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Patienteninformationen des ÄZQ

verlässlich, verständlich, transparent

1 Was diese Information bietet

2. Auflage, 2016. Version 1 – Druckversion pdf.png | Kapitelübersicht | weitere Informationen

Vielleicht fühlen Sie sich bedrückt und müde. Morgens kommen Sie kaum aus dem Bett und haben das Gefühl, jede Energie verloren zu haben. Außerdem haben Sie an Dingen, die Ihnen eigentlich Spaß machen, keine rechte Freude mehr. Solche Stimmungstiefs sind schwer einzuordnen. Wenn diese Veränderungen länger anhalten, können sie auf eine Depression hindeuten. Vielleicht haben Sie auch bei jemand anderen solche Anzeichen beobachtet oder kennen jemanden, der an einer Depression erkrankt ist. Dann finden Sie in dieser Patientenleitlinie wissenschaftlich gesicherte Informationen darüber, was eine Depression ist, wie sie erkannt und behandelt werden kann. Die Patientenleitlinie kann Sie durch eine Erkrankungsphase begleiten oder ein erster Schritt sein, sich mit der Krankheit auseinanderzusetzen. Das ärztliche oder psychotherapeutische Gespräch kann sie aber nicht ersetzen.

Wir möchten Sie mit dieser Patientenleitlinie:

  • über den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Thema Depression informieren;
  • mit möglichen Ursachen der Erkrankung vertraut machen;
  • über die Diagnostik aufklären;
  • darüber informieren, welche Behandlungen bei Depression möglich sind und welche Auswirkungen sie auf Ihre Lebensumstände haben können;
  • darin unterstützen, im Gespräch mit Ihrem Arzt oder Ihrer Psychotherapeutin die "richtigen" Fragen zu stellen;
  • dazu ermutigen, anstehende Behandlungsentscheidungen in Ruhe und nach Beratung mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Psychotherapeuten und Ihren Angehörigen zu treffen;
  • Hilfestellungen zum Umgang mit der Krankheit geben;
  • auf Unterstützungsmöglichkeiten und Beratungsangebote hinweisen.

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Eine Depression beeinträchtigt das seelische und körperliche Befinden der Betroffenen und wirkt sich auf viele Lebensbereiche aus. Auch Angehörige oder nahestehende Personen können die Krankheit nicht ausklammern. Bei Depressionen gibt es eine Vielzahl von Hilfsangeboten und Behandlungsmöglichkeiten. Es kann Ihnen helfen, wenn Sie sich bewusst machen, dass Sie mit Ihren Problemen nicht alleine sind. Deshalb gibt es in dieser Patientenleitlinie für Angehörige oder Freunde eines erkrankten Menschen ein eigenes Kapitel "Was Angehörige und Freunde wissen sollten" mit Ratschlägen, wie Sie mit dieser Situation umgehen können ab.

Anmerkung
Diese Patientenleitlinie richtet sich an erwachsene Menschen mit der Diagnose oder dem Verdacht auf "Depression" sowie an deren Angehörige. Sie behandelt diagnostische und therapeutische Verfahren für Erwachsene, die Gegenstand der S3-Leitlinie/Nationalen VersorgungsLeitlinie "Unipolare Depression" sind. Diese Patientenleitlinie gilt nicht für Kinder und Jugendliche. Sie hilft Ihnen nicht weiter, wenn bei Ihnen eine besondere Form der Depression (auch genannt manisch-depressive oder bipolare Erkrankung) oder eine Psychose festgestellt wurde.

Die Patientenleitlinie informiert ausführlich über Depressionen. Kurze Informationsblätter zum Thema finden Sie unter: www.patinfo.org.

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1.1 Warum Sie sich auf die Informationen dieser Patientenleitlinie verlassen können

Grundlage für diese Patientenleitlinie ist die 2. Auflage der S3-Leitlinie/Nationale VersorgungsLeitlinie "Unipolare Depression". Sie enthält Handlungsempfehlungen für Ärztinnen, Psychotherapeuten und andere Berufsgruppen, die sich mit Depressionen befassen. Initiator der Leitlinie war die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), die federführend die S3-Leitlinie entwickelte und als Nationale VersorgungsLeitlinie gemeinsam mit der Bundesärztekammer, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften herausgab.

