewegungsabläufe, sondern der Mensch als Ganzes wird einbezogen.

Studien belegen, dass die Ergotherapie eine Behandlung bei Depression unterstützen kann. Es ist ein weiterer Punkt im "Wochenplan", der bei der Bewältigung der Krankheit unterstützt und zu Aktivität ermuntert. Ergotherapie wird bei der stationären Behandlung angeboten. Einen Ergotherapeuten können Sie auch in seiner Praxis aufsuchen. Die Verordnung von Ergotherapie richtet sich im ambulanten Bereich nach den Heilmittelrichtlinien (mehr Informationen zu Heilmittelrichtlinien unter:
www.g-ba.de/informationen/richtlinien/12).

Soziotherapie

Die Soziotherapie bietet Unterstützung und Handlungsanleitung für chronisch psychisch kranke Menschen, wenn sie durch ihre Erkrankung so schwer beeinträchtigt sind, dass sie sich im sozialen Umfeld nicht mehr zurechtfinden. Schwer depressive Menschen sind häufig nicht in der Lage, Leistungen, auf die sie Anspruch haben, selbständig in Anspruch zu nehmen. Soziotherapie soll ihnen dabei helfen, ärztliche und ärztlich verordnete Leistungen tatsächlich wahrzunehmen. Durch besondere Trainingsmaßnahmen und begleitende Unterstützung lernen betroffene Menschen wieder mehr Selbstständigkeit.

Häusliche psychiatrische Krankenpflege

Jenseits der Therapie gibt es einige Möglichkeiten der Betreuung und Pflege, die vor allem in Extremsituationen und besonderen Fällen in Frage kommen können. Dazu gehört zum Beispiel die häusliche psychiatrische Krankenpflege. Dabei besuchen speziell ausgebildete Pflegekräfte kranke Menschen zuhause. Durch die Pflege vor Ort soll das Umfeld beteiligt und die soziale Integration gewährleistet werden. Die regelmäßigen Haubesuche sollen dazu beitragen, wiederkehrende Klinikaufenthalte oder Behandlungsabbrüche zu vermeiden. Die ambulante Pflege dient der Stärkung des Selbsthilfepotenzials und der Kompetenzerweiterung der Person im Umgang mit seiner Krankheit und Kenntnis von Maßnahmen zur Rückfallprophylaxe. Rechtzeitiges Erkennen von Krisen und sachgerechtes Bewerten von Symptomen einer Krise sind wesentliche Elemente, die eine Abschwächung des Verlaufes einer Krise bewirken sollen.

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5.9 Unterstützungsangebote der Selbsthilfe

Selbsthilfegruppen haben sich in den letzten Jahren zu allen möglichen Krankheiten gebildet, so auch zu Depressionen. Daneben gibt es eigene Selbsthilfegruppen für Angehörige.

Selbsthilfegruppen sind freiwillige, meist lose Zusammenschlüsse von Menschen. Ihre Aktivitäten richten sich auf die gemeinsame Bewältigung von Krankheiten, psychischen oder sozialen Problemen, von denen sie – entweder selber oder als Angehörige – betroffen sind. Sie wollen mit ihrer Arbeit keinen Gewinn erwirtschaften. Ihr Ziel ist eine Veränderung der persönlichen Lebensumstände und häufig auch ein Hineinwirken in das soziale und politische Umfeld. Selbsthilfegruppen arbeiten ohne professionelle Leitung.

In Selbsthilfegruppen können Sie sich mit anderen Betroffenen austauschen. Das wechselseitige Verständnis ist besonders groß, da alle "im selben Boot sitzen". Sie merken, dass Sie mit Ihrer Krankheit nicht alleine sind und viele Menschen in einer ähnlichen Situation wie Sie sind. Ängste und Schamgefühle lassen sich so leichter überwinden. Zudem gibt es bei den Treffen Informationen, wie über medizinische Themen, die Versorgungslandschaft vor Ort und über sozialrechtliche Ansprüche.

