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3 Was ist Depression

2. Auflage, 2016. Version 2 – Druckversionpdf.png | Kapitelübersicht | weitere Informationen

3.1 Einfach nur traurig oder schon depressiv?

Phasen der Trauer oder Niedergeschlagenheit kennt jeder. Sie gehören zum menschlichen Dasein, genauso wie Hochphasen des Glücks. Wann daraus die Krankheit "Depression" wird, ist nicht immer leicht zu erkennen. Die Übergänge sind in der Regel fließend.

Es kann schwierig sein, eine Depression von einer Trauer zu unterscheiden, wie sie nach Verlust eines geliebten Menschen auftreten kann. Trauer ist eine normale Reaktion auf einen Schicksalsschlag. Im Unterschied zu einer Depression lässt sie zumeist innerhalb von zwei Monaten wieder nach. Darüber hinaus ist bei Trauernden das Selbstwertgefühl erhalten, sie haben einen Lebenswunsch und können sich freuen.

Bestimmte Anzeichen (Symptome) – wenn sie länger andauern – sprechen dafür, dass eine depressive Erkrankung vorliegt. Dazu gehören zum Beispiel eine gedrückte Stimmung, Interessenverlust und Antriebsschwäche. Oft fällt es depressiven Menschen schwer, die alltäglichen Aufgaben zu bewältigen oder sich zu konzentrieren. Außerdem leiden sie unter starken Selbstzweifeln und neigen zum Grübeln. Auch körperliche Beschwerden können Ausdruck einer Depression sein. Fachleute teilen diese Kennzeichen in Haupt- und Nebensymptome ein. Außerdem unterscheiden sie drei Schweregrade. Mehr dazu lesen Sie im Kapitel "Wie wird eine Depression festgestellt?".

Man kann eine Depression in vielen Fällen erfolgreich behandeln. Mit Medikamenten oder mit psychotherapeutischen Angeboten kann die Krankheit gelindert oder zum Verschwinden gebracht werden. Lesen Sie mehr zu den Therapieformen im Kapitel "Die Behandlungsmöglichkeiten".

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3.2 Wie häufig sind Depressionen?

Depressionen sind weltweit häufige Erkrankungen. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden sie im Jahr 2030 die höchste Krankheitslast in der Weltbevölkerung verursachen – noch vor den Herz- und Kreislauferkrankungen. Im Laufe ihres Lebens erkranken heute 16 bis 20 von 100 Menschen daran, Frauen etwa doppelt so häufig wie Männer. Depressionen können in jedem Lebensalter auftreten. Nach einer bundesweiten Befragung erkrankt die Hälfte der Betroffenen erstmalig vor dem 31. Lebensjahr.

Man nimmt an, dass in Deutschland etwa 6,2 Millionen Menschen innerhalb eines Jahres von einer Depression betroffen sind. Oft werden depressive Erkrankungen jedoch nicht festgestellt, weil Betroffene keine fachliche Hilfe suchen oder die Krankheit nicht erkannt wird. Viele depressive Menschen fürchten sich zudem vor dem Makel "psychische Erkrankung" oder schämen sich, mit ihrer schlechten Stimmung nicht allein fertig zu werden. Dabei ist eine seelische (psychische) Erkrankung ebenso wie eine körperliche keine Frage von Schuld: Niemand würde sich schämen, wegen Rückenschmerzen eine Praxis aufzusuchen.

3.3 Welche Ursachen und Risikofaktoren gibt es?

Eine Reihe von Einflüssen kann die Entstehung von Depressionen verhindern oder begünstigen.
Aus Studien gibt es beispielsweise Hinweise, dass eine vertrauensvolle persönliche Beziehung, wie eine intakte Partnerschaft, oder eine sichere berufliche Anstellung vor einer Depression schützen können.
Wenn ein Mensch an einer Depression erkrankt, kann das viele Gründe haben. Meist gibt es nicht nur eine einzige Ursache, sondern mehrere Dinge kommen zusammen.

Grundsätzlich kann man zwischen zwei Arten von Ursachen unterscheiden: es gibt solche, die erblich (genetisch) bedingt sind. Diese betreffen die Veranlagung jedes einzelnen Menschen. Und es gibt Gründe, die in der Lebensgeschichte, im Umfeld und in der Lebensführung zu suchen sind. Auch Medikamente können als Nebenwirkung eine Depression verursachen.

Depressionen treten häufiger auf bei:
  • früheren depressiven Zuständen;
  • depressiven und manisch-depressiven Erkrankungen in der Familie;
  • Suizidversuche in der eigenen Vorgeschichte oder Familie;
  • körperlichen Erkrankungen, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebserkrankungen;
  • Alkohol-, Tabletten- oder Drogenabhängigkeit;
  • schwerwiegenden Ereignissen wie Verlust einer geliebten Person, Beziehungskrise oder Arbeitslosigkeit;
  • Vereinsamung und mangelnder sozialer Unterstützung.

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Erschwerend kommt häufig hinzu, dass die Betroffenen sich verantwortlich für ihren Gemütszustand fühlen und dafür schämen, sich nicht besser im Griff zu haben. Die Gefühle von Scham und Schuld können die Depression noch verstärken. Depressive Menschen können so in einen Teufelskreis geraten.