S3 bedeutet, dass die Leitlinie den höchsten methodischen Ansprüchen genügt, die in Deutschland gelten. Da sie für Fachleute geschrieben wurde, ist sie nicht für jeden verständlich. In dieser Patientenleitlinie übersetzen wir nun die Empfehlungen in eine allgemein verständliche Form. Die vorliegende Patientenleitlinie orientiert sich sehr eng an der Leitlinie, gibt diese aber nicht in voller Ausführlichkeit und im Original-Wortlaut wieder. Einige Personen aus der Autorengruppe der Leitlinie waren beratend an dieser Patientenleitlinie beteiligt (siehe "Impressum").

Die Quellen und Studien, auf denen die Aussagen dieser Broschüre beruhen, sind in der S3-Leitlinie/Nationale Versorgungs-Leitlinie "Unipolare Depression" nachzulesen. Die Literatur, die wir außerdem noch genutzt haben, finden Sie im Kapitel "Verwendete Quellen".

Die Leitlinie für Fachleute ist im Internet frei zugänglich: www.leitlinien.de/nvl/depression.

Unter der Internetadresse www.patienten-information.de/ patientenleitlinien/patientenleitlinien-nvl/depression ist der Leitlinienreport zur Patientenleitlinie abrufbar.

Eine Leitlinie...

... ist eine Orientierungs- und Entscheidungshilfe für Ärztinnen und andere Fachberufe (zum Beispiel Psychologen). Sie wird von einer Expertengruppe im Auftrag einer oder mehrerer Fachgesellschaften erstellt. An der Leitlinie zur Unipolaren Depression waren viele Fachleute beteiligt: Psychologinnen, Psychiater, Psychotherapeutinnen, Nervenärzte und Allgemeinmedizinerinnen sowie Patienten- und Angehörigenvertreter (siehe Kapitel "Organisationen und medizinische Fachgesellschaften").

Dennoch ist eine Leitlinie keine Zwangsvorgabe. Jeder Mensch hat seine eigene Krankengeschichte und eigene Wünsche. In begründeten Fällen muss der Behandelnde sogar von den Empfehlungen einer Leitlinie abweichen. Wenn Sie das Gefühl haben, nicht leitliniengerecht behandelt zu werden, fragen Sie nach dem Grund.

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1.2 Eine Wissenschaft für sich – die Empfehlungen einer Leitlinie

Die Empfehlungen einer ärztlichen Leitlinie beruhen soweit wie möglich auf fundierten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Manche dieser Erkenntnisse sind eindeutig und durch aussagekräftige Studien abgesichert. Andere wurden in Studien beobachtet, die keine sehr zuverlässigen Ergebnisse liefern. Manchmal gibt es in unterschiedlichen Studien auch widersprüchliche Ergebnisse.

Alle Daten werden einer kritischen Wertung durch Experten und Patienten unterzogen. Dabei geht es auch um die Frage: Wie bedeutsam ist ein Ergebnis aus Sicht der Betroffenen? Diese gemeinsame Abwägung spiegelt sich in den Empfehlungen der Leitlinie wider: Je nach Datenlage und Einschätzung der Leitliniengruppe gibt es unterschiedlich starke Empfehlungen. Das wird auch in der Sprache ausgedrückt:

  • "soll" (starke Empfehlung): Nutzen und/oder Risiko sind eindeutig belegt und sehr bedeutsam, die Ergebnisse stammen eher aus sehr gut durchgeführten Studien;
  • "sollte" (Empfehlung): Nutzen und/oder Risiko sind belegt und bedeutsam, die Ergebnisse stammen eher aus gut durchgeführten Studien;
  • "kann" (offene Empfehlung): Die Ergebnisse stammen entweder aus weniger hochwertigen Studien, oder die Ergebnisse aus zuverlässigen Studien sind nicht eindeutig, oder der belegte Nutzen ist nicht sehr bedeutsam.

Manche Fragen sind für die Versorgung wichtig, wurden aber nicht in Studien untersucht. In solchen Fällen kann die Expertengruppe aufgrund ihrer eigenen Erfahrung gemeinsam ein bestimmtes Vorgehen empfehlen, das sich in der Praxis als hilfreich erwiesen hat. Das nennt man einen "Klinischen Konsenspunkt" oder auf Englisch "Good Clinical Practice Point".

Bei der Umsetzung der ärztlichen Leitlinie haben wir diese Wortwahl beibehalten. Wenn Sie hier also lesen, Ihre Ärztin oder Ihre Arzt soll, sollte oder kann so oder so vorgehen, dann geben wir damit genau den Empfehlungsgrad der Leitlinie wieder. Beruht die Empfehlung nicht auf Studiendaten, sondern auf Expertenmeinung, schreiben wir: "nach Meinung der Experten …"

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zuletzt verändert: 19.12.2016 09:12