Viele Selbsthilfegruppen kooperieren mit Fachleuten, die sie bei verschiedenen Angelegenheiten beraten. Als Ergänzung zur professionellen Versorgung werden Selbsthilfegruppen zunehmend von vielen Menschen geschätzt und in Anspruch genommen. Auch die Expertengruppe der Leitlinie vertritt die Meinung, dass Ärzte und Psychotherapeutinnen Menschen mit Depressionen und Angehörige über Selbsthilfe- und Angehörigengruppen informieren und, wenn angebracht, zur Teilnahme ermuntern sollen.

Wo sich eine Selbsthilfeorganisation in Ihrer Nähe befindet, können Sie bei der Nationalen Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS) erfragen (siehe Kapitel "Selbsthilfe"). Die Angebote der NAKOS sind unentgeltlich.

Zudem können sich Interessierte an den Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker (BApK) wenden (siehe Kapitel "Selbsthilfe"). Der Bundesverband und die Landesverbände unterstützen Angehörige psychisch erkrankter Menschen durch kostenlose Beratung und Information, Vermittlung von Kontakten, Adressen und Literaturhinweisen. Darüber hinaus bietet der BApK mit dem "SeeleFon" ein überregionales Beratungsangebot an.

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5.10 Was bei der Behandlung zu beachten ist

Behandlung älterer Patienten

Antidepressiva sind bei älteren Menschen gleich wirksam wie bei jüngeren. Sie können daher in gleicher Weise behandelt werden. Allerdings sind die Nebenwirkungen häufig stärker belastend. Die Nebenwirkungen spielen daher eine wichtige Rolle bei der Auswahl des Medikaments. Wenn trizyklische Antidepressiva zum Einsatz kommen, sollten Sie zunächst eine niedrigere Anfangsdosis erhalten.

Studien sprechen dafür, dass Arzneimittel und Psychotherapie bei älteren Betroffenen zusammen wirkungsvoller sind als eine alleinige medikamentöse Behandlung. Es gibt aber auch Studien, die dem widersprechen. Die Leitlinie empfiehlt, dass Ärztinnen und Psychotherapeuten älteren Menschen mit einer Depression eine Psychotherapie anbieten sollen. Bei schweren Formen einer Depression im Alter sollten sie eine kombinierte Behandlung aus Medikamenten und Psychotherapie anbieten.

Auch wenn die geistige Leistungsfähigkeit leicht eingeschränkt ist, sollte eine Psychotherapie angeboten werden. In solchen Fällen ist eine Einzeltherapie am geeignetsten.

Begleiterkrankungen

Seelische Begleiterkrankungen

Depressionen und Angststörungen treten häufig gemeinsam auf. In solchen Fällen sollten Betroffenen nach Meinung der Expertengruppe sowohl eine Psychotherapie als auch eine Behandlung mit Medikamenten angeboten werden. Für die kognitive Verhaltenstherapie, Interpersonelle Psychotherapie, SSRI und den Wirkstoff Venlafaxin gibt es Belege, dass sie Beschwerden verbessern, wenn eine Depression zusammen mit einer Angststörung vorliegt.

Wenn neben der Depression auch ein hoher Alkoholkonsum vorliegt, sollte nach Meinung der Expertengruppe die Behandlung der Depression erst beginnen, wenn Sie mindestens seit zwei bis vier Wochen nicht mehr getrunken haben. Erst dann kann eine genaue Diagnostik erfolgen. Nur im Notfall ist eine sofortige Therapie angebracht. Falls eine Depression eine Alkoholabhängigkeit begleitet, ist die Expertengruppe zudem der Meinung, dass:

  • eine Behandlung mit Antidepressiva zum Einsatz kommen kann, um die depressiven Beschwerden zu verringern und einen Alkoholrückfall zu verhindern;
  • eine Psychotherapie gegen Depressionen sowohl als alleinige Behandlungsmethode als auch als Teil einer Kombinationsbehandlung mit Medikamenten oder einer suchtspezifischen Psychotherapie angeboten werden sollte.