Indem Sie zu dieser Patientenleitlinie greifen und sich gezielt informieren, tun Sie bereits einen wichtigen Schritt aus diesem Teufelskreis heraus. Der nächste ist der Gang zum Arzt oder zur Psychotherapeutin, denn Depressionen können behandelt werden. Wenn Ihnen selber oder anderen Menschen Veränderungen auffallen, die auf eine Depression hindeuten, lassen Sie Ihren Verdacht ruhig frühzeitig abklären. Wie Ihre Ärztin oder Ihr Psychotherapeut feststellt, ob Sie depressiv sind und wie Sie behandelt werden können, erfahren Sie im Kapitel "Wie wird eine Depression festgestellt?".

3.4 Welche Verläufe gibt es?

Die Depression ist ein Krankheitsbild mit vielen Gesichtern. Sie kann unterschiedlich verlaufen.
In der Regel verläuft eine Depression in Phasen. Einzelne depressive Phasen heißen depressive Episoden. Depressive Phasen können einmalig oder wiederholt auftreten. Bei der Hälfte der Betroffenen tritt im Laufe der Zeit erneut eine Depression auf (sogenanntes Rezidiv). Zwischen zwei depressiven Episoden können Jahre vergehen, sie können aber auch innerhalb einer kurzen Zeit gehäuft auftreten.

Von einer Depression abzugrenzen ist die Dysthymie. Damit ist eine dauerhafte (mindestens zwei Jahre) verlaufende depressive Verstimmung gemeint. Sie beeinträchtigt zwar Ihr Befinden, die Beschwerden sind aber weniger stark ausgeprägt als bei einer Depression. Eine Dysthymie beginnt gewöhnlich im Jugendalter. Gelegentlich kann eine depressive Episode eine Dysthymie überlagern. Dann spricht man von einer "Doppeldepression" (englisch: double depression).

Von einer chronischen Depression spricht man, wenn die Beschwerden mehr als zwei Jahre anhalten.
Eine vollständige Wiederherstellung der psychischen Gesundheit wird in der Fachsprache als Remission bezeichnet. Nach einer depressiven Episode kann diese Remission auch unvollständig sein, das heißt: Es geht Ihnen zwar deutlich besser als während der depressiven Episode, aber nicht ganz so gut wie zuvor.
Die Grafik stellt die verschiedenen möglichen Verläufe der Depression schematisch dar. Dabei werden die Fachbegriffe benutzt, die der vorstehende Abschnitt erläutert:

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Abbildung 1: Verläufe unipolarer depressiver Störungen

Abbildung 1: Verläufe unipolarer depressiver Störungen

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3.5 Welche Krankheiten können eine Depression begleiten?

Eine Depression geht oft mit anderen seelischen oder körperlichen Erkrankungen einher.
Im Zeitraum von einem Jahr leiden ungefähr 6 von 10 depressiven Menschen unter einer weiteren psychischen Krankheit. Häufige psychische Begleiterkrankungen, sogenannte Komorbiditäten, sind:

  • Angst- und Panikstörungen;
  • Missbrauch von Alkohol, Medikamenten oder Drogen;
  • unklare körperliche Beschwerden (somatoforme Störungen);
  • Essstörungen (Magersucht, Bulimie);
  • Persönlichkeitsstörungen;
  • Zwangsstörungen.

All diese Krankheitsbilder sind im Wörterbuch erläutert. Auch Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Allergien, Infektionen, anhaltende Schmerzen, Diabetes mellitus oder Hirnerkrankungen können mit depressiven Beschwerden verbunden sein. Depressionen und körperliche Krankheiten können sich gegenseitig beeinflussen. Zum einen kann eine schwere körperliche Erkrankung zu Niedergeschlagenheit und seelischen Problemen führen. Zum anderen können körperliche Beeinträchtigungen Folge einer Depression sein.

3.6 Folgen einer Depression

Depressionen sind nicht nur häufig, sie sind auch mit hohen Kosten verbunden. Die sogenannten direkten Kosten für die Behandlung lagen 2008 in Deutschland bei 5,2 Milliarden Euro. Inzwischen gehören Depressionen zu den häufigsten Gründen für Krankschreibungen. Dazu kommt, dass einige Menschen ihren Beruf infolge der Krankheit nicht mehr ausüben können und frühzeitig in Rente gehen.

Viele Betroffene haben Probleme, den Alltag zu meistern. Durch die Krankheit kann es zudem zu Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Menschen und zu Einsamkeit kommen: Es kann zum Beispiel passieren, dass Unternehmungen mit der Familie oder Freunden kaum noch stattfinden. Für Außenstehende ist es nicht immer leicht zu erkennen, warum Kontakte weniger werden. Es hilft, wenn Sie offen sind: Gespräche können vielen Missverständnissen vorbeugen.

Die veränderte Situation verlangt auch dem Partner und der Familie eine Menge ab. Wenn ein Familienmitglied an einer Depression erkrankt ist, gehen Angehörige ebenfalls durch ein Wechselbad der Gefühle. Von ihnen wird ein hohes Maß an Geduld und Verständnis verlangt. Auch Kinder spüren, wenn bei einem Elternteil "etwas nicht in Ordnung" ist und leiden mit. Umso wichtiger ist es für alle Beteiligten, Druck aus dem Alltag zu nehmen und sich über das Krankheitsbild zu informieren. Es gibt eine Vielzahl von Anlaufstellen (mehr dazu im Kapitel "Rat, Unterstützung und weitere Informationen").

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zuletzt verändert: 23.03.2017 11:35