Wenn eine Essstörung mit einer Depression einhergeht: Die Wirkung von Antidepressiva kann bei niedrigem Gewicht und schlechtem Ernährungszustand schwächer sein. Bestimmte Medikamente haben als Nebenwirkung eine Gewichtszunahme zur Folge, andere erzeugen Übelkeit und Appetitlosigkeit. Das sollte bei der Auswahl beachtet werden, wenn Sie sich für eine medikamentöse Behandlung entscheiden. Eine Empfehlung zur Psychotherapie der Depression bei Essstörungen gibt die Leitlinie nicht. Dazu hat die Expertengruppe keine belastbaren Studiendaten gefunden.

Bei Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung sind bestimmte Persönlichkeitsmerkmale stärker und einseitiger ausgeprägt als bei gesunden Menschen. Im Rahmen dieser seelischen Erkrankung können auch Depressionen vorkommen. Nach Meinung der Expertengruppe kann Betroffenen eine Psychotherapie angeboten werden. Sie kann als alleiniges Verfahren oder als Teil einer Kombinationsbehandlung mit Medikamenten infrage kommen. Im Nutzen belegt sind die kognitive Verhaltenstherapie, Interpersonelle Psychotherapie und die psychodynamische Kurzzeitpsychotherapie.

Menschen mit einer somatoformen Störung leiden unter körperlichen Beschwerden, für die keine körperliche Ursache gefunden werden kann. Obwohl eine Depressionen und somatoforme Störungen relativ häufig gemeinsam auftreten, konnte die Expertengruppe keine Empfehlung aussprechen. Grund dafür ist die unzureichende Studienlage. Informationen zur Behandlung einer somatoformen Störung finden Sie in der Patientenleitlinie "Mein Arzt findet nichts" – so genannte nicht-spezifische, funktionelle und somatoforme Körperbeschwerden". Sie kann abgerufen werden unter:
www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/051-001pl_S3_Nicht-spezifische_funktionelle_somatoforme_Koerperbeschwerden
_2012-12.pdf
.

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Körperliche Begleiterkrankungen

Eine koronare Herzerkrankung (KHK) entsteht durch verengte Herzkranzgefäße. Eine Folge davon ist, dass das Herz nicht mehr ausreichend Sauerstoff bekommt. Eine KHK kann sich auch auf das Wohlbefinden auswirken: So entwickeln einige Menschen mit einer KHK zusätzlich eine Depression. Betroffenen Menschen soll eine Psychotherapie angeboten werden. Zudem empfiehlt die Leitlinie, dass herzkranken Menschen mit mittelgradiger bis schwerer Depression eine Behandlung mit Antidepressiva angeboten werden soll. Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer bieten sich als Mittel der Wahl an. Trizyklische Antidepressiva sollen wegen ihrer Nebenwirkungen auf das Herz-Kreislauf-System nicht verordnet werden.

30 von 100 Menschen bekommen nach einem Schlaganfall eine Depression. Um eine Depression frühzeitig zu erkennen, sollten Ärztinnen regelmäßig auf Krankheitsanzeichen achten. Sie sollten Antidepressiva nicht regelhaft zur Vorbeugung von Depressionen bei Menschen mit Schlaganfall verschreiben. Bei depressiven Beschwerden sollte Betroffenen eine Behandlung mit Antidepressiva angeboten werden. Es dürfen jedoch nur Substanzen zum Einsatz kommen, die sich nicht auf das Herz-Kreislauf-System und das Bewusstsein auswirken. Offen ist, ob psychotherapeutische Verfahren bei Depressionen nach einem Schlaganfall helfen: Hierzu konnte die Expertengruppe keine aussagekräftige Studien für die Leitlinie finden.

Schätzungen zufolge leiden 6 von 100 Menschen mit Krebs an einer Depression. Betroffenen sollte eine Psychotherapie angeboten werden. Wenn eine mittelgradige oder schwere Depression bei krebskranken Menschen vorliegt, kann eine Behandlung mit Antidepressiva angeboten werden. Hierfür sind besonders Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer geeignet. Eine Patientenleitlinie zur psychosozialen Unterstützung für Menschen mit Krebs und deren Angehörige finden Sie hier:

www.leitlinienprogramm-onkologie.de/Psychoonkologie.91.0.html

Für Menschen mit Diabetes und einer Depression gelten im Prinzip die gleichen Empfehlungen für die Behandlung mit Antidepressiva wie für depressive Menschen ohne Diabetes. Jedoch sollte der Arzt oder die Psychotherapeutin nach Meinung der Expertengruppe beachten, dass einige Antidepressiva den Blutzucker beeinflussen können. Außerdem können trizyklische Antidepressiva sowie die Wirkstoffe Mirtazapin und Mianserin zu einer Gewichtszunahme führen. Am besten geeignet für Menschen mit Diabetes sind Selektive Serotonin-Wiederaufnahme­hemmer (SSRI). Diese sollen Ihnen angeboten werden, wenn eine medikamentöse Behandlung vorgesehen ist. Sie brauchen wahrscheinlicher weniger Insulin, wenn Sie SSRI einnehmen. Auch eine Psychotherapie soll angeboten werden.

Starke andauernde Schmerzen können zu Depressionen führen. Etwa 7 von 10 Menschen mit chronischen Schmerzen sind betroffen. Wenn Sie sich für eine Behandlung mit Antidepressiva entscheiden, sollten Ihnen in erster Linie trizyklische Antidepressiva angeboten werden. Diese haben auch eine schmerzlindernde Wirkung. Ärztinnen und Psychotherapeuten können Ihnen ebenfalls eine Psychotherapie anbieten.

Wenn Menschen sowohl eine Demenz auch als eine Depression haben, sollten bestimmte Antidepressiva nicht zum Einsatz kommen, welche das Bewusstsein und die geistigen Fähigkeiten zusätzlich beeinträchtigen. Allerdings konnte die Expertengruppe nur wenige methodisch gute Studien zur medikamentösen Behandlung der Depression bei Demenz finden.

Menschen mit Morbus Parkinson und einer Depression kann der Arzt oder die Psychotherapeutin als Therapieversuch eine Psychotherapie anbieten. Da der Expertengruppe zu wenige hochwertige Studien vorlagen, konnte sie keine Empfehlung zu Antidepressiva aussprechen.

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Während der Schwangerschaft

Zur Behandlung einer Depression in der Schwangerschaft sollte betroffenen Patientinnen eine Psychotherapie angeboten werden.

Medikamente gegen Depressionen können sich auf das ungeborene Kind auswirken. Zudem haben Studien gezeigt, dass Antidepressiva das Risiko für eine Frühgeburt erhöhen. Wenn Sie stillen und gleichzeitig Antidepressiva einnehmen, können die Wirkstoffe über die Muttermilch auf das Kind übergehen. Der Nutzen einer medikamentösen Behandlung während der Schwangerschaft und Stillzeit soll nach Meinung der Expertengruppe sehr sorgfältig gegen die möglichen Risiken abgewogen werden. Ob und welches Medikament im Einzelfall angebracht ist, hängt von vielen Faktoren ab – dazu gehören auch Ihre aktuellen Beschwerden, Bedürfnisse und Vorstellungen. Wenn Sie eine Behandlung mit Medikamenten erwägen, sollten Sie nur einen Wirkstoff erhalten. Um Nebenwirkungen zu vermeiden, sollte das Mittel so gering wie möglich dosiert sein und nicht abrupt abgesetzt werden. Falls Sie Bedenken haben, ein Antidepressivum einzunehmen, besprechen Sie mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem Psychotherapeuten die Vor- und Nachteile.

Frauen, die bis zur Geburt des Kindes Psychopharmaka einnehmen, sollten nach Meinung der Expertengruppe in einer Klinik mit Neugeborenenstation entbinden. Für den Fall, dass durch die Medikamente beim Kind Probleme auftreten, kann ihm dort sofort geholfen werden.

Körperliches Training kann sich auch während der Schwangerschaft positiv auf die Stimmung auswirken. Dafür gibt es Hinweise aus Studien. Um depressive Beschwerden in der Schwangerschaft zu verbessern, sollte Ihr Arzt oder Ihre Psychotherapeutin körperliches Training ergänzend zu anderen Behandlungen empfehlen.

Ihre Ärztin oder Ihr Psychotherapeut kann Ihnen nach Meinung der Expertengruppe eine Elektrokrampftherapie in der Schwangerschaft anbieten, wenn Sie eine schwere Depression haben und die bisherige Behandlung nicht geholfen hat. Vor allem, wenn das Leben der Mutter und des Kindes in Gefahr ist.

Es gibt auch noch andere Methoden, wie die Einnahme von Hormonen, Omega-3 Fettsäuren, Lichttherapie, Massage, Akupunktur oder Hypnose. Ob diese Mittel und Verfahren gegen Depressionen rund um die Geburt helfen, ist jedoch unklar. Studiendaten liefern bislang keine ausreichenden Beweise.

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Nach der Geburt

Nach der Geburt treten bei bis zu 15 von 100 Frauen depressive Beschwerden auf. Der Fachbegriff dafür lautet "postpartale Depression". Die umgangssprachliche Bezeichnung für diese Krankheit ist "Wochenbettdepression".

Ob Antidepressiva geeignet sind, einer postpartalen Depression vorzubeugen, ist bislang unklar. Allerdings geht aus einer Zusammenfassung mehrerer aussagekräftiger Studien hervor, dass eine Psychotherapie und psychosoziale Verfahren helfen, nach der Geburt eine Depression zu verhindern. Sind Sie besonders gefährdet, eine Depression zu entwickeln, sollte die Ärztin oder der Psychotherapeut Ihnen beides während oder nach der Schwangerschaft zur Vorbeugung anbieten. Ein erhöhtes Risiko für Depressionen nach der Geburt besteht zum Beispiel, wenn die Erkrankung früher schon einmal aufgetreten ist.

Auch wenn schon eine postpartale Depression vorliegt, hat sich eine Psychotherapie als wirksam erwiesen und soll Ihnen deshalb angeboten werden.

Falls eine Behandlung mit Medikamenten gegen Depression angedacht ist, sollten nach Meinung der Expertengruppe Ärzte mögliche Nutzen und Risiken für Mutter und Kind sorgfältig gegeneinander abwägen. Dabei gilt es zu bedenken, dass Antidepressiva in die Muttermilch übertreten können. Ärztinnen können bei einer mittelschweren bis schweren Depression nach der Geburt Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer und trizyklische Antidepressiva anbieten.

Laut der Leitlinie kann betroffenen Frauen körperliches Training zusätzlich zur Behandlung empfohlen werden. Es gibt Hinweise, dass körperliches Training Beschwerden bei einer postpartalen Depression verbessern kann.

Weitere Informationen zu Depressionen in der Schwangerschaft und nach der Geburt finden Sie in einem kurzen Informationsblatt. Im Internet unter:
www.patienten-information.de/kurzinformationen/psychische-erkrankungen/depression-schwangerschaft-geburt.

Beschwerden vor der Regelblutung

Viele Frauen erleben an den Tagen vor der Regelblutung Stimmungsschwankungen. Sie sind reizbar, angespannt oder traurig. Bei manchen Frauen sind diese Gefühle so stark, dass Fachleute von einer "prämenstruellen dysphorischen Störung", kurz "PMDS" sprechen. Ob eine Psychotherapie oder Medikamente, wie Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer oder hormonelle Mittel, die Beschwerden einer PMDS lindern können, ist derzeit unklar. Der Expertengruppe liegen zu wenige Studien zur Wirksamkeit dieser Maßnahmen. Sie spricht deshalb keine Empfehlung dazu aus.

Wechseljahre

Wechseljahre sind keine Krankheit. Das Auf und Ab der Hormone in den Wechseljahren kann aber das Wohlbefinden beeinflussen.

Die Expertengruppe der Leitlinie hat keine Studien gefunden, welche die Wirksamkeit von Antidepressiva in den Wechseljahren untersucht haben. Es gibt bisher auch keine aussagekräftigen Belege zu der Frage, ob die Gabe von Hormonen oder Psychotherapie die Beschwerden durch eine Depression in den Wechseljahren bessert. Die Leitlinie kann deshalb keine Empfehlungen aussprechen.

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zuletzt verändert: 23.03.2017 11:36